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  • Henni Jesch

Also, das mit der Trakehner Landesstutenschau im Murtal, das war so ...


Eine toll gemachte Veranstaltung auf der herrlichen Gestütsanlage des Trakehnergestüts Gschlössl Murtal. Einen schöneren Ort für diese Veranstaltung kann man sich nicht wünschen und auch keinen größeren Aufwand um alles perfekt zu machen. Das hatte allerdings ein bißchen einen bittersüssen Beigeschmack.


Aber zuerst zu den Pferden. Ich war ja wieder mal am Freitag schon ganz in der früh da, um ja alle DPAs zu sehen. Das ist mir allerdings nicht ganz gelungen und das lag einerseits daran, daß ich – wie viele andere – diesen Ort einfach nicht gefunden hab! Trotz Navi im Batmobil und Google Maps am Handy. Es war echt verhext! Ich wußte, daß ich in der Nähe bin, aber ich konnte den Bestimmungsort einfach nicht treffen! Wie ich´s dann gefunden hab, wurde ich dann ungefähr 3x von so herzigen Security Kindern belehrt, daß ich hier nicht sein könnte, weil ich nämlich kein VIP Bandel hätte und deswegen hier kein Platz für mich ist, aber möglicherweise irgendwoanders… Ich war ganz zahm! Echt, ganz nett war ich! Wirklich! Die können ja nix dafür. Ich bin jedes Wochenende auf einem Dressurturnier und ich kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, daß am Freitag um 8.30 nicht der große Run auf´s Dressurviereck stattfindet! Da kommen 15 Zuseher und die gehören zu irgendeinem Pferd dazu, sonst wären sie ja nicht da! Aber ok. Ich versteh ja, daß es Eingänge gibt, wo man mit dem Pferd reindarf und welche für Besucher. Das ist eh immer so. Nur das mit VIP und NICHT-VIP war so a bisserl komisch formuliert. Aber das können die Security Kinder ja nicht wissen, daß wir alle in Gummistiefel über nasse Wiesen rennen, Wassereimer schleppen, Bandagen rauf und runterwickeln und was weiß ich was Un-VIP mässiges machen. Jetzt mußten die NICHT VIPS auf einer großen Wiese, fast einem Feld, gaaaaaanz hinten parken und die VIPs am vorderen Ende. Gemäß dem Andrang waren jetzt vorne 10 Autos und hinten 2! Da waren nur etwa 300 m Unterschied – Wiese. Macht nix! Ich hab so ein SUV, das fährt über die Wiese und über´s Feld auch! Es lügt mich jeden Tag an, daß es nur 8 Liter frißt, das glaub ich ihm je nach meiner optimistischen Einstellung zum Tag mehr oder weniger. Tatsächlich frißt er zumindest 10 Liter – aber dass muß man ja nicht so genau nehmen – es fährt auf alle Fälle über solche Wiesen. Praktischerweise hatte ich auch die Turnschuhe an und bin blitzartig übers Wieserl gesprintet um ja noch die ersten Starter in der DPA zu sehen. Ich wollt nämlich unbedingt Arosa und die Schwaiganger Hex live sehen. Das hab ich dann leider nicht geschafft, weil ich dann nämlich auch noch die Runde außen ums Zelt gehen mußte, weil ich ja nicht VIP bin und damit nicht gradaus gehen durfte. Also es macht mir nix, daß ich a paar Meter geh, ich bin gut zu Fuß und mein Hund findets super. Aber leider konnt ich das Topmodel und die Arosa nicht in der DPA sehen. Die haben sich ihre Noten über 8 ohne mich geholt. Das hat mich bißerl geärgert, weil eigentlich war ich bald genug da. Aber netterweise hat man uns die Stars des Gestüts Murtal eh oft genug gezeigt. Die schlafen gut nach diesem Wochenende, die Stuten. Aber müde Trakehner sind ja bekanntlich gute Trakehner!


Ich war ja damals live am Trakehner Hengstmarkt – wie eh immer – wie das Gestüt Murtal all diese Pferde in Neumünster gekauft hat, deren Nachzucht man heut hier sieht, bzw die man heute hier unter dem Sattel sehen konnte. Und da muß man echt sagen: da ist verdammt viel richtig gemacht worden! Ich hätt mir damals nicht vorstellen können, daß die paar Stuten und Fohlen, die da gekauft wurden einmal so aussehen und deren Nachzucht sie auch noch weit übertrifft. Schön zu sehen, daß das mit der Reitpferdezucht auch funktioniert, wenn man´s gscheit macht! Beeindruckend! Und jeder Sieg und jede Schleife war hochgradig verdient und kein Gastgeberbonus – der war nicht not.


Da muß man jetzt auch mal sagen, daß das reiterliche Niveau recht zu wünschen übrig gelassen hat. Da reitet dann offensichtlich jeder, dessen Pferd eine doppelte Elchschaufel trägt. Da müßt man direkt eine Quali-Limit einführen. Manches war echt unterm Hund. Aber das lag nicht an der Qualität der Pferde. Eine Wohltat waren die deutschen Profis Nicole Raili und die Schwaiganger Hexe. Aber das war ja zu erwarten, daß das bei denen so aussieht wie´s gehört. Diese Arosa ist auch wirklich beeindruckend. Vor allem die Gelassenheit mit der die 4 jährige Stute die an sie gestellten Aufgaben löst. Da scheinen auch Reiter und Pferd einfach zusammen zu passen. Manchmal gehören zwei zusammen…


Yvi und ihr Rolex waren ein Highlight in der LM und M und Martin Hauptmann kann natürlich auch eine ordentliche M und S reiten. Luises Gribaldi Stute mußte sich leider mehr mit dem Publikum auseinander setzen als mit der M Dressur. Die S hat der unheimlich schöne Hibiskus mit Nicole Raili haushoch gewonnen. Da kommt dann mal keiner in die Nähe. Der ist aber auch so unglaublich schön. Ich könnte ihn tagelang nur ansehen! Und die kann halt auch reiten. Das hat sie auch den ganzen Tag gemacht – von früh bis spät. So ist die Aufgabe. Von 3 jährige Materialpferde bis zur S Dressur. Bei den Dreijährigen kam uns auch Gräfins Vollbruder unter: Graf Tassilo – sieht eh gleich aus. Er hat mit 8 gewonnen! Die Gräfin war wieder mal bezaubernd, aber es gehen halt die versammelten Lektionen noch nicht so wirklich, aber Andis Reiten und die Grundqualität der Gräfin sind dann doch für Platzierungen gut. Ich mag dieses Pferd einfach so sehr!


Abends wäre dann ein Züchterabend gewesen, da aber nur zwei Leute „VIP“ sind pro Pferd, hab ich mich da auf gar keine Diskussion mehr eingelassen. Ich war an dem Tag schon zu oft NICHT -VIP. Das Security Mädel meinte zwar ich sollt fragen gehen, ob ich auch darf, aber …Nein! Ich wollt nimmer betteln und nahm mir vor im Hotel ein Buch zu lesen. Das mit dem Buch wurde nix, denn da traf ich auf die bayrischen, schwäbischen und norddeutschen Züchter, die ja auch alle nicht VIP waren.


Aber, was ich selber nicht glauben wollte: Es hat mich persönlich getroffen, von der Veranstaltung ausgeschlossen zu sein. Ich bin jetzt echt kein Kind, das bizzelt, wenn es etwas nicht bekommt. Aber es dürften sich mehrere so gefühlt haben. Persönlich betroffen. Sie züchten diese Pferde, sie ziehen sie auf, sie reiten sie an, bringen sie auf Stutleistungsprüfungen, sie sorgen sich um sie, sie freuen sich über ihre Erfolge, sie streiten sich wegen ihnen – sie leben für ihre Trakehner Pferde! Ich kam mir vor, wie das kleine Mädchen mit den blonden Zöpfen, das sich vor etwa 30 Jahren die Nase an der Reithallentür platt gedrückt hat, um ein bißchen die schönen Pferde anschauen zu dürfen…


Das mit dem NICHT -VIP Status zog sich dann so durch und hat wohl einige etwas verärgert. Die Security Kinder können natürlich jetzt nicht ausmachen, wer hier gewichtige Positionen im Trakehnerverband bekleidet oder daheim einen Stall mit 15 Zuchtpferden hat und deswegen eigentlich schon VIP ist auch wenn er jetzt nicht mit Pferd hier bei der Tür reinkommt. Er hat vielleicht „nur“ Pferde gezüchtet, die hier laufen.


Also das Problem mit der etwas übereifrigen Security hätte sich ja ganz einfach lösen lassen: Wenn man den Security Kindern einen Hectoliter Flügerl gibt und sie zum Red Bullring schickt, dann haben die eine sinngebende Aufgabe, und sie gefährden nicht die diplomatischen Beziehungen zwischen dem ostpreussischen Bayern, dem ostpreussischen Österreich und dem ostpreussischen Preußen auf dem Hoheitsgebiet der Elchschaufel in der Steiermark. Dieses VIP – Nicht-VIP Konzept war nicht ganz Zielgruppenkonform, da viele Züchter und vor allem Trakehner Verbandsfunktionäre irgendwie „NICHT-VIP“ waren, wobei sie schon der Meinung waren, in irgendeiner Form bedeutungsvoll zu sein… Was ich jetzt nichtmal in Abrede stellen möchte. Irgendwer muß die Zauseln schließlich züchten, aufziehen, ausbilden, brennen, registrieren usw! Die durften dann nicht auf den Züchterabend, nicht an die lange Seite des Vierecks und natürlich nicht gradaus gehen, sondern nur außenrum. Dieses ständige Zurechtgewiesen werden, daß man hier nicht sein dürfte, weil man nicht VIP wäre – das war fast eine Kriegserklärung der österreichischen Ostpreußen an die anderen Ostpreußen. Dabei sind die Steirer recht friedliebend – die schießen nur mit Kürbiskernen und zielen mit Kernöl.


Die Lage an der Security Front hat sich am Samstag aber entspannt. Einerseits schienen die Security Kinder zahmer geworden zu sein und natürlich ist auch der Besucher lernfähig und eigentlich eh recht kompromißbereit. Außerdem hat der tatsächlich eintretende Besucherandrang bei der Stutenschau und am Schaunachmittag manche Maßnahmen gerechtfertigt, die am Vortag bei der Dressur einfach völlig deplatziert waren. Fassen wir´s mal so zusammen: Das Veranstaltungskonzept hat im zwischenmenschlichen Bereich noch Optimierungspotential. Immer dieses Menschen…. Die fühlen und denken…. Um die Pferde kümmern wir uns eh! Echt!


Die Stutenschau war gut besucht mit Pferden und Zuschauern. Da war dann auch alles wieder gut! Die Gräfin wurde ja kurzfristig nachgenannt, weil sie ja eh schon da war und schön aussehen kann sie ja gut. Sie wurde dann auch wirklich noch mit einer 1d Prämie ausgezeichnet bei den 4 bis 6 jährigen Stuten. Sie hält ja leider Schrittgehen für Tierquälerei. Man kann alles im starken Trab erledigen, was im Schritt viel zu lang dauert! Eben auch Kurzkehrt und einfache Galoppwechsel. Die Züchterin von der Gräfin war auch da und war durchaus erfreut über ihre Entwicklung. Auch die Gesamtsiegerstute der Schau „Nachtinsel“ vom Gestüt Murtal kam aus Elmarshausen und insgesamt eben 4 Pferde.


Eines der beeindruckendsten Bilder dieser Trakehnertage, das mir sicher im Gedächtnis bleibt, war das des galoppierenden Trakehner Buschpferdes Lebenstraum. Der gekörte Hengst steht Harald Sigl als Buschpferd zur Verfügung und der hat ihn auf dem großen Reitplatz auch gekonnt in Szene gesetzt. Dieses Bild, wie Harald den Hengst im Galopp auffordert anzutreten…. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, WIE dieses Pferd antritt! Wie dieses Pferd galoppiert! Da wird die Welt klein… Dann kommt er mühelos zurück, springt ein Hindernis, und tritt auf die Sekunde wieder an, aber WIE der antritt!! Das würd ich gern mal fühlen… aber es wäre natürlich grober Unfug mit Lebenstraum Dressur zu reiten.


Dann sahen wir auch noch den Trakehner Siegerhengst der letztjährigen Körung: Perpignon Noir. Der wunderschöne Schwarzgoldsohn ging ja netterweise nach Österreich, weil ein Herr Ochsner beschlossen hat, daß es mehr Trakehner for Life braucht! Gute Idee! Also an dem Pferd ist nix falsch! Aber so soll das bei einem Siegerhengst ja auch sein! Schritt, Trab, Galopp und Typ und Ausstrahlung wie gemalt! Ralf Kornprobst hat ihn zum ersten Mal unterm Sattel vorgestellt und das gleich auf dem großen Platz vor applaudierendem Publikum. Aber wer kann – der kann!


Ich hab die Veranstaltung dann während des Schauprogramms verlassen, weil ich mir dann eine halbe Stunde Noriker anschauen mußte… eh schön, aber berufsbedingt kam mir das wie die Quadratur des Kreises vor, daß ich von der Landwirtschaftsschule auf die Trakehner Stutenschau fahre, um dann Noriker anzuschauen? Ich ging nochmal an der Halle vorbei, wo Nicole Raili Hibiskus abgeritten hat und vor der Halle der beeindruckende Hofrat seine Show abzog angesichts der attraktiven Norikerstuten. Hofrat ist wohl einer der großen Dressurpferdemacher, auch wenn sie nicht ganz so schick sind, wie sie in Trakehnen sein sollen, aber Gribaldi läßt grüßen…


Das Bild von Hibiskus und Hofrat soll der grandiose Schlußakkord dieser Veranstaltung in meinem Kopf sein….

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