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  • Henni Jesch

Also das mit dem genialen Turniertag in Gastein, das war so ...


Von meinem Team waren nur Andi, Kati und ich mit Manza im Turniereinsatz. Mit dabei waren Sina, Marina, Lisa, die ganze Mannschaft aus Biburg, das Equizando Team. Also ihr könnt Euch vorstellen, daß man da gleich mal in ein Glasl Prosecco reinrennen könnt.


In Summe waren es 5 Starts… 4 Siege und ich mußte mich einmal als 2. hinter Andi anstellen. Also mehr geht nicht!


Fast unheimlich, daß es grad so läuft. Letzte Woche in Steyr und jetzt in Gastein. So viele Siege mit hohen Noten. Dass Andi und die Gräfin mit einem 8er die A gewinnen hab ich Orakel ja vorausgesagt. 8.5 war dann halt ein bißchen mehr. Und den Sieg in der DPA mit einer Durchlässigkeitsnote von 8 hab ich auch erwartet. Die ist schon sehr toll die Gräfin. Wenn sie immer wieder mehrere Füß am Boden läßt, isses gut. Das war eine zeitlang nicht so. Ich kenn auch kein Pferd, das sich bei Siegerehrungen so genußvoll bewundern läßt, wie die Gräfin. Dieses Tambour Gsicht kann man ja auch hingebungsvoll betrachten. Es ist ja weithin bekannt, daß ich die Trakehner gern anschaue.


Der Auftrag mit Manza A Dressur zu reiten, war etwas schwieriger auszuführen. Da war nämlich auf der anderen Seite der Gasteiner Ache eine Koppel mit 2 Norikerdamen. Die konnten bis auf den Wall rauf und waren dann eigentlich nur 30 m vom Reitplatz entfernt.


Eine dieser Pferdedamen schien gerade ausgezeichneter Stimmung zu sein und war zu dem Schluß gekommen, daß ihr aktuelles Problem durch diesen grauen Strahlemann zu lösen wäre. Diese rassigen Südländer kommen bei der einheimischen Bevölkerung ja öfter gut an. Und in dem Gebirgstal zwischen jeder Menge von Bergen kommen ja durchaus deutsche Touristen vorbei, aber eher selten gekörte spanische Hengste.


Der war eh sehr brav – aber irgendwann kann sich der bravste Hengst nimmer konzentrieren. Mit Contiki wäre das am Ende etwas spannend geworden.


In der Aufgabe war er dann so zäh, daß ich dachte, ich komm nie am anderen Ende vom Viereck an. Wer kennt das? Es heißt M-K Wechseln Mitteltrab – und man reitet beim M los und reitet und reitet und das K geht immer weiter weg…..man kommt niiiiiie an.


Manza durfte hinter der Gräfin Zweiter werden. Andi hat uns allerdings mit 8.5 zu 7.2 ganz schön weit verblasen. In seinem Viereck schienen die Buchstaben auch stabiler gewesen zu sein.


Viel spannender war das Projekt „Winklhof´s Grenoble“. Das war wirklich spannend! Aber ganz ab und zu bekommt man im Sport mal mehr, als man sich durch Training eigentlich verdient hat. Meist ist es umgekehrt.


Und ganz ab und zu gibt´s auch Sportler – mentale Talente – die können zwar im Training erst 80% der geforderten Leistung und bringen dann im Bewerb 100%. Ich gehör da ja nicht dazu. Ich muß es üben, bis es leicht geht. Wenn ich im Training 100% alle abfragen kann, dann bring ich 80% ins Viereck. Unpraktisch! Ressourcenextensiv!


Mit Kati und Martina (Winklhof´s Grenoble) war das eigentlich sehr unwahrscheinlich, daß sie hier was reißen. Der Plan war eher…. grundsätzlicher.


Ausnahmsweise hatte ich nämlich keinen! Das ist eher ungewöhnlich. Sehr sogar. Ich habe immer einen Masterplan für meine Schüler und deren Pferde. Das bewährt sich ja auch ganz gut.


Martina hatte ich für diese Turniersaison gar nicht am Plan. Gar nicht!


Es war bloß so, daß ich es mir in den Plan gepaßt hat, dass Winklhof Pferdewirtschafsschülerin Kati in Gastein nochmal Turnier reiten könnte. Zerst bringt man ihnen mit einem gewissen Aufwand Turnierreiten bei, dann können sie´s und dann tut man´s nicht? Ist ja Ressourcenvergeudung.


Also wollt ich eigentlich Kati nochmal mitnehmen – mit Contiki, weil das in Wels auf der Pferdewirtetrophy so „interessant“ abging. Da bekam Kati eine 9.0 in der Dressurreiter A und dabei war Contiki nur blöd und macht so gut wie nix richtig. Der Richter war so beeindruckt, wie das Mädel den aufgedrehten Hengst – trotzdem – durch die Aufgabe ritt, daß er 9.0 gab - für „fast nix richtig“. Da ist ja noch Luft nach oben drin! Fazit: Kati kann das – nämlich im Bewerb kompetent Probleme lösen.


Das kann man ja öfter bauchen! Auf einem braven Contiki eine schöne Runde reiten, ist auch sehr lustig aber kein Arbeitsauftrag. Außerdem gibt´s da immer wieder interne Spannungen, daß ich mit Contiki lustig auf´s Turnier fahr und andere unlustig nicht auf´s Turnier fahren. Wobei da jeder einen Führerschein hat! Aber das gibt´s ja öfter, daß man könnte, was man nicht tut, und ein anderer einfach tut, weil er´s kann. Und dann ist es quasi geschehen. Padautz….


Contiki ist allerdings im Handling etwas kompliziert. Man kann ihn nicht wie Manza oder Dux einfach 5 Stunden lang mit einem Heunetz am Hänger anbinden. Vermutlich würde er mitsamt Hänger und Auto bei den Norikerdamen auf der anderen Seite der Gasteiner Ache auftauchen. Und: er würde nicht merken, daß das Waser kalt ist!


Weil mir das alles mit Contiki zu aufwendig war, hatte ich die Idee – am Donnerstag – wir erklären der 6 jährigen Martina, was ein Turnier ist. Die haben wir vor einem halben Jahr gerade angeritten bekommen, als Springnachwuchs. Aber ein Dressursattel ist schnell drauf geschnallt. Kati kommt mit der ganz gut zurecht. Manchmal passen zwei einfach zusammen und es sieht gut aus. Ohne viel Training. Turniertauglich ist das noch nicht. A-Dressur fertig ist die nicht. Aber im Dressurreiterbewerb lizenzfrei geht´s ja um die Fähigkeit des Reiters, die gestellte Aufgabe zu lösen. Das kann Kati ja ganz gut. 2 lizenzfreie Bewerbe hintereinander, ein kleines C Turnier – also um Tod und Teufel geht’s da nicht!!


Also: Wenn es uns gelingt fortzufahren, also Martina in einen Hänger zu verfrachten, dort auszusteigen und das Pferd bei uns zu behalten, Kati draufzusetzen und dann auch oben bleiben, innerhalb des Vierecks zu bleiben und dann vielleicht noch annähernd durch die Prüfung zu steuern und vielleicht – nur ein bißchen – auch noch durch´s Genick zu gehen – dann wäre das schon ganz toll! Also eigentlich wäre das alles zusammen schon überdrüber!


Am Freitag haben wir die Aufgaben in der Schulstunde am Wiesenhof probiert… naja ungefähr die Linien getroffen und auch immer wieder mal durch´s Genick gegangen. Dagegen hatte Martina nix, sie hat sich bemüht, aber nichts so ganz verstanden. Was soll´s. Die gehen am ersten Turnier sowieso vom X ned zum C. Wir erklären ihr nur mal das Spiel im Allgemeinen und im Besonderen – und schauen was passiert.


Normalerweise ist das nicht meine Lieblingsvorgehensweise, aber in dem Fall kam mir das sinnvoll vor. Kann jetzt auch nicht genau sagen, warum ich diesen Eindruck vorher hatte. In der Nacht lag ich dann stundenlang wach, weil ich Sorge hatte, daß sie nicht einsteigt – und ich mich durchaus gefragt hab, warum ich mir das jetzt antu?! Ich hätt einen friedlichen Turniertag….


Ich hab aber auch nie behauptet normal zu ticken.


Für Kati war´s vielleicht ganz lehrreich: Wie fährt man mit einem Pferd aufs Turnier, das eigentlich aus eigener Intuition nicht auf´s Turnier fahren würde? Contiki würde selber fahren, wenn er einen Führerschein hätte! Man sollte da horsemanshipmässig möglichst nichts falsch machen, weil nix lernen die so schnell, wie sich zu entziehen. Einladen ist ja so ein Klassiker. Wenn geklärt ist, wer Chef und wer Befehlsempfänger Hilfszwerg ist, dann kriegt man die meist auch dorthin, wo sie hinsollen. Es gibt ja immer wieder diese Bilder am Turnier, wo ein dicker Haflinger stundenlang auf einer Hängerrampe steht und genüßlich aus einem großen Eimer Hafer frißt. „Der hat so Angst vorm Hänger!“. Ja, das sehe ich! Der Hafi hat den Optimalzustand erreicht: bewegungsabstinent in der Sonne stehen, gefüttert und angehimmelt werden. Na der wird ned einsteigen!


Ich hab ein simples Prinzip: Draußen sind alle lästig, drinnen sind alle lieb und es gibt Heu! Dazu konsultiere ich meinen Lieblingsverbündeten, den Besen. Sieht schrecklich aus, aber richtet keinen Schaden an. Martina verstand die Argumente binnen 10 Minuten und war drin. 1. Problem gelöst! Beim Fahren war sie brav und raus kam sie auch unter heftigem Ausschlagen. Den Rest fand sie cool. Beim Aufsteigen ist Kati mal davongeflogen, aber auf den Füssen gelandet. Es brauchte einen zweiten Versuch.


…. Und dann gewannen die beiden beide Dressurreiterbewerbe!!


Ganz mühelos und in schöner gleichmässiger Anlehnung, ohne große Lektionsfehler. Padautz wie dies?


Weil man ganz selten eben mal was geschenkt bekommt…. Wie dieses sturzbrave Pferd, das unheimlich willig die an sie gestellten Aufgaben löst.

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