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  • Henni Jesch

Wann man denn jetzt wirklich wer ist?


Also … im Fall des lieben Briefträgers im Mühlviertel ist das ja so:

Der ist immer schon Briefträger, zuhause im Mühlviertel, wo meine Mutter wohnt. Und es gibt auf der Welt niemanden, der diesen Job besser, gewissenhafter, und mit mehr Engagement ausführen könnte. Da ist jemand genau an der richtigen Stelle. Er hat zum Beispiel früher meinen Vater rausgeläutet, wenn das Wetter schlecht war:

„Herr Ingenieur, müssen´s aufpassen! Der Hund ist nass! Ned dass ihn reinlassen und dann ist alles voll!“

Wenn es noch schlechter war:

„Herr Ingenieur, müssen´s aufpassen! Es is ganz glatt auf da Straßn! Gefroren! Mich hat´s fast mitm Moped gschmissn! Ned dass ihna was passiert!“

Letzten Sommer hat sich meine Mutter die Hand gebrochen, da wäre er beim Anblick des Gipses fast in Tränen ausgebrochen, weil es wahrscheinlich so weh getan hat.

„Frau Professor! Es wird sicher wieder gut!“

Aber neulich hatte er was zu erzählen, weil er doch weiß, dass die Tochter in Salzburg lebt:

Er war in Salzburg. 1 Tag!

„So schön isses dort! Unglaublich! Das Festspielhaus, das ist in Echt noch viel schöner. Und der Dom!!! Da glaubst, du bist im Vatikan - der kann auch nimmer schöner sein! Und die Getreidegasse! Und dann erst die Festung. Die sieht man von überall! Die ist riesig!“

Im Fall der Dressurreiter ist das so…

Im Magna Racino reiten die hoffnungsträchtigen höheren Töchter dieses Wochenende Sichtung für die internationalen Dressurbewerbe: es geht um Tod und Teufel! Ich hab mal ein Jahr mitgespielt und ich kann Euch sagen: Tod & Teufel!

Viele Töchter sitzen auf großzügigen Einfamilienhäusern und können sich bei keiner Siegerehrung dazu herablassen, die Mundwinkel nach oben zu ziehen. Viele aus meiner Generation und mit meiner Leidenschaft im Herzen, denken sich vermutlich wie ich:

„Ich wäre jeden Tag auf den Knien nach Maria Plain gerutscht, hätte den Rest vom Tag Halleluja gesungen, wenn ich nur einen Hauch dieser Möglichkeiten gehabt hätte!“

Ich bin mir sicher, dass es immer noch junge Reiter gibt, die für ein Pferd zum Dressurreiten ihre Seele dem Teufel verkaufen würden. Aber der hat schon genug! Hatte er immer schon!

Ich kenne ein paar solche jugendliche Reiter...

Offensichtlich ist der Blickwinkel auf die Dinge immer eine Frage des Bezugssystems … und der persönlichen Einstellung.

Da fällt mir wieder der liebe Briefträger aus dem Mühlviertel im Salzburger Vatikan ein… Sollte man mal eine Jobrotation andenken? Ich weiß nicht, ob die Post ankommen würde. Ob der Hund sie überhaupt zur Klingel lässt? Würden sie denn jemand vor Unheil – wie einem nassen Hund (!) – beschützen?

Der liebe Briefträger würde in der Auffahrt zum Magna Racino glauben, er ist in Hollywood! … und wahrscheinlich hätte er noch nie so was Schönes wie diese Pferde gesehen…

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