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  • Henni Jesch

Grand Prix Special im Detail hinter den Medaillen


Judy Reynolds, Vankouver K Foto: Verena Lüthje

Da waren ja noch ein paar mehr im GPS, die ja zum Teil ganz interessante Sachen gemacht haben, die ja oft einer gewissen Verhaltenskreativität des Pferdes entsprungen sind. Groß eingeübt hat man das vielleicht nicht alles.

Verwundert hat mich etwa die Performance von Zack? Und ich bin ein großer Daniel & Zack Fan – wie eh jeder? Komischerweise hat Daniel mit Zack an dem Tag die Bestzeit im Grand Prix Special erritten. Er hat ihn da einfach ziemlich durchgeschossen? Wahrscheinlich weiß er eh wieso. Mit Zuchthengsten kann das ja mal ein bisschen interessanter werden. Bela Rose könnte zur grechten Zeit am Abreiteplatz etwas mehr Leben in Vater und Sohn, Zack und Zonik, die hintereinander am Ende dran waren, bringen. Die Kombination könnte ja sehr gelungen sein, die möchte man eh gerne im Stall haben. Das haben sich die beiden Hengste vielleicht auch gedacht. Vielleicht. Sie kommen dann eventuell zu dem Schluss, sich am heutigen Tag mehr für „ins privatere gehende Tätigkeiten“ zu interessieren, inklusive dem Vertiefen ihrer sozialen Kontakte, ganz ohne Facebook.

Zacks Piaffen kamen mir nur angedeutet vor und wurden eher vermieden. Zonik war sehr häufig im Hinterbein ungeregelt, vor allem in den Passagen. Das hat Edward im GP zwar meisterhaft vermieden - quasi weggezaubert - ganz neu ist das Thema aber auch nicht. Man hat ja von Grund auf immer den Eindruck, dass Zoniks Hinterbein gar nicht so elektrisch sein möchte, wie Edwards langes Bein ist. Die Zeitverzögerung zwischen Hinterbein und Schenkel mag dann die Unregelmäßigkeiten ergeben. Deswegen fand ich diesen fehlerfreien Grand Prix so genial! Im Grand Prix gab es keine Unregelmäßigkeiten! Edward hat den schönen Schwarzen einfach durchpilotiert, ohne ein Wackeln. Durchgezaubert. Ich denke, dass das nicht ganz einfach ist? Das hat aber auch nie wer behauptet, dass der GPS einfach wäre!

Wir freuen uns auf die Kür… meistens zieht es mir bei Edwards Küren die Gänsehaut auf. Auch wenn es am Samstag 30 Grad haben wird. Auf der Tribüne in der prallen Sonne eventuell mehr. Na Hurra die Gams.

Dass der Special nicht so einfach ist, hat sich Emmelie Scholtens Desperado gleich gedacht. Deswegen hat er die ersten beiden Piaffen konsequent eingespart. Er hat lediglich Levaden angeboten und dabei noch ein bisschen angewidert mit den Vorderpfoten gebrazzelt. Das hat in den Richterhäusln auch keine Begeisterung ausgelöst. Bei Emmelie vermutlich auch nicht. Bei diesem Ungehorsam richten auch die restlichen guten Noten nicht mehr viel. An dem Tag hat der schöne Desperado unmissverständlich klar gemacht: Du kannst mir heut den Schuh aufblasen! Hab Emmelie nicht beneidet um diesen Auftrag.

Toll war Alcaide, der orange Lusitanohengst, der grad in die Kür gerutscht ist, weil Cosmo rausgerutscht ist. Ein interessanter Vergleich…

Claudio Castilla Ruiz hat – zum x-ten Male – alles richtig gemacht. Ein übereifriges Pferd, das sich in jeder Lektion fast die Füße ausreist, um ebenfalls alles richtig zu machen. Meisterhaft gemanaged von einem vorzüglich sitzendem Reiter, der unmerklich und wirklich über den Sitz einwirkt und damit eine Dynamik, Harmonie und Perfektion herstellt, die ihresgleichen sucht. Ich finde, dass er mehr verdient! Da bin ich nichtmal die einzige…

Cosmo hingegen war wieder – für seine Verhältnisse – undynamisch… und … der hing dem langen Sönke ganz schön auf der Kralle. Das muss man jetzt echt so unelegant ausdrücken! Da war häufig der 3. Zopf der höchste Punkt, nicht das Genick. Sönke hat auch ganz schön in die Seile gegriffen – über den Sitz reiten ist… anders. Jetzt haben sich da natürlich auch noch Fehler – einige – eingeschlichen. Is ja mühsam einen EM Special zu reiten, wennst dem Zausel permanent das Gesicht tragen musst. Schaut mich auch nicht gut an. Aber… Jetzt frag ich mich, warum ist der so viel besser als andere?

Da hätt ich die Reitkunst vom Claudio jetzt höher eingestuft? Der Lusitano ist bei Gott nicht undynamisch!! Da müssen Beine mal hin, wo der sie spielerisch unterbringt. Aber gut, es ist seine Art sich zu bewegen. So wie es Cosmos Art ist, sich wie Cosmo zu bewegen… nur zu sehen war das dieses Mal nicht. Erahnen kann man es allemal. Allerdings sollt ma uns bei der EM vielleicht nicht aufs Wahrsagen verlegen?

Dalera war charmant wie immer. Diese Leichtigkeit und der durchgehende gleichmäßige Fluss nach vorne! Das ist einfach schön. Allerdings waren da auch Unsicherheiten. Einmal Angaloppieren zwischen den Piaffen, das dort nicht hingehört hat. Sie war aber eh Vierte und somit statt Cosmo in der Kür. Ich sag ja auch ab und zu zu meinen Schülern, sie sollen im Zweifelsfalle mehr lächeln, denn wenn´s nix hilft, dann schadet es zumindest nicht.

Briolinca war gut. Leichtfüßig und konzentriert. Ich fand sie im GP aber noch besser. Ich hätte gesagt, gesetzter, versammelter. Aber im GP war ich auch noch ein bisschen geflashed von diesem unbekannten Pferd, das da in die Weltspitze piaffiert. Die Stute hat ein unheimliches Schwungentwicklungspotential. Man könnt immer wieder mal hinterfragen, ob das Hinterbein auch wirklich drunter ist und Last aufnimmt. Aber man muss es nicht unbedingt hinterfragen. Bis man die Frage zu Ende denkt, ist man von der Leichtigkeit schon lang verzaubert. Gareth war dann knapp vor Carl der beste Brite. Und das konnte er Carl nicht früh genug und deutlich genug zeigen. Schon beim Rausreiten hat er lachend auf die Anzeigetafel gezeigt und Carl gedeutet, dass er heute unglaublicherweise vorne ist. Aber wie Charlotte in ihrem Buch saget: es ist niemand besser im Zweiter sein als Carl.

Dante Weltino: das perfekte Pferd! Wenn man ein bisschen Schritt hinzufügt, ist Dante Weltino, meiner Meinung nach, das perfekte Pferd. Was möchte man denn noch züchten? Der trabt und galoppiert bergauf wie keine anderer! Abartig. Er passagiert, er setzt sich in der Piaffe… und diese Trabverstärkungen! Ich weiß nicht, was man da noch möchte? Ich fand ihn bei weitem am besten in den Trabverstärkungen. … und dann hat der perfekte Dante jedes Mal in der Wechseltour eigene Ideen zur Ausführung. So ein Koffer! Das sieht dann aus, als würd er kurz zu Therese sagen: Nein, jetzt freut´s mich nimmer! Sie kann ihn dann aber doch schnell wieder überzeugen, dass es ihn doch freut. Aber dann fehlt halt schon was. Den Punktverlust im Schritt müsste Dante eigentlich im Starken Trab reinholen. Der GPS hat ja viel davon. Bin gespannt auf die Kür..

Judy Reynolds war wieder bezaubernd! Und auch fehlerfrei. Die freut sich immer so mitreißend. Und mit ihr die ganze irische Gefolgschaft. Wir wurden auch kurzfristig „eingemeindet“ und mit irischen Flaggen ausgestattet. Und weil der irische Fahnenbeauftragte so nett und lustig war… haben auch alle anwesenden Engländer, Holländer und auch wie Österreicher mit den irischen Fahnen gewachelt. Man hat sich auf´s Herzlichste bedankt und die Glückwünsche für Tokyo auch gerne entgegen genommen. Da wünscht man doch auch gerne Glück! Man würde doch glatt noch diesem charmanten, korrekten Reiten von Judy Reynolds mit ihrem – inzwischen – schon 17jährigen Vancouver, eine Einzelmedaille wünschen. Und den irischen Dressurfans auch. Die können sich so freuen! Wahrscheinlich feiern die wie die Portugiesen, nur anders…

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