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  • Henni Jesch

Grand Prix Kür- Finale


Also man kann jetzt ned sagen, dass in der Dressur eh immer alles gleich ist. Isabell an der Spitze ist immer gleich. Der Rest war zeitweise ein ganz schönes Durcheinander!

Da gab es mal kurz eine Phase in der finalen Kür, da dacht ich mir: Wenn jetzt mal wieder einer kommt, der im kreisrum läuft und den Weg findet, wär´s auch gut.


Und diesbezüglich waren die Glock Reiter eine Wohltat. Weder Edward noch Hans Peter verirren sich im Stadion von Rotterdam oder brauchen ein Navi für ihre Kür. Die beiden haben in diesen drei Tagen einfach die bestmöglichen Leistungen abgeliefert. Glock perfection.

In der Kür waren beide schwarzen Hengste makellos und ich meine, dass es vielleicht die größten reiterlichen Leistungen waren. Edward war fehlerfrei und hat das Hinterbein – fast ausnahmslos – komplett im Griff gehabt. Da gab es – wie im Grand Prix – wieder keine Unregelmäßigkeiten. Zonik war toll! Die Trabverstärkungen sind einfach schön und in der Kür ordnet er sich die natürlich dorthin, wo er sie brauchen kann. Man ist ja auch nicht doof und reitet sorum, wie´s zum Erfolg führt. Ein Konzept, das er eventuell mal an jüngere Kollegen weitergeben könnt. Manche reiten da was zsam, das einfach nicht dem Können entspricht. Wenn man das noch nicht so lang macht, könnt sich´s bewähren, wenn man nicht grad einen Schwierigkeitsgrad von fast 10 wählt? Das ist vielleicht doch was, das man Isabells und Edwards überlassen könnte? Nennt man das Selbsteinschätzung? Aber ok, den Mutigen gehört die Welt!

Ich hätte an dem Tag gut mit einer Bronzemedaille für Edward leben können. Die reiterliche Leistung war einfach beachtlich. Aber da war einfach noch viel mehr. An die Mühelosigkeit einer Bella Rose oder die bezaubernde Leichtigkeit von Dalera reicht es einfach nicht ran. Aber es war perfekt geritten.

Dream Boy fand ich toll! Interessanterweise kam der schon anderes rein als die anderen. Er war staubtrocken – zumindest sah es so aus – und wunderschön strahlend. Er musste sich auch während der ganzen Kür relativ wenig aufregen, schien mir. Hans Peter und Dream Boy konnten ihr Programm „einfach“ durchreiten wie vorgesehen, ohne sich groß mit äußeren Einflüssen abzumühen. So schien es. Und wenn es so scheint, ist das ja auch ein bisschen in Ordnung. Er wird da schon nicht auf Urlaub gewesen sein, aber es war ohne besondere Vorkommnisse auf den Punkt geritten. Ich glaub, soviel besser kann man das gar nicht machen. Hätte ich gerne mehr honoriert gesehen. Aber natürlich tanzt Dalera bezaubernder.

Und dann ging es ja richtig zur Sache. Zum Durcheinander. Da haben sich dann auf einmal drei Pferde hintereinander irrsinnig aufgeregt. Da war vieles relativ schwierig. Ein Engländer, ein Finne und eine Schwedin. Naja. Kein Wunder, dass die bei 30 Grad Hitze nicht kooperativ sind. Das ist, als schickt man Spanier in den Schneesturm.


Da war Rosetti mit Henri Ruoste. Ein an sich beeindruckendes Paar, das man vorher noch nie auf großer Bühne gesehen hat, außer in Achleiten. Rosetti war aber überhaupt nicht einverstanden mit dem Auftrag in der glühenden Hitze vor tausenden wachelnden, behüteten Menschen seine leichtfüßige Performance darzubieten. Eigentlich ist das ja ein traumhaftes Pferd! Und Henri reitet den ja auch mit unsichtbaren Hilfen und es sieht wahnsinnig feinfühlig aus. Sonst explodiert der wahrscheinlich laufend. Und genau das ist er in der Kür auch: Explodiert. Eigentlich pausenlos. Und man nimmt ihm das auch ab, dass er sich jetzt vom Sport distanziert. Er reißt dann den Kopf hoch und springt in die Luft. Nix, was dem Reiter das Leben leichter macht. Und auch nix, das jemals in einem Floorplan vorkommen sollte. Das hat also echt ein Unglück genommen.


Dann war da der bewegungsstarke Buriel unter der jungen Juliette Ramel. Ein Pferd von dem man als junger Dressurreiter nur träumen kann! Allerdings konnte man nur mäßig gut bremsen. Einreiten in der Passage und dann hat das mal ausgesehen, als ob der jetzt einmal überhaupt nicht anhält. Gar nicht. Der zieht sie aus dem Sattel wie ein Blattl Papier und stiefelt einfach weiter. Man hat dann die Trabversstärkungen weitgehend eingespart, denn da wurde es wieder unsteuerbar. Pi und Pa ging ohne Bremsen und das nahm dann auch kein Unglück. Da wäre jetzt die Überlegung, ob man nicht den Schwierigkeitsgrad reduziert? Aber wahrscheinlich ist das nicht das Problem – Bremsen war das Problem – Durchlässigkeit genannt, auf schön. Ich glaub, da hat am Anfang der Chefrichter schon nach dem Hut gegriffen, dass er rennen kann. Es wird´s schon wieder einer von oben richten können.


Und dann kam noch Delicato und Carl Hester. Das war dann überhaupt interessant. Da ging eigentlich gar nichts. Der ging einfach gar nicht. Der hat nichtmal zugehört. Da tat einem Carl Hester schon fast leid. Üblicherweise kann sich der aber ganz gut behaupten. Dieses Mal irgendwie nicht. Bei jedem Ansatz Wechsel zu reiten, war Delicato höchst erstaunt, was das denn jetzt sein sollte? Hätte er ja noch nie gemacht. Also das war wirklich eigentümlich. Das war nicht das Championat der Engländer.

Briolinca hat es zum Glück rausgerissen. Die lieferte eine vergleichsweise solide Vorstellung ab, wenn auch nicht makellos. Aber da war man kurzfristig mal froh, dass wieder einer im Kreisrumlief und bremste.


Einer, der das alles – wieder einmal – vorzüglich löste, war Claudio Castilla Ruiz mit dem orangen Lusitano Alcaide. Ganz kleine Schwierigkeiten sofort den Takt in der ersten Galopppirouette zu finden, aber wie der Gang drin war, war´s einfach toll. Die Kürz war wahnsinnig schwierig. Der ritt gleich mal mit einer Hand los in die Einerwechsel, nach der Pirouette. Also schwieriger kann man es nicht machen, aber bei den portugiesischen Hengsten hat man ja immer den Eindruck, das ist jetzt alles kein Problem. Nur fad ist blöd. Die Richter blieben schön überschaubar mit den Noten, nur die Katastrophenritte waren dahinter. Aha. Na eh. Man bleibt wohl lieber unter sich. Das Publikum hat den sympathischen Spanier und seinen übereifrigen portugiesischen Hengst begeistert gefeiert. Sogar in den Social Media Foren waren die beiden Superstars. Ein bisschen Bandbreite mit Lenken, Bremsen und Sitzen würd dem Sport jetzt gar nicht schaden…


Dante Weltino: Ich mag den so! Aber er steigt halt immer wieder kurz aus der Ausführung der Lektionen aus, um es ein paar Tritte oder Sprünge später wieder ganz selbstverständlich weiter zu machen. Sieht undramatisch aus. Bloß, richtig isses halt nicht, wenn er immer wieder Teile der Lektionen einspart. Mit freiem Auge kann man nicht ersehen, was da eigentlich falsch ist – er macht nur einfach manchmal was nicht zu Ende. Er spart 3 Einser ein, um dann ganz selbstverständlich fortzufahren. So sind´s die Prinzen.


Well Done und Patrick fand ich nicht ganz so präzise, wie ich erwartet hätte. Da war am Anfang in den Piaffe Feuerwerken ein bisschen Mühlseligkeit bis der Fluss drin war. Die Verstärkungen sind sowohl im Trab und im Galopp mäßig, wenngleich besser als im Special. Da geht halt einfach nicht so viel mehr. Den hätt ich auch ein bisschen weiter nach hinten gesetzt. Aber es ist in der Spitzengruppe so eng, dass es egal ist, jeder könnt weiter vorn oder weiter hinten sein. Fast jeder.


Zack war wieder so, wie man ihn kennt: dynamisch, präzise und einfach auf unspektakuläre Art: korrekt! Leider ein Wechselfehler. Und das in diesen Wechseln! Da gibt es schon ganz hohe Noten, die Richtung 10 gehen. Der hat dann auch mal vorgelegt und er hätte eine Medaille verdient gehabt. Aber da kamen ja noch welche.


Judy Reynolds hatte mit Vancouver die undankbare Aufgabe als letzte zu reiten, nachdem es schien, als wären alle Medaillen schon vergeben. Die hätte ja fast 100 Prozent reiten müssen. Aber sie kam auf den 5. Platz. Und das ist einfach toll! In diesem Starterfeld. 85 Prozent ist ja kein Brösel. Dieser Vancouver war ja am Anfang seiner Karriere so verrückt, dass man dachte, die kommt eh nie durch die Prüfung. Jetzt ist er zuverlässig und liefert eigentlich in 3 Prüfungen einer Europameisterschaft Top Ergebnisse ab! Jede der 3 Prüfungen fehlerfrei und mit persönlicher Bestleistung. Respekt.


Der herzige Cassidy schient schon ein bisschen am Ende seiner Kräfte zu sein. Die Passagen waren schwankender als sonst. Falsch war nicht viel. Deswegen landen sie ja auch auf dem 4. Platz. Es war einfach gegen die drei Deutschen heute nichts auszurichten.


Und Dalera. Ja, Dalera und Jessica. Die hätten eigentlich auch Europameister werden können. Da war eigentlich nichts falsch. Sie wären würdige Meister. Ganz bestimmt! Die Kürmusik ist auch toll – und etwas Besonderes. Vor allem war da jeder Übergang, jede Piaffe, jede Passage am Punkt. Die Verstärkungen mutig und gleichmäßig. Was denn eigentlich noch?

Aber naja. Mehr geht halt wohl nicht. Punktemäßig. Schade.


Dorothee und Showtime waren natürlich mit Gänsehautfeeling. Die Musik ist auch mitreißend. Aber die Wechseltour find ich vergleichsweise schwach. Da müßt er die hohen Noten nicht unbedingt bekommen. Für den Rest: jawohl! Faszinierend war die Schritttour mit der Piaffe Pirouette dazwischen. Das sah toll aus und war einzigartig. Die Passage ist einfach perfekt und die ganze Trabtour ebenso. Aber da ist noch Luft nach oben. Das lässt ja für die Zukunft spannende Dreikämpfe erwarten.


Bella Rose ist einfach faszinierend, das ist schon so. Es gab allerdings 2 kleine Fehler. Ein Umspringen oder Umsteigen vor der Pirouette am Ende des Starken Galopps. Und eine Pirouette war etwas ungereimt. Deswegen war es auch spannend, ob sie jetzt wirklich vorne ist. Aber am Ende ist es im Grunde meistens so. Fehlerfrei war von den dreien eigentlich nur Jessica. Es hätte aber absolut jede der drei auch vorne stehen können. Na immerhin kommen zwei an Isabell ran. Das hat am ersten Tag ja nicht so ausgesehen. Und in Zukunft gibt´s ja Charlotte auch wieder.


Die Siegerehrung in dem bummvollen Stadion war mitreißend. So viele Zuseher hat es selten in der Dressur. Also so eine Randsportart ist das da jetzt gar nicht. Bella Rose macht alles mit und passagiert und piaffiert auf der 4. Runde immer noch mühelos. Sie scheint sich auch nicht viel zu denken, wenn ihr tausende Leute zujubeln. Sie findet das grad angemessen. Aber auch die anderen beiden, Showtime und Dalera sind äußerst Ehrenrunden tauglich. Das hatten wir in der Vergangenheit ja schon mal anders.


Die Siegerehrung am Podium war dann ganz lustig. Isabell ist ja bekannt dafür, dass sie mit einer Champagnerflasche umgehen kann. Wahrscheinlich wird das zuhause mit den Bereitern jeden Tag geübt? Sie hat auch wieder ordentlich geschüttelt und dann Jessica und Dorothee `eingwackt`. Aber Doro war a ned fad und hat glei mitm `Bleamebuschn` sauber z´ruckgwaschn. Der Zeremonienbeauftragte der FEI hat versucht sich möglichst rauszuhalten und unauffällig die davongeflogenen Blumen wieder eingesammelt. Jessica war behende und verschwand hinterm Longinesfänger. Das ist sicher so eine gewesen, die man beim Völkerball in der Schule nie abschießen konnte. Der ehrende Veranstalter im schicken grauen Anzug war eh recht hurtig zu Fuß und ist einfach im starken Trab durch´s Viereck. Die Holländer fahren ja alle Radl, die können rennen auch. Clipmyhorse bringt nächstes Mal die Regenkamera. Und Bella Rose war´s völlig wurscht. Die machen das sicher zuhause jeden Tag. Gut, das Plopp eines Sektkorkens würde kein Salzburger Dressurpferd zu einem Ohrenwackler bewegen. Der Grand Prix davor könnt für unsere a wengerl zaaaach werden….


Fotos natürlich von Verena Lüthje

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