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  • Henni Jesch

Glamourdale! WM Grand Prix 2022


Endlich. Ich hab ja schon sooo schwer gewartet. Ich bin ja nicht oft die gute Fee, die Wunderbares voraussagt, aber von Glamourdale und Lottie Fry rede ich, seit ich sie in Ermelo Weltmeister der 7jährigen werden gesehen habe. Es fällt in Österreich nicht auf, wenn man von holländischen Hengsten mit englischen Reiterinnen spricht – es interessiert sich ja kaum wer dafür.


Für mich schon lange das faszinierendste Paar in diesem Zirkus. Die beiden sind nur die notwendigen Prüfungen geritten, um sich zu qualifizieren. Man hat sie nicht in Aachen gesehen, wo ich schon gewartet hätte. Glamourdale ist zu Höherem berufen. Und heute hatte er seinen ersten ganz großen Auftritt. Und wenn dieser leuchtend schwarze Hengst das Stadion betritt, vergisst man alle anderen. Schwarz kann leuchten! Wie schon die deutsche Fachpresse geschrieben hat: Wer in Paris was gewinnen will, muss erst an Lottie und Glammy vorbei. Und so spontan fällt mir da keiner ein. Aber die können ja alle noch üben.

Alles was mit Schwungentwicklung zu tun hat ist einfach grandios. Jede Trabverstärkung ist ein Erle


bnis und vor allem die Galoppverstärkung gab 10er. Keiner galoppiert wie Glamourdale! Und das „kleine Mädel“ obendrauf reitet seit Jahr und Tag die riesigen Van Olst Hengste von Erfolg zu Erfolg. Reitet auf olympischen Spielen mit Everdale ins Finale, genauso heuer in Aachen. Sie reitet auf Zuchtveranstaltungen Jungpferdeprüfungen, sie reitet Hengstvorstellungen, eigentlich reitet sie immer, immer, immer. Ich kann mich nicht erinnern, dass Lottie Fry je einen Fehler in einer wichtigen Prüfung gemacht hätte? Das ist natürlich nicht verifizierbar – aber sie scheint Nerven aus Stahlseilen zu haben. Also hat sie den schwarzen Hengst einfach zu den gebührenden 80.383% geritten – und da waren noch beide Pirouetten kaputt und wahrscheinlich können die Einerwechsel von Glammy eines Tages noch größer werden. Im Stadion ist ja noch Platz.

Das fachkundige Publikum von Herning hat sie mit Standing Ovations gefeiert. Mir kamen die Tränen bei dem Ritt. Wir dachten schon, da knackt heut überhaupt keiner die 80%. Erst die Schlussreiterin der Engländer und dann Cathrine und Vamos Amigos mit 81.86 %.

Ganz ehrlich hat Glamourdale Cathrine und Vamos Amigos die Show gestohlen. Aber die haben trotzdem den Weltmeisterschafts GP gewonnen. Eigentlich ist jetzt diese Art zu piaffieren und passagieren nicht ganz nach Lehrbuch. Man möchte das noch etwas gesetzter, mit mehr Lastaufnahme, haben. Aber bekanntlich bekommt man ja selten alles. Bei Cathrine Laundrup-Dufour bekommt man unheimliche Mühelosigkeit, Leichtigkeit, Harmonie und Präzision. Und da ist einfach momentan keiner besser. Mich erinnern die beiden ein bisschen an Nicole und Rembrandt. Da konnte man auch über die Piaffen meckern, aber es war trotzdem das Beste und Schönste, das je durch ein olympisches Viereck piaffiert ist. Und rückblickend über jede Kritik erhaben. Diese Gelassenheit dieses jungen Energiebündels, die unheimliche Stabilität der Reiterin, die ihn immer gleichmäßig behalten kann, immer in ein und derselben Anlehnung, immer vertrauensvoll mit seiner Aufmerksamkeit bei der Reiterin. Und am Ende der Prüfung geht Vamos Amigos völlig entspannt am hingegebenen Zügel seine Runde durch das tobende Stadion und Cathrine kann mit beiden Händen winken. Wie bei Valegro. Und das dänische Stadion hat getobt. Wurde Cathrine ja im Vorfeld schon als Weltmeisterfavorit gehandelt – wer bitte sollte das auch sonst werden? – und das Ende des ewigen deutschen Goldes war eigentlich auch schon gewiss. Und das kam auch wie es kommen musste. We like!


Dass die Engländer wieder mal aus dem Nichts da rein gegrätscht sind, ist einerseits einfach wieder mal auf die unglaubliche Charlotte Dujardin zurückzuführen und natürlich auf das „Wunderkind“ Lotti und Wunderpferd Glamourdale. Die 3fache Olympiasiegerin hat einfach wieder mal einen aus dem Hut gezaubert. Die Beste – eine der allllllllerbesten – kann das halt! Imhotep ist seinen dritten GP gegangen. Ich dachte eigentlich nicht, dass der so viel Qualität hat. Aber wenn Charlott da drauf sitzt, dann hat der einfach so viel Qualität, dass man dem britischen Team zu Silber verhilft. Dieser Imhotep ist ein ganz anderer Typ, als ich erwartet hätte. Relativ massiv mit einer etwas antiquierteren Art zu traben. Aber das macht nichts, wenn Charlotte das steuert. Ein unheimlich faszinierendes Energiebündel, das glücklicherweise jemanden hat, der weiß, wo das alles hingehört. Und dann macht Pete das halt so. Irgendwie…. War das alles schon mal so ähnlich: ein dicker (Dunkel-) Fuchs, der einfach zuhört und seine unheimliche Energie immer genau dort investiert, wo es im GP auch hingehört? Ich denke, dieser Weltrekord existiert noch?

Eine unheimlich faszinierende Reiterin, die ewig lang den GP angeführt hat, weil da einfach keiner besser war: Dinja van Liere hat eigentlich ein strukturiertes und auch allgemein leicht verständliches Konzept, das ja auch sehr wirkungsvoll ist: Sie lässt einfach alles weg, was falsch ist, macht nur das Richtige und sieht dabei wunderschön aus. Noch Fragen?

Ich bin – natürlich – eine große Bewunderin des spanischen Siegerhengstes Romero de Trujillo. Ich glaub der wunderschöne Schimmel, der vor Selbstbewusstsein nur so strotzt, hat auch kreative Formen mit seiner Reiterin zu verhandeln, ob er denn jetzt wirklich noch 5 weitere Piaffetritte machen muss, oder ob man nicht auch gleich stehen bleiben könnte, weil das G noch so weit weg ist. Dabei bleibt er aber immer charmant und tut auch niemanden etwas. Er findet es nur ein bisserl anstrengend das alles genauso zu machen, wie es gehört. Ich glaub, der hat nicht einmal geschwitzt. Klatschen stört ihn gar nicht, er findet es angemessen, bewundert zu werden. Dieses System ist mir vertraut. Romero konnte sich nicht für den Spezial qualifizieren, die drei anderen Spanier sind durch.

Beeindruckend war der junge Spanier Alejandro Sánchez Del Barco mit dem Hengst Quincallo de Indalo. Ein unheimlich modern aufgemachter Pura Raza Espanola. Viel Schwung nach vorne, tolle Verstärkungen und trotzdem Piaffen, wie man sie von einem Spanier erwartet, und dann hat der noch dieses hübsche Sportpferdegesicht. Die beiden endeten auf dem 23. Platz des WM GPs. Das ist ja mal ein Anfang. Ich denke, da kommt noch mehr. Die Spanier haben sich jetzt mal mit der Mannschaft noch nicht für Paris qualifiziert. Aber das wird schon noch werden. Die ersten 6 Teams haben das Ticket für Paris gelöst. Die üblichen Verdächtigen, Deutschland darf auch fahren.

Das deutsche Team hat mich eigentlich mit der Leistung überrascht. Ich dachte gar nicht, dass da jeder einzelne Reiter zum gegebenen Zeitpunkt exakt seine Bestleistung abliefern kann. Das tun die aber zuverlässig. Ein genialer Franziskus mit einer natürlich ebenso genialen Ingrid, ein makelloser, harmonischer Famoso mit einem Benjamin, dem man einfach soooo gerne beim Reiten zusieht. Allerdings – bei allem Respekt vor Bennis Reiten – finde ich das Hinterbein des Famoso etwas überbewertet. Ich finde, für dieses Level operiert das Hinterbein doch zu bodennah. Das zieht einfach Furchen in den Sand – das kann man bei aller Bewunderung nicht übersehen. Da war vorher ein genialer Blue Horse Zack, der wirklich einen GP in den Sand gezaubert hat, der seinesgleichen sucht. Eine Dynamik, eine Demonstration von Qualität in den Grundgangarten, einfach in einen perfekten GP verpackt! Ich war begeistert. Und fast zu Tränen gerührt, dass die dänische Zuchtlegende Zack hier nochmal mich 18 Jahren in einer souveränen Runde WM Gold für Dänemark holt.


Interessant war für manche Reiter, das Klatschen während der Prüfung:

Glamoudale fand den Applaus auf den letzten Metern Passage, mit dem das Publikum seine Favoriten praktisch nach vorne heben wollte, gerade angemessen. Wer in Holland Hengstshows läuft, der zuckt mit keinem Ohr, wenn Leute applaudieren. Die Spanier und Portugiesen sehen das als angemessene Huldigung. Hengste mögen gefeiert werden. So mancher Reiter hatte damit ein Problem. Kann man ja zuhause schlecht üben. Wo nimmt man 15.000 Leute in einem Fußballstadion her? Wenn man jetzt keinen Siegerhengst, sondern eine liebe Stute hat, dann muss man halt irgendwie damit zurechtkommen. Hengste sind dann doch irgendwie mutiger. Manchmal sind sie auch einfach doofe Halbstarke. So wollte Total Hope Isabell Freese in der ersten Piaffe mit einem Ausflug zum Abreitplatz überraschen – er schien dort noch eine Rechnung offen gehabt zu haben. Eventuell mit der Verwandtschaft – Vici Max Theurers Topas, der hatte auch andere Versionen des WM GPs und vor allem der Piaffen einstudiert. Hengste. So toll sie sind, so doof können sie manchmal sein. Ich darf das sagen. Aber… niemand kann jemals so doof sein, wie ein Ponystute, die meint ein Date ausgemacht zu haben. Und niemand sagt jetzt bitte: Aber das ist ja NUR ein Pony! Holla, die Waldfee!

So, jetzt gehen wir zum Grand Prix Special… mit Glamourdale, Vamos Amigos, Zack, Quincalo, Imhotep und so vielen mehr… für den, der´s mag, das Höchste!


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