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  • Henni Jesch

Das Turnierwochenende in St. Martin, das war ja dann so...

Es war a bisserl komplex in der Aufbruchsphase. Beim Anhängen meines Hängers ist mir ja die Kurbel vom Stützrad abgerissen – da ist irgendein Splint davongesprungen, der die Kurbel am drehbaren Gestänge befestigt und dann war´s unromantischerweise hin. Noch unromantischer ist, dass man dann den Hänger gar nicht mehr bewegen kann, auch nicht von der Anhängerkupplung des Autos lösen. Fahren kann man aber auch nicht, weil das Stützrad ja runterhängt. Man kann dann – auch unromantischerweise – nur fluchen, viel! Wenn man dann ausreichend unromantisch geflucht hat, dann kann man sich auch genausogut eine Lösung überlegen, wie fluchen. Allein konnt ich´s nicht zsambasteln, der anwesende Hufschmied wäre zwar kompetent, hatte es aber grad nicht so mitm Fahrzeugbau, weil beschäftigt. Kompetent für Probleme aller Art sind die üblicherweise. Getroffen hab ich nur Iris, die mit Pferd des Weges kam und die ist jetzt auch kein besonders versierte Landmaschinentechnikerin. Aber siehe da, die kam einfach – ungefragt – in der Hitze am Freitag Nachmittag um mir zu helfen. Zumindest seelisch beizustehen. Ich war ganz baff. Da hilft einem einfach wer!? Damit rechnet ja keiner! Wir haben dann hin und her überlegt und rumgezerrt an dem Stützrad. Und siehe da! Tatsächlich konnten wir irgendwann durch Anwendung weiblicher Brachialgewalt und einer Haarnadel das drehbare Gestänge und die Kurbel wieder verbinden. Is ja auch völlig logisch, oder? Zwei Dressurtussis reparieren einen roten Pferdeanhänger mit einer Haarnadel! Wie auch sonst?!

Ich wollt dann allerdings nicht mit der Haarnadelkonstruktion bis ins Mühlviertel fahren. Aber vielleicht komm ich bis zur Werkstätte. Selbstloserweise hat mir Iris dann noch ihren Hänger geborgt. Das Märchenpferd ist ja zum Glück so unkompliziert, dass es eh mit allem fährt.

Diese Reitanlage – Reiterhof Premser- im Mühlviertel, über der Donau gelegen, ist ja sowas von schön. Da fährt man von Aschach von der Donau aus ganz steil den Berg rauf und dann hat man von oben einen Blick über das Donautal und das Mühlviertel. In Salzburg hat man ja üblicherweise Berge vor der Nase, die auch schön, aber undurchsichtig, sind. Da sieht man einfach in jede Richtung unendlich weit. Die Reitplätze sind einfach perfekt und mit dem Vielseitigkeitsgelände rundum auch noch so schön ins Grüne eingebettet. Heuer war´s ein bisschen wie in Andalusien. Es hat seit Ewigkeiten nicht geregnet im Mühlviertel. Es ist total trocken und braungrün.

Ducado fühlte sich recht heimisch im andalusischen Mühlviertel und hat gleich am ersten Tag die M gewonnen. Da waren aber schon gut 20 Starter. Lustigerweise ist das Turnierreiten mit Ducado auf einmal ganz leicht. Wir schwitzen da beide kaum, außer durch die Temperaturen bedingt. Ich reit ihn kurz ab, erklär ihm nur die wichtigsten Dinge, wie einen seitwärtstreibenden Schenkel und wo die Wechsel sind, ob Schrittpirouetten drin sind oder nicht. Er ist beim Abreiten unheimlich gechillt, fast fad und wenn ich ins Viereck geh, wird er munter und beim Ertönen der Glocke packt er einmal zsam als würd er sich schrecken und dann ist er „an“. Dann brauch ich nur mehr die Handbremse lösen wenn ich nach vorne will und „danke“ sagen, wenn er zurückkommen soll. Er geht Schritt – da ist die Schritttour einfach immer auf mindestens 7, außer ich mach einen Fehler in der Pirouette – er springt Wechsel – vielleicht etwas zu enthusiastisch oder auch manchmal patschert, aber er springt auf Hilfe – er macht mühelose Seitengänge für die ich eigentlich immer 7 bekomme, auch mal mehr – und er zieht wie eine Dampflok durch die Aufgabe. Und darauf kann ich mich verlassen! Er schaut ja sowieso nichts an, er ist nur wirklich „alert“. Auf kleinste Hilfen packt er nach vorne an, das muss man managen. Manchmal saust er mir halt ein bisschen ab. Aber da steht dann „mutig“ im Protokoll. Langweilig wird der spanische Hengst ja sowieso nie.

Wichtig ist, dass er ausreichend bewundert wird. Und das geht nirgends so gut, wie mit dem Turnierteam in St. Martin. Ducado pflegt den Reitplatz zu betreten und sich mittenhin zu stellen und dann eine Pressekonferenz zu geben. Er möchte bewundert werden! Man muß ihn da stehen lassen, sich seelenruhig die Gegend und das Pferdepublikum ansehen lassen und wenn er bewundert wird, findet er das gerade passend. Und das kann er ja gerne haben! Es ist recht einfach auf einem schönen Pferd am Abreitplatz zu sitzen, der wie ein Denkmal steht und in die Gegend schaut. Das ist jetzt nix, wogegen man angehen müßte. Es ist ein wirklich simples Vergnügen. Er schreit nicht – kein einziges Mal am ganzen Turnier- im Gegensatz zu anderen Pferden und auch deren Menschen (heilige Welt da ging´s zu im Stall! Da gibt´s echt Leut die gehen zum Streiten auf´s Turnier! Da muß echt gscheit fad sein daheim!?) - er brazzelt nicht, er will nur stehen und schauen und angeschaut werden. Gerne doch.

Die St. Martiner Abmistemannschaft – da darf kein Knödel liegen, auf diesen Plätzen! – ist ja multitaskingfähig und hat sofort professionelles Bewundern übernommen. Man hat geknickst, gewunken, sich auf die Knie geworfen, die Welle gemacht, Begeisterungsstürme zum Ausdruck gebracht und der Hengst fand´s grad angemessen. Das könnte andernorts schwieriger werden. Deswegen hat er dann auch ganz unkompliziert die M gewonnen und konnte am 2. Tag vierter werden. Da waren wir gleichauf mit Simone und dem Zwergenmann, der allerdings das gleiche Ergebnis für weniger Bewunderung geliefert hat. Der hat die Mannschaft ja auch jeden Tag, da ist der vielleicht gesättigt mit Bewunderung.

Wenn in der M ein Rückwärtsrichten drin ist, dann fangt´s uns leider ein bisschen … das geht mit lokomotivenartigem Enthusiasmus nicht so gut. Ducado mag schon nicht stehenbleiben, zumindest nicht ruhig. Halten tun Fiakerpferde vorm Stephansdom, aber nicht spanische Dressurpferde nach dem starken Trab! Er hält, aber bewegt die Beine weiter, dann hat man sie ja schon dort, wo man sie demnächst vielleicht gleich braucht. Auf eine kleine Entlastung von mir, schießt er im Höllentempo rückwärts und ich kann nur ungefähr den Tritt erraten wo ich gegensitze weil ich wieder vor möchte und weil er soviel Schwung nach hinten hat, braucht´s dann ein bisschen, bis wir wieder nach vorne kommen. Man kann da jetzt nicht von Ungehorsam reden, er macht ja begeistert, was er tun soll… aber ein bisschen weniger Begeisterung würd´s besser machen. Aber wie soll man ihm die Begeisterung im Rückwärtsrichten ausreden? Die Begeisterung für Starken Trab und Galoppverstärkung nehm ich ja auch gerne an. Dosieren muss ich noch ein bisschen lernen.

Insgesamt macht das Turnierreiten mit ihm grad so derartig viel Spaß und es ist so leicht… ich hab´s bloß so lang nicht verstanden, dass er eh nur mit Begeisterung alles richtig machen will. Und vor allem: er will zusammenarbeiten! Ich muß es nur nehmen…

Märchenpferde sind fabelhaft.



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