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  • Henni Jesch

Das mit dem „eh nur ein Pony“ das war dann so…




Also ich persönlich kenne DAS Pony ja nur von einem einzigen denkwürdigen Auftritt am Turnier in Gastein. Ansonsten ist eine Reitlehrerkollegin damit beauftragt, das Geschehen mit DEM Pony zu ordnen. Sie hat mir lustige Geschichten erzählt… Aber zunächst war das mit dem Pony in Gastein einfach nur so:

Wir sind in der Halle abgeritten in Gastein und auf beiden Vierecken fanden Dressurbewerbe statt. Ich sauste zwischen Abreitehalle und Viereck hin und her – nur über die Zusehertribüne, da hat man beides im Auge und nur 10 m zu laufen. In der Halle wurde eifrig abgeritten und es war auch nicht mal besonders wild da drin. Einer war ein eher dickes braunes Pony mit einem typischen Ponyköpferl, süß und nett. Ebendieses Pony ist einfach irgendwann schnurstracks abgehaut. Aber nicht etwa im gestreckten Galopp weil es sich vor irgendetwas fürchten mußte. Nein, es fürchtete sich rein gar nicht, es wollte einfach nicht mehr in der Halle im Kreisrumlaufen. Er ist eine Outdoorversion hat er gsagt und draußen war er bei der Tür. Wobei es das sicher schon mal gemacht hat, das im Kreisrumlaufen. Wie es halt gerade Lust dazu hatte. Die hatte es dann ganz spontan nicht mehr. Somit hat es einfach das süße Ponyköpferl in die Luft gehalten und im praktischen Zotteltrab die Halle pfeilgrad durch die Ausgangstür verlassen. Es sah jetzt nicht besonders wild aus, es war auch keine Lebensgefahr zu befürchten, aber es wäre doch ganz zweckmässig gewesen, wenn die Reiterin das Pony hätte steuern und vielleicht auch bremsen können. Da DAS Pony das aber gerade nicht wollte, lief es einfach im Zotteltrab weiter. Ich hab in der Halle gesehen, wie es sich anschickte die Halle zu verlassen und kurz darauf sah ich es an der anderen Seite am Dressurviereck 1 vorbeikommen. Nicht im gestreckten Galopp – neinnein, bloß im gemütlichen Zotteltrab mit dem Kopf in der Höh, den Schneidezähnen am höchsten Punkt zielstrebig aufs große Dressurviereck zuhaltend. Nein, hat er sich gedacht, die Anfängerklasse überspringt er jetzt, er haut sich jetzt in St. Georg, weil ihm reicht´s jetzt mit der Regionalliga. Er wäre zu höherem befugt – so hoch wie seine Schneidezähne. DAS Pony zottelte – trotz heftigster Bemühungen und auch lautstarker verbalen Anweisungen der Reiterin – den ganzen Weg runter am Viereck und der Sektbar vorbei, am Reitsportgeschäft vorbei, an der Ergebnistafel vorbei, am Sprecherwagen vorbei, bis in den großen Reitplatz hinein, an den Richterhäusln für die S vorbei rund ums große Viereck bis zum Golfplatz runter. Wie er eigentlich genau ins Viereck rein ist, hab ich nicht verfolgt, aber er hat entweder die Viereck Umgrenzung überwunden, oder ist ganz vorschriftsmäßig beim A eingezottelt. Da er heute nicht Golfspielen wollte und außerdem vorm Golfplatz ein Zaun war, dessen Überwindung ernsthafte Anstrengungen erfordert hätte, blieb er dort nach einer Runde im Viereck stehen. Dann durfte die Reiterin auch wieder was zu ihm sagen – also, das hätte sie die ganze Zeit, wenn er zugehört hätte. Aber da war er recht strikt. Die Reiterin entschuldigte sich bei allen, an denen sie am Weg vorbei gekommen war und versuchte wieder zurück zur Halle reiten und dann ins Viereck für die A-Dressur zu treffen. Es sah nur irgendwie die ganze Zeit so aus, als müßte man doch irgendwie dieses Zottelpony aufhalten können. Is doch eh nur a Pony! Jaja… eh nur.

Später hat mir eine Reitlehrerkollegin erzählt, daß sich das schön öfter wer gedacht hat. Dieses Schauspiel trägt sich nämlich zuhause am Stall immer wieder so zu, wenn man das „eh nur ein Pony“ zur Koppel führen möchte, oder – schlimmer noch – von der Koppel zurück zum Stall. Man hat sich inzwischen mit allen Beteiligten und auch den umliegenden Anwohnern dahingehend geeinigt, daß man das „eh nur ein Pony“ im Zweifelsfalle ausläßt, da das für alle Beteiligten am wenigsten gefährlich ist.

Da hätten sich auch schon Hufschmiede- die ja bekanntlich einen anderen Ärmel haben als Verfassungsjuristen – schon versucht, denn es sei ja „eh nur so ein Pony“. „Eh nur ein Pony“ ist mit allen Schwergewichten und Kraftlackeln, vomBodenausStrickdrehern, Horsemanship Leuten, Spring- und Dressurtrainern und vielen normalen Leuten, einfach dorthin gegangen, wo es hinwollte, aber dabei war es nie eng im Genick! Inzwischen gibt es an seiner Koppel sowas wie eine Zuschauertribüne, wenn wieder mal einer meint, er könnte „eh nur ein Pony“ von der Weide reinführen. Dann finden sich alle anwesenden Fachleute ein und verfolgen das Schauspiel. Die, die „eh nur ein Pony“ kennen, lassen ihn einfach aus. Zumeist geht er nicht verloren. Er ist eh zielgerichtet. Am Turnier isses halt immer gut, wenn´s einen Zaun gibt, irgendwo vor der Bundesstraße.

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