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  • Henni Jesch

CDIO ***** Aachen – Nationenpreis


Jedes Jahr ist der berühmte Nationenpreis beim „Tschio“ Aachen der best besetzte Grand Prix vor der Welt- oder Europameisterschaft. Und heuer ließen es sich die Amerikaner auch nicht nehmen – die ja im eigenen Land wenig Vergleichsmöglichkeiten mit Europa haben – nach Deutschland zu fliegen um am Nationenpreis teilzunehmen. Und die sind mit 2 Teams und Nachwuchspferden her geflogen. Man will also wirklich vor der WM im eigenen Land wissen wo man steht… Vorne!!!

Natürlich eine unheimliche Qualität bei den amerikanischen Pferden. Die kaufen ja schon immer gut ein und dann muß man auch sagen, daß die Reiterei einfach gut ist! Diese Präzision! Ich glaub von den Amerikanern hat überhaupt keiner einen Fehler gemacht! Steht ja auch nicht in der Aufgabe, daß man viel falsch machen soll. Deswegen macht man es eben einfach richtig. Ganz effizient. Es ist einfach auffallend mit welcher Präzision, wie akkurat bei größtmöglichem Ausdruck die Amerikaner der Grand Prix reiten. Da muß man dem National Coach auch mal Respekt zollen. Die Pferde wirken allerdings schon recht aufgedreht, wenn die reinkommen, aber sobald die auf die Mittellinie abbiegen sind alle hochkonzentriert und machen einfach. Jetzt sind nach dem ersten Tag in Aachen die Amerikaner vor den Deutschen. Es zählt aber auch noch der GPS am Samstag zum Nationenpreis. Das könnt richtig spannend werden.

Es ist nämlich irgendwie ganz anders ausgegangen als man sich das alles gedacht hätte. Normal geht das in Deutschland so, daß Isabell Werth am Ende gewinnt. Das hat sie im 4 Stern GP mit Bella Rose auch gemacht, trotz Fehler in den Wechseln. Dieses Mal war Emilio nicht part of the game. Der hat nämlich in jeder Piaffe eine Levade gemacht. Man kann nicht sagen, daß er gestiegen wäre. Nein, es sah eher nach spanischer Hofreitschule aus, in braun halt und mit deutschem Frack. Emilio schien einfach zu dem Schluß gekommen zu sein, daß man das mit der maximalen Versammlung so auch lösen kann. Da hat er ja auch nicht ganz unrecht. Aber unglaublicherweise wurde Isabell Werth in Aachen 17! Streichresultat der deutschen Mannschaft. Padautz! Beste Deutsche auf dem 3. Platz war Helen Langehanenberg, unglaublicherweise. Damsey lief nach Helens Babypause einen frischen einfach perfekten Grand Prix. Die macht dem Hengst Beine mit ihrem Terrierbein, das ist unheimlich. Wie man so schnelle Hilfen geben kann?! Helens Bein hat einfach eine andere Reaktionszeit als das von „normalen“ Menschen. Deswegen geht´s halt auch besser als bei normalen Menschen. Am 4. Platz im GP war völlig verdient Jessica mit Dalera TSF. Das mag man ja einfach anschauen, vor allem die Freude, die es offensichtlich macht dieses Pferd zu reiten. Jessica scheint ja sowieso mehr Freude an allem zu haben, als andere, aber bei dem Pferd sieht man einfach in jedem Tritt Begeisterung. Das war weitgehend fehlerfrei und einfach toll in allen schwierigen Lektionen.

5. war Kasey Perry-Glass mit Goerklintgaards Dublet, USA. Den haben wir auch im Training gesehen und da war der gscheit aufgedreht. Der kommt rein ins Stadion und man denkt sich, der haut gleich ab und die kriegt nie die PS am Boden. Aber dann läutet es und dann sitzt die nur mehr drauf und alles geht. Ein Prüfung mit Gänsehautfeeling.

Auf dem 6. Platz kamen Sammy und Dorothee. Die hätt ich dort nicht gesehen. Ich hätte noch Zack vor ihr gehabt. Der ist einfach korrekter und in der Grundqualität einfach höher. Den mag man, diesen Zack. Also solche Dressurpferde sollt man auch züchten. Die könnten die Leut auch möglicherweise dafahren. Dante Weltino hat sich auch noch hinter Sammy angestellt. Der war noch nicht ganz so akkurat wie er in Göteborg letztes Jahr war. Aber trotzdem irre toll! Dann war da noch Apache und Emmelie Scholtens. Der ist ja schon Hengst, den muß man schon als solchen betreuen. Der kriegt immer einen „Reinlaufservice“ ins Stadion. Drinnen muß er dann allein bleiben. Er hätt allerdings eh entschlossen wieder umgedreht und wär mit dem anderen Pferd mitgelaufen. Man(n) hat ja als Hengst nicht immer grad Zeit für einen Grand Prix. Hinter Apache war dann ein amerikanischer Sandro Hit: Salvino mit Adrienne Lyle. Präzise und akkurat und fehlerfrei wie es sich gehört. Bester Spanier war Deep und Severo. Da gab´s halt auch einfach nix zu meckern. Die Trabverstärkungen sind einfach atemberaubend. Die waren nämlich insgesamt häufig ein bisserl zäh. Oft hat man das Gefühl die brauchen etwas, bis der Gang drin ist.

Wer das nicht braucht… sind Catherine und Cassidy. Da läuft einfach alles wie am Schnürchen. Da geht alles, da ist alles leicht, da stimmt die Harmonie, da bemüht sich ein Pferd allen Anforderungen blitzschnell und leichtfüssig nachzukommen. Einmal war Cassidy schon im Special und wollt zur Trabverstärkung ansetzen, dabei sollt er in der Passage abbiegen und piaffieren. Das konnt man schnell klären und es war nichtmal eine Lektion kaputt. Deswegen wurden die beiden auch 2 im Grand Prix von Aachen. Vor allen Deutschen!

Es gäbe noch viele, über die man berichten könnte: Delgado, Zanardi, Rosamunde, Arlando usw…. alle etwas Besonderes und unter den Besten der Welt.

Aber die vielleicht Beste der Welt… ist heuer möglicherweise Laura Graves. Wer in Tryon Weltmeister werden will, muß erst an Laura vorbei. Die Welt mag anders aussehen, wenn die Deutschen mit ihrer ersten Garnitur – Cosmo, Weihegold, Showtime und wer dann noch (Dalera oder Damsey)- antreten. Aber heut waren eindeutig die Amerikaner vorn. Und das wäre ja auch mal passend. Laura im Einzel ist allerdings ganz sicher dabei.

Verdades kam wie immer irrsinnig aufgedreht rein. Da hat man den Eindruck, der hat 15 Beine und legt sich gleich hin. Ich kann mich erinnern, wie in der Normandie ein unbekanntes amerikanisches Mädchen als Schlußreiter der USA im Schritt ins Stadion kam, nur ein halbe Runde Schritt ums Viereck ging um gleich einzureiten. Und dann hat die einen Grand Prix hergehaut, daß man in Europa nur so geschaut hat. Damals mußte sie sich noch einen Kredit aufnehmen um die Qualifikation inklusive Europaflug zu schaffen. Heut steht sie als strahlende Siegerin mit dem einzigen Ergebnis über 80% im Deutsche Bank Stadion in Aachen, die Hand am Herz bei der amerikanischen Hymne und auf der Ehrenrunde hat sie ihren aufgedrehten Verdades auch im Griff.

In Aachen kann heuer eigentlich keiner an einem fehlerfreien Verdades vorbei… in Tryon kommt ja Charlotte dazu… und Isabell wird auch was einfallen.

Danke, Laura und Verdades, für diese ganze märchenhafte Geschichte und die Neuordnung der Dressurwelt.

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