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  • Henni Jesch

Also… jetzt war´s mit den Haflingern mal wieder so…


Grundsätzlich sind alle unsere Haflinger angeritten. Mehr als das. Sie haben A-Dressur Platzierungen, Stilspringen schon gewonnen und die, die für das Fahren zuständig sind – haben das auch schonmal gemacht. Es ist also wirklich nicht neu, dass wir das immer wieder machen. Das mit dem Reiten und Fahren.

In der ersten Woche nach den Weihnachtsferien kann sich von den Blonden offensichtlich kaum einer mehr daran erinnern?


Da geht’s aber im Konkreten immer um die gleichen Haflingerdamen. Babeth und Holly. Die sind wirklich nicht neu am Winklhof. Es sind aber die Herdenchefinnen. Die Wallache gehen auf 5 Meter nicht ran. Die sind ja nicht lebensmüde. Die dicken Damen sagen, wer wann fressen darf, wer im Regen stehen muß und wer in den Unterstand darf. Es wäre genug Platz für alle, aber die Wallache beschließen meist, dass gefrorener Nebel ja auch ein sehr schönes Wetter ist.


Vor den Ferien wurde ich schon mal von der Ferne Zeuge, wie die kleine dicke Blonde, von ihrem Offenstall bis zur Sattelkammer im Reitpferdestall, am Seil mit einer Schülerin mitgehen sollte. Und es war undurchführbar! Es ist gestiegen, hat gebockt und definitiv hergeschlagen, das Gfrast. So viel kannst gar ned rauchen, wie dir ein Haflinger da schaden kann! Die Schülerin kam dann schreckensbleich mit ihrem Gefolge, das auch von den Greueltaten ausführlich berichten konnte - natürlich ohne Haflinger – wieder zu mir. Woraufhin ich beschlossen habe, wir gehen jetzt alle zusammen wieder in den Haflingerstall und besprechen mit Führkette und einer Gerte, wie wir zwei (Anmerkung: der Haflinger und ich) in nächster Zeit miteinander umgehen werden.


Wenn ich meinen „wilden“ Hengst nur ein einziges Mal so anlange, dann rollt der entsetzt die Kulleraugen und traut sich auf 1 Meter nicht mehr her. Was ja ab und zu gewünscht ist, wenn man so ein Krokodil besitzt. Das herzige Blonde wollte eine Viertelstunde darüber diskutieren, wie Frieden und Toleranz im Europa des 21. Jahrhunderts, im Umgang miteinander, zu interpretieren sind! Na, servas Gschäft!


Wir haben uns dann einvernehmlich darauf geeinigt, dass ich über den Hof gehe und sie brav hinten nachläuft. Das haben wir dann auch auf Schüler ausgedehnt. Seitdem geht das wieder.

Irgendwie ist die Halbwertszeit von erlerntem Benehmen bei Warmblütern wesentlich länger als bei Haflingern. Da hängt die Halbwertszeit vom Frühling und dem Reifegrad der Birnen am Baum neben dem Reitplatz ab.


Die ganz herzige Blonde muss auch seit neuestem in der ersten Runde stets den Anker werfen, wenn sie in Richtung auf das Hallentor einbiegt. Leider gelingt es ihr immer wieder mal wen kalt zu erwischen. Praktischerweise lernen Reiter aber auch, dass sie nicht in jeder Runde an der gleichen Stelle runterfallen. Deswegen macht die Blonde den Blödsinn ja dann auch wieder woanders.


Die langhaarige Blonde ist nicht so dynamisch. Die versucht nur den Kopf entschieden nach unten zu reißen, wenn sie angaloppieren soll. Dabei spielt sie auf den Vorteil, dass der Schweifriemen dabei abreißt und ihr der Sattel auf den Hals rutscht. Das haben wir aber auch schon gelernt und ihn festgezurrt. Da sie beim Bocken nur etwa 10 Zentimeter hoch hüpft, ist das Problem überschaubar. Eine von den Norikerdamen versucht uns auch immer mit heftigem Bocken in die Flucht zu schlagen, da sie aber weder Höhe noch Boden gewinnt, wird sie immer ausgelacht. Was ihr aber auch wurscht ist.


Beim Fahren gehören diese beiden Haflingerdamen zusammen. Also das heißt: sie sollten gemeinsam eine Kutsche ziehen. Das ist so auch schon vorgekommen. Aktuell ist es komplex.

Sie sind jetzt wirklich in ihrer Bewegungsdynamik nicht langweilig. Nur die Kutsche rührt sich keinen Zentimeter. Weil die Damen den Anker werfen und nur in die Luft hupfen.

Sie waren mit irgendwelchen Vorgängen am Hof nicht einverstanden. Das ist, wie wenn man beim Automatikgetriebe auf „N“ stellt und dann fährt nix. Aber die Heizung und das Radio gehen noch.

Ein massives Einwirken des Fahrlehrers hat dann bewirkt, dass spontan auf die Dritte geschalten wurde. Und schwupps verschwand man im Galopp im Wald. ´Sie können unter diesen Umständen nicht arbeiten – sie nehmen sich heute frei´- hamm´s gsagt.


So ähnlich hat das dann noch ein – an sich braver - Wallach gesehen. Der hat sich spontan von der Ausübung des Reitsports distanziert und sich zweimal des Reiters entledigt. Das erste Mal sah noch aus, als wäre es ihm unabsichtlich passiert. Der Haflinger blieb augenblicklich stehen und sah dem am Boden platzierten Reiter interessiert beim Schimpfen zu. Das zweite Mal war eindrücklich. Der Reiter – ein erfahrener Fußballer – hat sofort dramatisch auf Rote Karte für den Haflinger gespielt. Es wurde nur gelb, er musste mit wem anderen nochmal im kreisrum und das sah er auch nicht ein. Weihnachtsferien gehen bis Juni, hat er gesagt. Dann fährt er wieder auf die Alm.


Und ich sag´s Euch wie´s ist: Wurscht was - es war immer der Haflinger!

… halt nicht immer der Gleiche.

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