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  • AutorenbildHenni Jesch

Also, das mit dem Übungsleiter, das war heuer so …

Aktualisiert: 25. Mai


Ich muss hier vorausschicken, dass es die Diskussionen über die Qualität der Übungsleiterausbildung und auch die Anforderungen, die an die zukünftigen Reitlehrer gestellt werden, schon länger gibt .

Was ich jetzt noch vorausschicken muss, ist der Anschein, der mich auch schon des längeren verfolgt, dass wir ein Nachwuchsproblem im Reitsport haben oder bekommen.

In den lizenzfreien Bewerben sind längst nicht mehr 30 Starter, sondern nur 11.

Bei der Übungsleiter Aufnahmeprüfung waren heuer – ich glaube -13, davon waren 7 vom Winklhof. Ich kann mich an Jahre erinnern, da waren es 30.

Ich möchte gar nicht beurteilen, ob das gut oder schlecht ist … nur wenig ist es.

Die Auswahl ist überschaubar. Und das Interesse daran Reitunterricht zu geben offensichtlich auch.

Ich kann aus meiner – phasenweise leidvollen – Erfahrung berichten: Lehren ist etwas ganz Anderes als Reiten!

Das muss dich freuen. Es muss dich interessieren, ob der hilflose Gegenüber irgendwas kapiert und im Rahmen seiner Möglichkeiten zu einer Verbesserung findet. Manchmal sind die Möglichkeiten zur Verbesserung halt sehr überschaubar. Und ein anderes Mal macht es unheimlich viel Spaß, weil ein Genie einfach alles kann.

Aber es muss dich freuen und interessieren, die Fehler im System zu finden, es in eine Strategie umzuwandeln und dann noch die Worte zu finden, mit denen genau derjenige, der gerade lernen möchte, es versteht und am Ende auch noch mit seinen individuellen Möglichkeiten umsetzen kann.

Woraufhin du den Erfolg des Gelehrten verifizieren und weitere Maßnahmen zur Erhaltung oder Neuausrichtung finden musst! Ein komplizierter Prozeß wie ich meine! Sehr komplex! Und das muss einer, der unterrichten soll, mögen!


Reiten ist etwas ganz Anderes: Da muss man mit seinem eigenen Körper das ausführen, was die Aktion oder Reaktion des Pferdes gerade erfordert. Man muss die richtigen Entscheidungen blitzschnell treffen. Und dann muss man in der Lage sein, es mit dem eigenen Körper, der Kraft, Kondition, Koordination, Flexibilität und Stabilität sowie affenartiger Geschwindigkeit im richtigen Moment und Maße auszuführen.

Ich glaube, dass ein Bewegungstalent und somit auch ein Reitsporttalent – es sind immer die Bewegungstalente, die alles können – einen Sprung anreiten kann, bei dem es ihn oder meist sie nicht 'auf die Pappn haut', ohne jemals die Richtlinien für Reiten und Fahren gelesen zu haben.


Mit gutem Konzept eine Unterrichtsstunde mit Kindern und Erwachsenen zu führen, bei der am Ende jeder das Gefühl hat, er möchte wieder reiten – kann das Bewegungstalent nicht, ohne die Reitlehre zu kennen und sich auch etwas Konkretes zu überlegen.

Hmmmmm ...


Bei der Übungsleiterprüfung letzte Woche hat der erfahrene und sehr versierte Prüfer mit sicherem Blick die 3 Bewegungstalente rausgesucht – zumindest die, mit der Fähigkeit mit mitschwingender Mittelpositur wie draufgeklebt schnurgrad am Pferd zu sitzen. Korrekt! Das waren die talentiertesten Reiter! Jawohl – kein Widerspruch. Hätt ich so am ersten Tag Winklhof – die Fachausbildung dauert 3 Jahre – voraussagen können.

Dann waren da noch 3 weitere Mädels, die ordentlich reiten, aber diese Fähigkeit wie draufgeklebt zu sitzen nicht mitbekommen haben. Mir braucht jetzt kein Prüfer erzählen, was jede einzelne für Sitzfehler hat, ich kenne die!

Ich schaue mir das seit 3 Jahren an, versuche einzuwirken, aber manche Dinge kann man nicht ändern. Auch nicht die Sportlichkeit der jungen Damen, die zwar eine Sportlehrerprüfung machen möchten, das aber ohne dabei sportlich zu sein.

Auch eine Logik, die ich nicht verstehe.

Ich muss auch dazu sagen, dass keine von denen zu viel geübt hat! Das haben aber die Reitsporttalente auch nicht. Üben ist irgendwie total out!

„Wer übt – kann nix!“

Aber für die Talente geht’s halt auf dem Level trotzdem, weil sie einfach wie draufgeklebt sitzen, und nix Anderes war wichtig.

Von den anderen 3 Mädels würde jede eine Reitschule schupfen, wenn der Chef am Wochenende am Turnier ist. Sie würden ein Konzept haben, sich in der Reitlehre auskennen, mit Kindern und Erwachsenen so umgehen, dass die am Ende der Reitstunden das Gefühl hätten, sie hätten etwas gelernt, möchten wieder reiten kommen und außerdem ist die Reitlehrerin so lieb.

Die Bewegungstalente wollen reiten – das können sie ja auch gut.

Die fahren mit dem Chef auf´s Turnier. Das ist halt im Sport so definiert, dass die, die´s besonders gut können, an Wettkämpfen teilnehmen. Die stellen sich nicht das ganze Wochenende hin und unterrichten Anfänger. Das freut die nicht.

Hmmmm …


Wie geht das jetzt in der Realität? Wenn wir nur die sportlichen Talente auswählen, die die Fähigkeit haben, pfeilgrad am Pferd zu sitzen und vieles richtig zu machen … wer macht denn dann den Unterricht?

Ich möchte hier echt keine Lanze für schlechtes Reiten brechen, wirklich nicht!

Mir graut davor! Ich tue mehr für gutes Reiten an der Basis als die meisten, die das hier lesen.

Aber ich glaube, dass uns hier die Realität ganz einfach einholt und wir keinen Nachwuchs mehr zustande bringen, wenn wir hier so streng selektieren. Nämlich den Nachwuchs, der hinter den Bergen, bei den 7 Zwergen ein Kind auf ein Pony setzt und dafür sorgt, dass es 1. kein Unglück nimmt, 2. noch Freude dran hat und 3. Reiten lernt!


Der Prüfer sagte mir mit mahnendem Gesichtsausdruck bei einer der Prüflinge: „Die knickt in der Hüfte ein! Mit so einem schweren Sitzfehler kann ich die nicht akzeptieren! Wieso tritt die hier an?“

Aha ... Der Knick in der Hüfte wäre den 7 Zwergen jetzt wurscht und dem Pony hinter den Bergen auch. Die einknickende Hüfte wäre mir jetzt ein geringeres Problem als keine Ahnung von der Reitlehre. Aber natürlich ist das ein Sitzfehler! Würde ich in der Dressurreiter A auch scharf kritisieren.

Aber kann uns diese Argumentation zum Ziel führen? Auch wenn es 100x richtig ist – werden wir zu wenige Reitlehrer haben, die in ganz normalen Reitschulen Unterricht machen. Es wird dorthin führen, dass die die bereit sind sich für Unterricht hinzustellen, keine Prüfung haben und die, die eine Prüfung haben eigentlich Bereiter sind.

Hmmm …


Was ist jetzt falsch oder richtig? Ich weiß es nicht … ich glaub nur, dass uns der Nachwuchs ausgehen wird …

Es wurden 6 Leute akzeptiert, das wird eventuell keinen Kurs ergeben.

Es liegt wohl schlussendlich im Ermessen des Prüfers, dass er mit unheimlich viel Fingerspitzengefühl auf des Messer´s Schneide akzeptiert, was zum Ziel führen kann ohne reiterlich peinlich zu sein.


Und das Ziel ist es doch dem Reitsport neue Freunde zu gewinnen – oder etwa nicht?

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1 Comment


caprio
May 20, 2018

Liebe Henni; du hast den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen; genau so ist es!!

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