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  • Henni Jesch

Aachen Tag 1 CDI ****, St. Georg und U25


Wir sind am ersten Tag des CHIO Aachen natürlich in der früh im Turniergelände eingelaufen und haben uns gleich an die Bar am Abreiteplatz begeben. Die war zwar noch nicht offen, aber sie ist trotzdem einer der besten Orte dieser Welt. Da kann man – nur durch eine Hecke getrennt – den Geschehnissen am Abreitplatz unmittelbar folgen. Es sind drei 60er Vierecke nebeneinander, auf denen abgeritten und trainiert wird. Wie wir da in der früh hinkamen hat grad Catherine Dufour mit Atterupgaard´s Cassidy geübt. Die beiden sind ja grad so ein bißchen der Liebling der Dressurwelt. Sie ist mit ihrem Juniorenpferd bis in die Weltspitze geritten. Und diesen Cassidy, den mag man einfach! Das ist ein bildhübscher Fuchs – dafür sorgt wohl das Trakehner Caprimondblut- der absolut perfekt austraininert ist, wie die Reiterin im übrigen auch. Cassidy sieht topfit aus, besteht aus Muskeln, die sich perfekt unter dem glänzenden Fuchsfell abzeichnen und gutem Willen. Was will man mehr? Wir sind ja mal gespannt, wie sich die jugendlichen Herausforderer heuer unter den Göttern schlagen.

Wen haben wir an dem ersten Tag noch im Training gesehen:

Blue Horse Zack. Der prominente Zuchthengst wirkt ja fast etwas unscheinbar bis er im Trab richtig zum Schwingen beginnt, dann kann man sich nicht mehr sattsehen. Das ist so ein Hengst, den möchte man am liebsten selber reiten und dieses Bedüfnis hat man ja bei einigen Dressurpferden gar nicht. Aber wenn man seine Nachkommen auch so gerne reiten mag, wunderts mich nicht, wenn der so stark frequentiert ist. Dass die Hengste dann auch noch solche Sportkarrieren machen, ist bemerkenswert.

Ad Sportkarriere: Dante Weltino haben wir auch im Training gesehen. Das ist keine graue Maus! Nein, den sieht man von der Weite. Der ist einfach bildschön! Mit einem Schweif ausgestattet, daß jedes Barbiepferd neidisch würde – jede Barbie auch. Ich hätte den ja in Götheborg schon gerne weiter vorn gesehen, als auf dem Vierten Platz. Aber da vorn gibt´s dann nicht mehr so viele Plätze und um die geht´s ja auch recht zu. Bei Dante und Therese Nilshagen ist einfach ALLES immer gleichmässig und unverrückbar. Sie sitzt immer gleich, die Hand ist immer gleich vorne, der Hengst geht immer gleich ans Gebiß ran, das Bein liegt ruhig und Dante ist auch immer vorm Bein. Eh ein strukturiertes Konzept. Da kann man insofern auch ganz unkompliziert übernehmen, weil das bei den ganz Guten einfach so ist. Alles ist immer gleichmässig…

Das ganze spanische Team haben wir im Training gesehen, außer Delgado, der muß glaub ich ned so viel üben, weil er eh schon alles kann und Beatrice den GP auch nicht neu erfinden muß. Die hätt das ja auch schonmal gemacht. Ich bin gespannt auf den einzigen Iberer im Team, Alcaide, der wieder mit dem typischen Übereifer durch´s Abreiteviereck gehüpft ist, weil er es nicht erwarten kann, daß es endlich wirklich schwierig wird. Bei einem spanischen Reiter – den wir ja auch schon mit andalusischen Pferden kennen – hab ich mich ein bißchen gefragt, warum er nicht ein andalusisches Pferd mitgebracht hat, denn nach Aachentauglich sah der Dunkelbraune eigentlich nicht aus. Aber er mag uns eines Besseren belehren. Schön zum Anschauen ist wie immer das Training von Severo Jurado. Da wird einfach nicht lang rumgetan. 3 Runden Trab, 3 Runden Galopp – Traversalen sind Grundgangarten, wie ich von dem Kurs mit ihm in Aurachkirchen weiß – und dann wird der Grand Prix geritten, aber gleich gscheit, was sonst?

Die U25 Tour haben wir auch gesehen und sind auch brav mit dem Bundeshendl auf der Tribüne gesessen. Die Reiter selber kriegen vom Bundeshendel nicht so viel mit in dem Kessel da unten, aber man versucht eh dass man sich als Unterstützer bemerkbar macht. Unsere U25 Mannschaft war nicht ganz erwartungsgemäß. Vor allem der an sich unheimlich tolle Diego mußte sich in einer Piaffe mal furchtbar echauffieren und ist völlig ausgeflippt und gestiegen. Das ist glaub ich kein Normalzustand, aber da war irgendwas, was ihn völlig aus dem Konzept brachte. Di Sandro wirkt noch nicht ganz so auftrainiert, wie man auf dem Parkett sein sollte und Atomic hat an sich eh relativ brav abgeliefert, der hat halt ein Schrittproblem, das richtig hohe Noten verhindert. Ich glaub nicht, daß man damit ganz zufrieden war, man hätt sich sicherlich von dem Team mehr erwartet, aber so ist das Leben mit Pferden, mal sind sie gesundheitlich unpässlich und mal mental. Dabei hätte man immer so konkrete und große Pläne…

Der St. Georg in Aachen im deutsche Bank Stadion war wirklich sehenswert. Solche St. Georgs sieht man halt in der Provinz nicht. Die richten 3 standen schlußendlich vorne: natürlich gewinnt Dorothee, wenn sie sowas reitet. Das ist fast schon a bisserl mühsam, daß Isabel und Doro einfach immer gewinnen. Aber natürlich machen die nicht besonders viel falsch in der „einfachen“ Übung. Die Pferde sind ja meist auch ned ganz daneben, sondern von außergewöhnlicher Qualität und dann führt einfach kein Weg an Dorothee und First Romance vorbei. Zweite war erfreulicherweise Stefanie Wolf mit Saphira Royal. Das ist ja reiten wie aus dem Bilderbuch der Reitlehre. Ich könnt stundenlang zusehen. Schön, wenn das dann auch für ganz vorne gut ist! An dritter Stelle war ein junger Spanier, der Kirsten Brouwers Eycatcher „geerbt“ hat. Antonio Laiz Zandio muß man sich wahrscheinlich auch merken. Der ist letztes Jahr in Lamprechtshausen U25 Euro geritten, aber halt mit einem Pferd, das mit den Pferden der holländischen, deutschen und skandinavischen Mädels nicht mithalten konnte. Da freut man sich dann eigentlich, daß ein guter junger Reiter auf einem außergewöhnlichen Pferd sitzt und damit eine tolle Chance bekommt. Ober man ihm die gezielt erkauft hat oder sie ihm passiert ist, das ist für das Ergebnis ja irgendwie wurscht.

Ganz daneben benommen hat sich ja das Küßchen von Belinda. Das blieb nämlich einfach ganz bockig stehen vor beiden Pirouetten und dann hätt sie das im starken Galopp auch nochmal gemacht. Die war nämlich auf 73% unterwegs und dann hat das Küsschen die Mission einfach zerschmettert. Sah sehr nach rossiger Stute aus, die spontan einen Antrag auf Umschulung zur Zuchtstute stellt. Manchmal sind´s schon recht peinlich die Zossen. Aber sie sind halt einfach Zossen…

Der „Reha“ Grand Prix - das Aufeinandertreffen, der beiden Rekonvaleszenten Bella Rose und Showtime – ging auch so aus, wie die Dinge üblicherweise ausgehen. Bella Rose gewann den ****GP vor Showtime mit Dorothee. Beide hatten viele Wechselfehler und Bella Rose piaffiert dann halt einfach von einem anderen Stern. Besser gefällt einem im allgemeinen Bewegungsablauf eigentlich Showtime. Wenn da nix Grobes passiert, dann ist das schon alles recht toll! Die Trabtour von Bella ist ja immer ein bißchen zum Luft anhalten ob das mit dem Starken Trab schon was wird, wobei dann die Traversalen wieder atemberaubend sind. In Summe blieb bei Bella einfach mehr übrig – 77%. 3. War Zaire von Jessica. Die eifrige Maus ist da durchgesaust – vor allem im Schritt – und war sicher eine Runde früher fertig. Da ist auch alles gut, aber a bisserl angespannt. Schön ist das trotzdem.

Aus österreichischer Sicht ritt nur Ulli Prunthaller ihren Bartlgut´s Quebec. Das war ordentlich, aber dieses etwas langsame Hinterbein ist in Aachen halt nimmer mit dabei. Piaffieren fand er ned so unbedingt notwendig. Schöner war da der Bruder im St. Georg, Bartlgut´s Quantum. Das war eigentlich recht schön, netterweise hat der Hengst seine Prüfung immer wieder selbst kommentiert ohne dabei besonders unkonzentriert zu werden. Er begrüßt das Publikum mit Wiehern wenn er reinkommt, er hat zu den Wechseln was zu sagen und er verabschiedet sich auch ganz artig. Das mit dem Wiehern hat ja Franziskus auch im Programm. Der ist da allerdings wesentlich unkonzentrierter. Der ist einfach soooo schön… das scheint ihm auch wichtig zu sein und da ist am 8. Platz dann auch zsamgräumt, denn für mehr müßt man weniger schreien und mehr Schritt gehen, vielleicht auch piaffieren.

Suppenkaspar…. Den muß man noch erwähnen. Ich wußte nicht, daß sich der so abartig bewegt. Holla die Waldfee – da ist was los im Viereck. Wenn Steffen Peters das noch ganz gleichmässig hinbekommt – und das wird der Plan sein – dann hat der wieder mal einen für ganz vorne. Die Amerikaner sind gewohnt souverän und ordentlich. Sind wir mal gespannt auf die Mannschaft.

CDIO Aachen… Heut Nationenpreis…

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