Werdegang Dressurtrainer

Also ganz so gradlinig ist das ja alles nicht gelaufen, im Grunde war das so ...

Einfach nur Reiten und Bereiterlehre machen, war einfach nicht. Versucht hätt ich das immer wieder, aber irgendwie war ich immer „falsch“ und wahrscheinlich nicht hartnäckig genug. Dazu hatte ich vielleicht nicht den Mut.

 

Vor meiner Laufbahn als selbstständiger Trainer, hab ich ja auch mal „was Richtiges“ gelernt ...

Ich hab in Salzburg Psychologie und Marketing in Linz studiert und hab 8 Jahre als Projektleiter in der Marktforschung gearbeitet. Es war also meine Aufgabe Marktforschungsstudien von Grund auf zu konzipieren, den Fragebogen zu entwerfen, die Datenerhebung zu organisieren, die Statistik zu rechnen, die Ergebnisse zu analysieren und Interpretieren und dann auch in Folge beim Kunden zu präsentieren.  Mir hat das auch sehr viel Spaß gemacht. Ich war in ganz Österreich bei namhaften Firmen unterwegs – hatte allerdings auch ziemlich viel Stress im Büro. Ich hab dann oft um halb 9 im Büro dicht gemacht, bin dann in den Stall gefahren, und hab dort alle Lichter wieder aufgedreht, weil alle anderen ja schon fertig waren. Dann bin ich bis um 11 Uhr nachts geritten und hab mich dann oft durch den Schnee wieder nach Hause gekämpft. Daheim war nix eingekauft, nix Gewaschen und ich todmüde, mit der Arbeit hint und vorn nicht fertig und fuhr um 6 Uhr früh mit dem ICE wieder nach Wien und hab im Zug die Präsentation fertig gemacht. Dann bin ich am Freitagnachmittag mit dem Pferd auf´s Turnier gefahren und Sonntagabend wieder todmüde und dreckig heimgekommen.

 

Und irgendwann hatte ich den Eindruck: so geht das nicht!

So geht das nicht, wenn man sich auf das Reiten konzentrieren will und es ganz ernsthaft als Leistungssport betreiben will. Und es geht auch nicht seinen Karrierejob gut zu machen, wenn man gleichzeitig an einer anderen Front kämpft. Weil der Tag einfach nur 24 Stunden hat.

 

Dann ergab sich in einer Jobpause die Tatsache, daß mich immer mehr Leute um Reitstunden gefragt haben und das gleich recht gut funktioniert hat. Weil ich das Analysieren von menschlichem Verhalten ja gewohnt war und quasi auch gelernt hatte. Eine Sensibilität für Veränderungen im System Reiter und Pferd hab ich wohl auch durch mein umfassendes theoretisches Wissen über den Reitsport. Ich hab einfach immer schon alles gelesen – und vieles davon sogar verstanden! – das ich zum Thema Dressurreiten erwischen konnte. Geritten bin ich immer neben Schule und Studium. Ich mußte halt in Ermangelung eines eigenen guten braven Pferdes – einfach die reiten, die grad sonst keiner reiten wollt. Das waren meist nicht die Guten und Braven, denn die sind die Leute eh selber geritten. So hab ich wohl ein gewisses Geschick entwickelt zuallererst mal oben zu bleiben und in zweiter Linie jedes verkorkste Weidepony durchs Genick zu reiten. Dabei hab ich festgestellt, daß alles am einfachsten ist, wenn sie losgelassen sind. So hab ich das zu meinem Grundprinzip gemacht und erst in späteren professionellen Trainings gesehen, daß ich das eigentlich ganz richtig verstanden habe.

 

Ich war dann ein paar Monate in England in dem Dressurstall von Henriette Anderson, die selber bei Nationenpreisen im englischen Team geritten ist. Früher war ich mal in Belgien bei Regina Moldan. Nach der Schulzeit hab ich mal auf Arabergestüten gearbeitet und geschaut, wieviel man da arbeitet! Danach hab ich dann in der niedersächsischen Landes-Reitschule in Hoya die Trainerausbildung gemacht und mich als Trainer selbstständig gemacht. Was durchaus mutig war... So leicht lebt sich´s nämlich nicht von ein paar Reitstunden.

 

Aber: Den Mutigen gehört die Welt!

 

Ich bin mit meinem Companero bis Inter I geritten und war St. Georg platziert. Mit Ducado bin ich bis M geritten. Mal sehen…. 

 

 

Sportpsychologie

 

Ich hab ja Psychologie studiert an der Uni Salzburg, in Kombination mit Marketing in Linz. Ich war also nie so ein „.. und wie geht es dir dabei“-Psychonaut. Ich hab's eher mit der Steuerung von Konsumentenverhalten, als dem Graben in unteren Schichten unseren Bewusstseins.

Allerdings hab ich natürlich schon einen Zugang zum psychologischen Drumherum des Leistungssports. Und ein Sportler agiert natürlich nicht isoliert von seiner sozialen Umgebung.

„Den Guten vom großen Sportler unterscheidet, was im Kopf vorgeht.“

  

So hat mich natürlich die Sportpsychologie immer interessiert. Viele Probleme im Training mit unseren Pferden sind kein technisches Problem, sondern bestehen vor allem im Kopf des Reiters. Der Erfolg ist einfach zu wichtig! Wie oft ärgern wir uns über unsere Pferde, aber eigentlich sind die gar nicht der Anstoß des Ärgers. Und man kann halt nicht feinfühlig reiten, wenn man am liebsten grad irgendwen treten möchte. Das Pferd, als nonverbal kommunizierender Tanzpartner, kriegt die emotionalen Reaktionen natürlich mit und interpretiert sie. Er weiß ja nicht, daß man sich gar nicht über ihn ärgert.

 

DAS Problem interessiert mich ganz besonders: Wie ärgert man sich denn grad NICHT? Wie kann man sich NICHT ärgern, wenn man sich doch grad ärgert? Man ärgert sich ja nicht, weil es grad ein sonniger Samstagnachmittag ist und man grad gut Zeit und Lust hat sich ausgiebig zu ärgern… Ärger und Wut kommen einfach und überrollen einen – fragen nicht nach dem geeigneten Augenblick und dem gerechten Maß. Wut entsteht zumeist, wenn man einer Situation ohnmächtig gegenüber steht.

Ein faszinierendes Kapitel für Trainer, Leistungssportler und am allermeisten für Reiter – denn da ist es ja ein „unschuldiges“ Ziel, das in Mitleidenschaft gezogen wird – das Pferd. Auch wenn sie uns manchmal wirklich ärgern!  Oft haben sie einfach eine andere Version ihrer Nachmittagsgestaltung im Kopf, als wir das für sie vorgesehen hätten. Wiese essen, oder sich in den Dreck hauen statt Galopppirouetten, zum Beispiel. Aber sie tun das ja nicht weil sie uns ärgern wollen – sie sind einfach nur Pferde! Einfach nur! Ohne böse Absicht!

Ich hab an der Uni Innsbruck die Ausbildung für Sportpsychologie und Mentaltraining gemacht. Mein Psychologiestudium war mir auch nie hilfreicher als jetzt in meiner Trainerlaufbahn. Manchmal ist alles seeeeehr kompliziert... Und es geht nicht nur um sportliches Techniktraining.

 

Die Sportpsychologie ist aber nur eine Facette meines Dressurtrainings. Ich biete mich nicht als Mentaltrainer an, ich verwende nur mein Wissen im alltäglichen Training.

 

 

Winklhof

Irgendwie war das Leben doch der Meinung, dass ich von Mut und Begeisterung – angereichert mit Visionen und grenzenlosem Willen  -  allein vielleicht nicht leben könnte und schickte mir zufällig ein Jobinserat von der landwirtschaftlichen Fachschule für Pferdewirtschaft Winklhof in Oberalm.

Die Stelle eines Reitlehrers war zu besetzen. Kurz darauf hatte ich fast ein halbe Lehrverpflichtung an der landwirtschaftlichen Fachschule Winklhof.

Ich unterrichte Reiten in der Praxis in meiner Funktion als Dressurtrainer und Reitlehre in der Theorie, zum Teil Trainings- und Bewegungslehre und nach einiger Zeit auch Marketing – was ja irgendwie gemäß meiner Ausbildung logisch war.

Ein bisschen Exote bleib ich immer am Winklhof – bin einfach so absolut kein Bauer – das ist wohl einfach so. Aber als Dressurtrainer kann ich hier ganz gut was ausrichten. Mir macht die Arbeit mit den Jugendlichen, die oft noch völlig unbedarft in die Pferdewirtschaft geworfen werden, großen Spaß. Und ein bisschen seh ich mich hier auch als Talentscout. Die Schüler kommen zumeist 14-jährig mit geringer reiterlicher Vorbildung und man sieht recht schnell, wer das Zeug hat ein guter Reiter zu werden.

Und es gibt immer ein paar Reitsporttalente, die einem Trainer das Herz übergehen lassen. Manche Jugendlichen haben so ein brutales Talent – wenn das dann noch mit Schneid und Fleiß kombiniert ist – seh ich manchmal am Horizont die 5 Ringe leuchten. Ich weiß, ich bin ein visionärer Idealist! Aber das muss man als Trainer auch sein, sonst würd man sich oft fragen, wo das denn alles hinführen sollt. Tut man ja auch. Aber zumeist führts zumindest irgendwohin…

Die Pferdewirtschaftsschüler vom Winklhof haben die Möglichkeit die Schule mit dem Übungsleiter Reiten abzuschließen. Davor machen sie Wanderreitführer und bei Bedarf Turnierlizenz. Es ist aber keine Reitausbildung, sonder die Schüler schließen mit dem landwirtschaftlichen bzw. pferdewirtschaftlichen Facharbeiter nach 3 Jahren ab. Die können üblicherweise wirklich qualifiziert arbeiten!

 

 

Was will ich lehren?

Ich fühl mich ja manchmal ein bisschen als Außenseiter in der Dressurreiterei, weil ich primär der Meinung bin, es müsste der Reiter reiten lernen und wenn er es dann kann, dann kann er auch ein wirklich gutes Pferd reiten. 

Mir ist der Focus der Trainer und Richter oft zu sehr auf die Qualität des Pferdes und der Ausführung der Lektionen gerichtet, die sich durch die Qualität der Pferde bedingen. Wobei ich damit nicht meine, dass wir nicht gerne auf guten Pferden sitzen. Aber man kann auch reiten lernen, wenn man kein teures Pferd hat. Das Teure kann natürlich schon viel Spaß machen und der Output ist möglicherweise höher - aber das Reitenlernen ersetzt es nicht!

Ich bin also quasi Robin Hood oder das gallische Dorf von Asterix und Obelix. Der Zaubertrank ist die korrekte Anwendung der Hilfen und die Ausbildungsskala.

Ich bin ein Basistrainer Dressur. Ich bin überzeugt, dass der Reiter erst mal Sitz und Einwirkung, sowie das Zusammenspiel der Hilfen überhaupt korrekt bedienen können muss. Und das lernt man am Haflinger genauso wie auf dem supertollen Dressurpferd. Vielleicht tut einem oft der Haflinger weniger in der Anfangsphase, aber sicher ist das nicht. Wenn man auf diesen Robustpferden nicht ordentlich reitet, dann gehen die einfach auf die Wiese Brotzeit machen – Haflinger sind da ja recht strukturiert. Ich bin ja der Meinung, dass man A und L mit allen reiten kann – es ist nur gscheiter man macht´s gut!

Das änderst sich in M und S allerdings auch nur mässig… Wenn man´s richtig macht, isses meistens besser. Es werden nur die Lektionen schwieriger – nur! Der Schwierigkeitsgrad potenziert die Komplexität der Koordination der Hilfengebung.

Und ich glaub auch ein bisschen, daß eine gewisse körperliche Fitness notwendig ist, um korrekt einwirken zu können. Reiter glauben ja oft, dass es mit Dünnsein alleine schon getan wäre. Aber wenn ich meine Muskeln nicht gezielt ansteuern kann, weil sie nicht existieren oder Arbeit nicht gewohnt sind, dann wird’s schwierig, den 600 kg schweren Tanzpartner von der Kooperation zu überzeugen. Das Pferd merkt vielleicht einfach nicht, dass es etwas ausführen sollte. Es hätte vielleicht gar nichts dagegen, aber es wird nicht ausreichend in Kenntnis gesetzt. Ein Kraft- und Konditionstraining ist unerlässlich, auch wenn das unpraktischerweise das Styling beeinträchtigt und einen aus der Komfortzone zwingt.

 
DUCADO G & HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
DUCADO G & HENNI JESCH
Companero
Companero
Companero
Companero
Companero

 

Companero

Keinem Pferd verdanke ich so viel wie meinem Kumpel.

Kumpel ist aus Andalusien. Ich hab ihn bei einem Händler in Ulm entdeckt. Da hab ich das Foto mal 3 Monate im Internet angesehen und irgendwann hab ich ihn doch ausprobiert. Und beschlossen, daß ich da freiwillig nicht mehr absteige. Das Reitgefühl auf dem dicken Kumpel mit diesem perfekt angesetzten Hals und der Fähigkeit mühelos zu passagieren – war einfach vom Fleck weg was Tolles. Eigentlich ist er aber nur ein kleines spanisches Stierkampfpferd, das zufällig 1.68 groß ist, und 3 Grundgangarten für 6 hat. Aber das weiß der Kumpel nicht! Der hält sich für ein großes tolles Dressurpferd, bereit die Wolken vom Himmel zu treten… wenn man ihn denn ein bißchen dazu tritt.

Er hat damals grad in meinen Geldbeutel gepaßt und nach der Enttäuschung mit meinem immer platten Oldenburger Rubicon wollt ich einfach kein deutsches Pferd.

Kumpel hat bis heute einen Trensenzwang, der irgendwie mit seinem einstmals gebrochenen Nasenbein zusammenhängt. Das war oft am Turnier schwierig, die Kandare draufzubauen. Aber wir kamen dann doch immer korrekt angezogen ins Viereck.

Companero hat einfach unheimlich mühelos gelernt. Er war 6, wie ich ihn gekauft habe und ich bin mit ihm 3 Jahre später die erste S geritten. Meine erste S – und seine natürlich auch.

Er lief einfach und er konnte alles. Er war nie toll – das ist niemandem mehr bewußt als mir!  Ich mußte ihn im Trab immer an der Kippe zwischen Passage und Antreten zum Mitteltrab reiten, damit versammelter Trab zu sehen war. Das war ziemlich schwierig, wenn nicht unmöglich, durch die ganze schwierige Trabarbeit einer S durchzuhalten. Manchmal gelang es mir aber weitestgehend…

Wir waren mehrfach S platziert und sind Inter I geritten. Wir waren einmal 2. der Salzburger Landesmeisterschaft, weil wir beide nämlich im strömenden Regen und versinkendem Viereck immer noch geritten sind und die anderen nicht. Insgesamt sind wir 4x Landesmeisterschaft geritten und waren damals in Lamprechtshausen sogar richtig gut. Aber eigentlich konnten mein Stierkampfpony und ich gegen die tollen Dressurpferde nicht viel ausrichten. Nur manchmal hatten wir einfach weniger Fehler und…. mein Stierkampfpony ging grundsätzlich auf jedem Viereck im Kreis herum und es wäre ihm nie eingefallen sich vor irgendetwas zu schrecken.

Und gerade weil er nur ein kleines spanisches Stierkampfpony ist – ist er einer der allergrößten!

 

Irgendwann hatte ich nach einer Inter I im großen Viereck von Steyr keine Motivation mehr weiter zu machen. Kumpel hatte im Viereck schon lang keine Motivation mehr. Und dann hab ich ihm einfach einen neuen Job gesucht, bei dem er es etwas leichter hat, als bei mir. Sina kam auf Anhieb gut mit ihm zurecht und er hatte auch nichts gegen die Zusammenarbeit mit Leichtgewicht Sina einzuwenden und so hab ich ihn ihr einfach zum A und L reiten zur Verfügung gestellt. Die beiden waren die ganze erste Turniersaison immer platziert und haben auch viel gewonnen. Der schlaue Kumpel hat in der L oft ein bißchen geschummelt… aber das haben andere in der L1 auch und er hat meist besser geschummelt. In LM und LP – was er eigentlich am linken Hinterbein mit verbundenen Augen abspulen könnt – ging´s dann aber nicht mehr mit Schummeln.

Companero ist so ziemlich das bravste Pferd der Welt. Sina ging mit ihm ohne Sattel und Trense auf der Strasse in Kuchl ausreiten. Strick am Halfter reicht. Mit Kumpel geht das! Der bringt sie schon wieder mit nach Hause. Eine besondere App ist auch seine Leonhardiritttauglichkeit. Das kennt er wohl von Ferias in Spanien – nur, daß es dort wahrscheinlich mehr zuging als beim Bierzelt in Holzhausen.

 

Aus der Ferne betrachtet glaub ich... daß sehr viele Reiter einen Kumpel brauchen könnten, auch wenn er nie 70% im St. Georg gehen kann… Ich bin mit ihm sehr weit gekommen – auch wenn´s mir damals nie genug war -  bin ich ihm doch zu großem Dank verpflichtet. Das lös ich ein, jetzt, wo er in Pension ist…

 

Henni jesch

Mag. Henni Jesch

Kirchfeld 72   

5101 Bergheim

Österreich

+43 676 75 51 577

henni.jesch@gmx.at

  • Henni Jesch YouTube
  • Henni Jesch Instagram
  • Henni Jesch Facebook

Für Werbeanfragen oder persönliche Fragen

erreichst du mich hier: henni.jesch@gmx.at
oder hinterlasse mir hier eine Nachricht ...