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  • Henni Jesch

Wie das dann tatsächlich so läuft ... am Turnier ;-)

Aktualisiert: 29. Apr 2018



Die allerersten Turniere sind für die ganze Familie spannend……


Der Familienrat beschließt von höchster Stelle, dem Drängen des Sprösslings nachzugeben und halt mal mit dem Kind und dem Pony auf´s Turnier zu fahren. Weil das doch das Wichtigste von der Welt ist – isses ja auch – wohlgemerkt !


Der Vater erklärt sich für dieses Abenteuer zuständig und kann so auch immer wieder ganze Wochenenden mit dem heranwachsenden Kind verbringen – was ja in einem gewissen Alter nicht mehr so cooool ist. Nebenbei hat es den Effekt, daß man ein Zugfahrzeug braucht….. eines für RICHTIGE Turnierfahrer!


Also wird im Winter bereits der große Offroader bestellt – mit Anhängerkupplung selbstverständlich. Dann wird ein ordentlicher Anhänger gekauft, weil es ist neben dem Haflinger auch noch das dicke Pony der Freundin mitzunehmen. Doppelt hält einfach besser. Gemeinsam einsam am Turnier!


Von mir wurde bereits im Februar ein Turnierplan erstellt, alle wissen was zu tun ist, wann und wo man wie zu erscheinen hat. Soweit - so gut.


Der Vater ist Manager und jede Woche auf einem anderen Kontinent geschäftlich unterwegs. Dieses Wochenende ist er in Steyr. Kipferljagd im Lizenzfreien!


Das Wochenende ist durchorganisiert - ist der Berufsalltag ja auch - sonst geht gar nix.

Befehlsausgabe: 7 Uhr früh die Pferde einladen und Abfahrt!


Am Vorabend hat der Offroader einen Reifenplatzer…. Es braucht noch auf die Schnelle um 6 Uhr früh den Mercedes vom Schwiegervater, sonst fährt hier gar nix. Der steht natürlich in der Garage hinter den Bergen bei den sieben Zwergen. Um 7 Uhr früh erscheint der Vater mit dem ausgeborgten Zugfahrzeug beim Stall, in der Meinung er nimmt die sauber in Kisten verpackten Gegenstände, die zur Pferdebetreuung am Turnier nötig sind, in Empfang, ladet alles, was nicht in der Sattelkammer Platz hat, ins Auto. Man stellt die beiden Ponies auf den Hänger und fährt 5 Minuten später ab.


Um 7 Uhr früh bürstet die Tochter hingebungsvoll den Schweif des Haflingers, der natürlich persilweiß gewaschen und auch vom Flechten schön lockig ist. Die Freundin erscheint kurz darauf und bürstet auch den Schweif des Schimmelponies…


„Das zusammengepackte Zeug?“ „Jaja….. das pack ma dann schon zsam.“ „Halt, das ist ja alles ganz schmutzig!“  Da müß ma jetzt amal Sattelputzen! So kann man nicht auf´s Turnier. Auf der roten Teamdecke sind Sägespäne! Wie kommen die da hin? Und vor allem: Wie kommen die dort wieder weg?


Also wird jetzt einmal nachgedacht, was man jetzt wirklich alles braucht in diesen 2 Tagen Turnier mit Pferden im Boxenzelt. Das Offenstallpony würd sich einfach im Regen unter einen Baum stellen – macht es ja sonst auch. Es bekommt aber viele weiße Bandagen, eine rote Teamdecke, Teamsatteldecken, und Transportgamaschen…. Achja… die liegen daheim im Zimmer unterm Schreibtisch…..Die Mama wird rausgeläutet und muß mit Blaulicht die Transportgamaschen zum Stall liefern. Macht sie auch tapfer. Denn ohne Transportgamaschen kann das Schimmelpony nicht bis Steyr  fahren.

Der Papa macht Decken sauber, putzt Sättel, packt Gamaschen und Bandagen ein, stopft Heunetze, befestigt sie im Hänger und fragt sich die ganze Zeit, warum das nicht alles gestern schon passiert ist. Berechtigt. Ist es aber einfach nicht! Ohne stichhaltige Begründung. Irgendwann gegen 9 Uhr können dann die blitzsauberen Ponies – mit Transportgamaschen auf sämtlichen Beinen! – eingeladen werden! Die haben zum Glück ein Einsehen mit dem Papa und steigen einfach ohne Murren ein!


Auf der Autobahnauffahrt ist das Heunetz bereits leer und es wird etwas unruhiger hinten. Aber die Jungs arrangieren sich mit der Situation. Unterwegs beginnt es zu schütten was der Himmel hergibt. Nach der Ankunft am Turnier in Steyr und Erreichen der vorläufigen Parkposition, sieht Opas Mercedes aus wie nach dem Schlammcatchen. Man wird also am Sonntag Abend massiv zur Tat schreiten müssen um hier keine blöde Nachrede zu ernten. Alle ziehen sich Gummistiefel an und verteilen den Dreck somit auch effizienter im Inneren von Opas Auto!


Die Pferde beziehen ihre Unterkünfte im olympischen Dorf von Steyr und das Schimmelpony ist begeistert, daß es ein Einzelzimmer hat und man die Einrichtung (Stroh) essen kann! Der Haflinger hat das schon mal gemacht und weiß bereits, daß es am Turnier immer mehr zu essen gibt als zu Hause! Deswegen fährt er ja auch mit. Kipferl hat er bis jetzt noch keines bekommen. Das müßte er gewinnen – na denn….


Zum Glück ist der Bewerb erst am Nachmittag, denn morgens wäre sich irgendwie nicht ausgegangen… irgendwie. Es regnet weiter, das kleine Viereck steht unter Wasser, die weißen Bandagen sind ….. grotesk. Trotzdem notwendig! Alles ist geputzt und blitzt und blinkt. Abgeritten wird dann in der Halle – wegen der Bandagen. Die Ponies haben das allergeringste Problem mit dem Regen. Beim Halt in X drehen sie sich wahrscheinlich mit dem Hintern in den Wind, wie sie das auf der Koppel auch machen würden. Der ganze Troß zieht also zur Startzeit aus der geschützten Halle – die es in Steyr zum Glück gibt - in den Regen hinaus und harrt vor dem Viereck im Regen der Dinge, die da kommen mögen.

Das Schimmelpony ist nicht ganz überzeugt vom olympischen Gedanken „dabeisein ist alles“  - er hätte auch weiter Stroh gefressen. Aber der Haflinger bewährt sich als äußerst wetterfestes und scheufreies Gebirgspferd. Stapft durch alle Lacken, schaut kein bißchen ins Richterhäusl und absolviert eine tadellose Aufgabe. Das Mädel sitzt ordentlich und reitet konzentriert: Spiel, Satz und Sieg im Dressurreiterbewerb! Und ein Kipferl!!!

Alle Mühen und Widrigkeiten sind schnell vergessen für eine blaue Schleife, einen Pokal und ein Kipferl!!!!


Am nächsten Tag scheint die Sonne, das Viereck ist trocken und die Bedingungen optimal. Der Mercedes schaut noch immer aus, wie nach Paris – Dakar, das Sattelzeug ist sternhagelvolldreck. Das kommt erst auf, wie man eine halbe Stunde vor Startzeit um halb 5 am Nachmittag auf´s Pferd klettert. Warum es denn bis jetzt nicht geputzt wurde? Keine Ahnung – wurde es einfach nicht! Die Zöpfe waren aber perfekt eingenäht und die Bandagen persilweiß! Also läuft der Papa um die Sattelseife und putzt am Abreiteplatz den Sattel quasi während dem Abreiten. Die Stiefel hat er in weiser Voraussicht schon am Vormittag selbst geputzt. Deswegen sind die ja auch sauber.


Die Tochter reitet wieder eine ordentliche Aufgabe, der Haflinger will noch ein Kipferl und die beiden gewinnen wieder. Das Schimmelpony hat jetzt auch den Ernst der Lage erkannt und ist platziert.


Alle brauchen blitzartig weiße Bandagen für die Siegerehrung. Alle 3 platzierten Teammitglieder erscheinen sauber und natürlich weiß bandagiert zur Siegerehrung im Dressurreiterbewerb. Dank der vielen selbstlosen Helfer….


Es ist halb 6 Uhr abends in Steyr. Das ganze dreckige Zeug muß wieder im dreckigen Auto und Hänger verstaut werden, die Pferde müssen zurück nach Salzburg, das Auto sauber wieder beim Opa abgegeben werden. Die Kinder werden auch wieder an ihr Zuhause verteilt, um um 7 Uhr früh wieder in der Schule zu erscheinen.


Der Papa geht um 7 Uhr früh wieder in seine Firma, und stellt wahrscheinlich fest, wie mühelos hier alles funktioniert… trocken und sauber. Den nächsten Flug verschläft er zur Gänze…..


Aber die beiden blauen Schleifen, die beiden Pokale mit der 1 drauf UND die beiden Kipferl waren es wert!


Meine große Bewunderung gilt den Eltern - die TROTZDEM auf´s Turnier fahren!

Schleifen sind eigentlich Tapferkeitsmedallien für die Eltern….


Und an alle Turnierveranstalter: es braucht reichlich davon!!!


Die im Dressurreiterbewerb sind die am schwierigsten zu erreichenden und die wertvollsten!

Nicht weil die Aufgabe so schwierig zu reiten ist…..

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