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  • Henni Jesch

Schindlhof 2016 – wirklich ein bißchen Rio...


Es war wieder mal ganz außergewöhnlich am Schindlhof in Fritzens. Natürlich stand ich um 8 Uhr früh am Dressurviereck in Tirol. 5.30 wegfahren in Salzburg. Null Problemo. Lilly mußte ich aufwecken. Wenn Isabell Werth und Dorothee Schneider in Österreich reiten, dann ist es nie zu früh oder zu spät. Dorothee ritt im St. Georg Kiss Me, eine Kaiserkult Stute und Isabell den tollen Belantis. Am ergiebigsten ist aber immer das Abreiten. Isabell reiten zu sehen, wenn sie Probleme löst, die für sie natürlich keine sind, für uns möglicherweise schon?! Der Hengst war jetzt nicht absolut überzeugt von der Notwendigkeit von Pirouetten. Umdrehen ist schon ok, aber alles durchspringen und am Hinterbein sitzen? Naja, er fand, dass das schon ein gewisser Aufwand ist und es wäre doch hier in Tirol auch ganz schön, wenn man sich einfach die Gegend ansieht und bißchen herumläuft. Aber das ist ja schon bekannt, dass das bei Isabell nicht so läuft, dass man einen gemütlichen Ausflug macht. Man reitet die Aufgabe so wie´s gehört, sonst würd´s ja anders drinstehen. Und das tut´s nicht, also reitet man das auch so wie´s in der Aufgabe steht! Es sieht bei ihr immer aus, als wäre Probleme lösen absolut kein Aufwand. Da greift man 3x hin, mit dem Schenkel und kurz mit der Hand und schon ist das Problem gelöst und man reitet Grand Prix – oder auch mal St. Georg. Man reitet aber nie fad, oder gemütlich, oder ineffizient, oder auf Sicherheit. Man reitet das so wie´s gehört! Von dem Konzept sind die Pferde auch informiert und sie sind offensichtlich häufig auch zu dem Schluß gekommen, dass es gleich gscheiter ist, man macht das so wie´s gehört – und das ist so wie Isi sagt!


Mein Trainerdasein bringt ja mit sich, daß ich automatisch immer die Fehler im System von Einwirkung und Wirkung zwischen Pferd und Reiter seh. Ich kann gar nicht anders. Jetzt reiten die da alle gut, sonst würden die da ja nicht reiten. Aber bei Isabell und Dorothee ist das nochmal besser. Ich versteh ja nicht ganz, wie man einfach NICHTS falsch machen kann – einfach immer ALLES richtig machen kann? Jeder Griff, jeder Impuls kommt einfach immer zur richtigen Zeit in der richtigen Dosierung an der richtigen Stelle an. Natürlich ist Isabell Werth die erfolgreichste Reiterin der Welt und Dorothee Schneider nicht weit dahinter. Wenn´s die nicht können -wer dann? Aber das nimmt dem Ganzen nix an Faszination!


Belantis wollte die Serienwechsel dann nicht ganz so machen, wie das sein sollte und Dorothee gewann mit einem jungen, mir noch unbekannten, Pferd den St. Georg. Belantis war Zweiter. Beide waren faszinierend zu sehen! Die Fehler sind ja irgendwie wurscht, weil die macht Isabell eh ned so oft! Vermutlich löst sie das mit Üben?!


Emilio und Isabell gewannen den Grand Prix – weil das eben auch genauso gehört, wie das da geritten wird und nicht anders!


Und dann kam am Schluß – nach allen Bewerben - noch Doro mit einem großen Dunkelbraunen aufs Viereck zum Training. In Zivil. Monica Theodorescu stand schon bereit, verkabelt und offensichtlich in wichtiger Mission.


Ich hab Showtime in München gesehen, in seiner allerersten Kür. Es war großartig! Und noch großartiger war irgendwie Dorothees Freude über diesen Sieg. Jetzt hat sie doch schon ab und zu mal was gewonnen und ist auch immer wieder mal schon ganz ordentlich geritten. Und dann gelingt ihr eine gute Prüfung mit diesem jungen Pferd und sie kann bei der Siegerehrung kaum die Tränen zurückhalten und ist selbst völlig überwältigt. Große Leistungen entstehen nur aus großer Leidenschaft!


Ich hab also dieses außergewöhnliche Pferd sofort erkannt und bin noch geblieben, um mir jede einzelne Sekunde dieses Trainings genau anzusehen. Großes Kino!


Dass die beiden nach Rio fahren hab ich mir in München schon gedacht. Offensichtlich dachte sich Monica das auch. Und noch ein paar andere. Schließlich gibt es in Deutschland ja ein paar Dressurreiter die wollen – und können!


Diese Trainingseinheit mit Doro und Showtime war unwirklich! So perfekt. Da gab es in einer etwa 45 Minuten langen Einheit mit allen Schwierigkeiten des Grand Prixs, nicht einmal einen falschen Tritt, keine Taktstörung, keinen Widerstand in der Anlehnung, kein Wackeln des Reiters, absolut überhaupt keine einzige Unsicherheit. Und alle Piaffen, Passagen, Pirouetten und Wechsel waren wie von einem anderen Stern. Dabei war Showtime von einer konzentrierten Gelassenheit, als wäre ihm die Bedeutung seiner Mission völlig klar und er hätte nie was Anderes im Sinn gehabt als mit Mühelosigkeit und völlig zufrieden nach Rio zu traben.


Ich kann mich da an eine Situation erinnern…..vor einigen Jahren. Auch am Schindlhof bei der Familie Swarovski:


Da war das gesamte englische Team da, in der Vorbereitung auf die Euro in Rotterdam. Carl Hester ritt seinen überirdischen Uthopia, der die Wolken vom Himmel trat. Und er hatte ein unbekanntes englisches Mädel mit, die einen dicken Fuchs ritt. Und das sah ganz ordentlich aus! Der dicke Fuchs war unheimlich gelassen und absolvierte das ganze schwierige Grand Prix Programm mit einer Mühelosigkeit die beeindruckend war. Das Mädel hatte wohl Spaß am Reiten und das sah man dem dicken Fuchs auch an. Der fand das auch lustig! Irgendwie dachte man sich damals: Das könnte mal richtig gut werden… Es ist irgendwie anders als bei den anderen Reitern... Der Rest ist Geschichte.


Und genauso sah das mit Doro und Showtime aus. Irgendwie anders, als bei allen anderen. Wie kann denn einfach GAR NICHTS mehr falsch sein!!! Wie kann denn einfach alles richtig sein, was die beiden machen? Und dabei sieht das noch aus, als wäre es bloß ein Spaziergang im Park…


Ich glaub, das sympathische englische Mädel und ihr lieber dicker Fuchs werden in Rio ebenbürtige Herausforderer treffen….

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