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  • Henni Jesch

Süddeutsche Hengsttage – eine persönliche Betrachtung


Ein Ausflug nach München zu den Hengsttagen ist von Salzburg aus ja quasi Pflicht. Ich war beim Freilaufen am Donnerstag und bei der Prämierung und Auktion am Samstag. Da kriegt man sicher keinen umfassenden Überblick, aber zumindest einen guten Eindruck. Wenn man wirklich im Bilde sein will, dann muß man sich das ganze Programm vom ersten Pflastertritt bis zum letzten Freisprung geben. Dann wird Hengste kören richtig Arbeit, selbst als Zuseher. Jetzt kann man mir ganz sicher unterstellen ich kenn mich nicht aus, weil ich nicht alle drei Tage da war. Aber abgesehen vom optischen Beurteilen und Meinung bilden – kann ich lesen! Im Alltag oft total hilfreich! Wirklich!

Die Qualität der vorgestellten – vorselektierten – süddeutschen Hengst ist abartig hoch – finde ich! Da gibt´s nix mehr, wo du nicht hinsehen möchtest. Man mag halt mal was lieber und was Anderes weniger gern, aber gut sind die alle. Und manche sind halt auch noch von einer Präsenz, einem Auftreten und einer außergewöhnlichen Schönheit, daß sie einem den Atem rauben. Und so müssen doch Zuchthengste sein! Wenn der den Platz betritt, sieht man keinen anderen mehr.

Aber was mir jetzt so bißchen aufstoßt… da ist doch irgendwie alles das gleiche im Pedigree? Ich weiß, jetzt bricht ein Entrüstungssturm aus, daß ich mich ja gar nicht auskenne. Stimmt! Lesen kann ich aber. Täuscht mich der Eindruck oder sind da lauter FürstDonHits? Nicht nur in Süddeutschland, auch in Hannover, Oldenburg, Westfalen und wer aller noch Dressurpferde züchtet. Sie sind toll! Sie treten die Wolken vom Himmel, sie sind wunderschön, sie haben Präsenz, Tritt, Adel undalleswasmansichwünschenkann. Nur Blutvielfalt haben sie nicht? Man ist total froh, wenn da mal einer richtig bayrisch gezogen ist – hintendran. Es wirkt fast antiquiert.

Die Züchter verwenden wahrscheinlich wieder die tollen Hengste mit den klingenden Namen, deswegen kört man wahrscheinlich auch wieder die und die Hengststationen kaufen auch wieder die, weil die Züchter – auch die wenig versierten – die wieder kennen und verwenden. Und toll sind sie ja. Und wenn aber die Stuten auch schon FürstDonHits sind, oder vielleicht DonFürstHits oder HitDonFürsts oder usw? Es werden ja nicht nur Hengste geboren – theoretisch gibt´s genausoviel Stuten mit der gleichen Abstammung. Da wird ja auch die eine oder andere in der Zucht bleiben. Paart man die dann wieder mit den hier gekörten Hengsten an und potenziert FürstDonHit? Wie gesagt, ich nehme gerne auf mich, daß ich mich in der Zucht gar nicht auskenne… Mitm Lesen schon.

Es ist ja auch weithin bekannt, daß ich von der Exotenliga bin. Aber eigentlich gar nicht so wirklich, ich saß bloß eines Tages zufällig auf einem Spanier, weil der lief und alles gelernt hat. Ich war immer großer Bewunderer der Sportpferdezucht. Es ist auch kein Geheimnis, daß mein Herz für Trakehner schlägt und ich seit Jahren die Körungen verfolge. So toll die Hengste in allen Zuchtgebieten auch sind, so sehr sie die Wolken von Himmel treten… es gibt auf der ganzen Welt nix Schöneres als den Trakehner Siegerhengst. Ich wüßte nicht, wo es auf dieser schönen Welt etwas geben sollte, das schöner ist?

Und so sollte der Beste der Veredlerrasse für alle anderen Sportpferdezuchten ja auch sein: edler und schöner als alles andere. Eigentlich ist der Trakehner ja nach wie vor der Schuß Fremdblut, der reingezüchtet zur Verfügung steht. DonHitFürst-frei! Hmmmm…. Ich hab da jetzt eigentlich so gut wie kein Trakehnerblut bei den Hengsten gefunden? Bei den Stuten – die eine Augenweide waren – gab´s Millenium und Totilas, auch „altes“ Bayernblut. Bei den Hengsten hat sich jetzt nicht viel Fremdblut aufgedrängt? Diesen Gedanken scheine ja nichtmal ich als erste zu haben, das Landgestüt Schwaiganger hat sich ja mal sehr um das Trakehnerblut bemüht, es wurde vielleicht nicht ganz so gutiert, wie es sinnvoll wäre… FürstDonHit ist ein größerer Verkaufsschlager.

Mir ist bewußt, daß ich eine völlig verrückte Märchentante bin, mit meinem Vorstoß, meinen P.R.E. Hengst beim Zuchtverband für deutsche Pferde vorzustellen. Ich glaube, daß er von seinem Typ und seinen Grundgangarten in die moderne Sportpferdezucht passen würde. Das sahen die Körkomissare wohl auch so. Die P.R.E. Zucht hat genug Hengste, die wartet nicht auf meinen. Aber ein paar mutige Vorstosse, dieses völlige Fremdblut mit deutschen Stuten – FürstDonHit willkommen! – anzupaaren? Das unerschrockene Gemüt des Stierkampfpferdes, die harten Beine, die Knieaktion, das Versammlungspotential? Schwungentwicklungspotential wäre in Deutschland ja ohne Ende vorhanden. Ich zitiere Herrn Senckenberg aus einer Email Diskussion mit mir: „Es wird immer ein Experiment bleiben – und das ist auch gut so!“

Wahrscheinlich werde ich primär selbst dieses Experiment machen. Es würde genau solche Stuten brauchen – die Totilas x Sandro Hit x Lord Sinclair I aus der Stutenkollektion wär gerade recht… schade, daß ich zum Züchten einfach nicht reich genug bin. Ich kann ja nur lesen… und schreiben auch. Es ist von allen Online-Videos nicht ganz zu verdrängen.

Ich wünsche den Züchtern viel Mut für Neues – Mut schadet nie, aber man kann ihn nach wie vor nicht kaufen. Vielleicht nichtmal verkaufen?

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