Suche
  • Henni Jesch

Nach der Euro – ist vor Tokyo…


Was jetzt?

Also, ich hätte den Anschein, es bräuchte mehr Ausbilder.

Nicht weil man die aktuellen Champions nicht mehr sehen will – ganz im Gegenteil. Aber die brauchen Herausforderer. Der Sport braucht Herausforderer. Jeder Sport. Isabell macht es sicher nix aus, wenn sie gegen mehr Herausforderer anreiten muss. Es wäre ihr vermutlich ein grenzenloses Vergnügen. Aber das ist Grand Prix Reiten für sie sowieso – deswegen ist sie ja so gut.

Man könnte jetzt diskutieren, wer von den schon prominenten Mitstreitern eh eine tolles Pferd hat, oder haben wird. Manche davor heißen Charlotte und kommen aus Britannien. Da muss man sich nicht groß sorgen.

Oder: möglicherweise ist die Zeit reif, Nachwuchs zu fördern? Am besten halt die Richtigen!

Es ist ja keine Frage, dass es äußerst hilfreich ist, wenn man zum Reiten reich ist.

1. Braucht man mehrere Pferde.

2. Braucht man tolle Pferde.

3. Braucht man das Kleingeld, sich diesen kapitalextensiven Turnierzirkus leisten zu können.

4. Es hilft überhaupt nicht, wenn man am Montag um 7 ins Büro geht und bis 19 Uhr dort bleibt! Ich wundere mich immer wieder, dass die Leute ihre Freizeit mit Arbeit verschwenden. Sie könnten doch die ganze Zeit reiten? Aber sehr viele sind da äußerst hartnäckig.

In der Weltspitze sind dann allerdings doch fast nur Profis, die das Reiten zu ihrem Beruf gemacht haben – vor langer Zeit. Beruf kommt ja bekanntlich von „Berufung“.

Die können die Pferde ausbilden, die man dann eventuell für viel Geld kaufen kann, um an einer Europameisterschaft teilzunehmen. Die, die sie kaufen, gewinnen die Europameisterschaft meist nicht, weil dann doch meist die vorne sind, die die Pferde ausbilden können. Das ist ja nur gerecht. Und eigentlich logisch.

Und wie das dann in anderen Jobs auch ist: man bekommt ab dem Moment, wo man etwas außergewöhnlich gut kann, auch gutes Geld dafür. Im Optimalfall im Sport: es interessieren sich Sponsoren, oder zumindest Kunden, die Geld bezahlen. Manchmal tritt auch der Märchenfall ein und extrareiche Sponsoren freuen sich, einem Sportler jeden Pferdewunsch erfüllen zu können.

Das ist vielleicht nichts, was man in seine Lebensplanung fix einbeziehen sollte – zumindest nicht mehr als einen Lottogewinn. Der wird auch geringfügig wahrscheinlicher, wenn man Lotto spielt.

Genauso sollten es ambitionierte junge Reitsportler vielleicht doch in ihre Planung einbeziehen, dass sie eines Tages möglicherweise wirklich gut sind, wenn sie Talent und Fleiß besitzen. Ohne, dass die angehenden Profis vorab schon immer gesagt bekommen, dass sie sowieso zuwenig reich sind, um jemals gut zu reiten. Wie gesagt, die Wahrscheinlichkeit in der Lotterie zu gewinnen ist größer, wenn man ein Los kauft.

Zum Glück sind in der Realität – auch im Reitsport – dann die besten Athleten vorne. Das ist doch beruhigend, oder? Ganz ohne Ausbilden geht´s nämlich auch nicht!

82 Ansichten