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  • Henni Jesch

Man kann viele Menschen für eine Zeit zum Narren halten ...

Aktualisiert: 29. Apr 2018



Nochmal zu der momentanen Diskussion über die Ausbildung von Dressurpferden. Wobei hier ja nicht über Ausbildung diskutiert wird, sondern über Momentaufnahmen. Ich will ja jetzt nicht näher darauf eingehen, wo und wie sich diejenigen meiner Meinung nach befinden, die derzeit absolut jedes irgendwelche Foto von einem Topreiter kommentieren. In Aachen am Abreitplatz waren die auf alle Fälle nicht. Da waren nämlich gar nicht sooo viele. Ich schon. Und das Bundeshendel natürlich auch! Das ist aber schmähstad. Es wachelt bloss.

Es ärgert mich, daß es mich ärgert, daß sich da irgendwelche selbsternannten Richter das Maul über Spitzensportler zerreissen. Es ärgert mich einfach, daß es mich beschäftigt und eben auch ärgert. Weil….. viel lieber ärgere ich mich nicht! Es ist ja im Grunde auch so…. daß man sich den ganzen Tag ärgern kann! Aber man ist nicht verpflichtet dazu!

Es ist ja auch so, daß es in jeder Sportart Regeln gibt, aber auch konkrete Trainingsanweisungen, wie das fertige Produkt nämlich „Spitzensport auf Weltklasseniveau“ auszusehen hat. Das ist beim 100 m Lauf relativ klar ersichtlich: alle laufen 100m und einer ist der Schnellste! Der heißt aktuell meist Usain Bolt. Beim Schifahren – das verstehen jetzt auch die Couchpotatos aus Österreich – fahren alle den Berg runter, anhand der genau ausgesteckten Torlinie – und einer ist der Schnellste. Der heißt hoffentlich bald wieder Marcel Hirscher. Die Damen machen das auch so. Nur heißt die dann – hoffentlich – Anna Fenninger – und fährt verfluchtnochmalwiederundimmernoch für Österreich. Wenn einer jetzt den Slalom ganz anders fährt - in der Mitte einen Kringel, zwei Tore verkehrt und dann grad runter und wieder hochbrettelt – dann hat er das System nicht verstanden oder ist einfach noch angsoffn, wird im besten Falle als „sehr kreativ“ bezeichnet, was auch schlichtweg „zu blöd“ heißen kann. Gewinnen wird er nicht! Und in Österreich wird einem dann auch wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ der Kaiserschmarrn über längere Zeit entzogen.

Die Dressurreiter reiten einen Grand Prix. Der ist für alle gleich! Jawohlja. Ich hab ihn in der Normandie 103 mal gesehen. Zwei Tage lang von 8 Uhr früh bis 18 Uhr. Wie all die Jahre davor auch auf Euros und WEGs. So auch in Aachen. Wenn sie das können, dann dürfen die 30 Besten, den GPS reiten (für die Couchindianer es ist der Grand Prix Special, die schwierigste Aufgabe im DressurSPORT) und wer das noch besonders gut kann, der darf eine Kür reiten. (Für die sportlich nicht so versierten: das gibt´s in mehreren Sportarten, Eiskunstlauf, Turnen usw, was halt von Kampfrichtern beurteilt wird.) Also… dieser GP (Grand Prix) ist eine ganz klar definierte Aufgabe, die jeder dieser Weltklassesportler MIT seinem Pferd zu reiten hat. Und es gibt eine ganz genaue Anweisung, wie die jeweiligen Lektionen auszuführen sind: nämlich gemäß der Ausbildungsskala der FEI. Und das ist jetzt vermutlich neu, für die „neben dem Kaffeeautomaten-Sitzer-und-Pferd-auf-der-Wiese-Beobachter“. Die Ausbildungsskala - die jeder sportliche Reiter zu jeder Tages und Nachtzeit aufsagen kann – bzw. können sollte – geht so: Takt-Losgelassenheit-Anlehnung-Schwung-Geraderichtung-Versammlung. Näheres bitte ich jetzt die Kaffeeautomatenfraktion in den „Richtlinien für Reiten und Fahren der FN Band 1“ nachzulesen. Es tut nicht weh und man muß auch nicht gleich reiten gehen – echt nicht! Diese Ausbildungsskala hat man mal erfunden, weil ihre Erfüllung notwendig ist, um das Fluchttier Pferd über längere Zeit schadlos mit einem Reitergewicht zu belasten. In grauer Vorzeit war es halt auch noch wichtig, daß der Zosse dorthin geht wo der Reiter eigentlich sein möchte und das ausführt, was der Reiter will, sonst hätt´s zuviel Tote gegeben. Und das ist ja bekanntlich sehr unpraktisch – das Totsein.

Naja…. Und auf Basis dieser Ausbildungsskala wird der Grand Prix beurteilt. In jeder einzelnen Lektion. Es ist also nicht so, daß irgendwer irgendwo irgendwie an irgendeinem Zausel rumzieht und dann zufällig a Goldene kriegt. Marcel Hirscher fährt ja auch absichtlich dort lang, wo er hingehört. Deswegen gewinnt er ja auch was. Sonst wär er ja einfach jemand, der Schi fährt. Was ja auch schön ist! Und oft mit Kaiserschmarrn und Jagatee belohnt wird. In Eigenregie. Nicht vom ÖSV.

Würde jetzt das Olympische Komitee beschließen, daß man die 100m ab jetzt anders läuft. 50 gradaus, dann einen Kringel im Hopserlauf mit Hallelujasingen, und dann wieder 50m gradaus, und trotzdem gewinnt der Schnellste….. dann würde wahrscheinlich der Sieger wieder Usain Bolt heißen. Weil er das am schnellsten kann. Und vermutlich ist noch nie wer so mühelos einen Hopserlauf gehopst… Er würde es üben, er würde es können! Wenn im Slalom jetzt auf einmal nur jedes dritte Tor gefahren werden würde….. dann würde Marcel Hirscher die Anforderung üben, perfektionieren und er würde es können. Wahrscheinlich wären die Sieger die gleichen, wie wenn jedes Tor gefahren wird.

Die aktuellen Weltklassereiter – die in Aachen ganz vorne standen – können am allerbesten reiten! Sie erfüllen die Kriterien der Ausbildungsskala als Basis dieses Sports in jeder Lektion am besten! Wenn kaum eine Lektion unter 8 und manche Lektionen mit Noten von 9 und 10 beurteilt werden – dann ist das gemäß den Kriterien dieses Sports einfach wahnsinnig gut!

Wenn es jetzt auf einmal gefragt wäre, die Pferde mit Nase in der Luft und Hinterbein woanders vorzustellen…… es wären die gleichen Reiter, die es können würden! Wie man auch die Anforderungen verändern würde….. es wären wieder Edi, Hansi, Isi, Carli, Charlotte, Beatrice, Christina und all die anderen, die es am besten erfüllen würden.

… weil sie einfach am besten reiten können. So oder anders!

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