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  • Henni Jesch

Fiontini – Weltmeister 6-jährige Dressurpferde 2016


Der tollste Moment dieser WM der jungen Dressurpferde war schon Fiontini´s Finalsieg.

Ich kann mich nur einmal entsinnen, daß das Publikum schon während der Prüfung applaudiert hat. Das war bei Fuego in Kentucky. Bei Fiontini hielt es in der letzten Trabverstärkung manche Zuseher nicht mehr auf den Sitzen.


Wie der Tschisas dann auf die Mittellinie abbog und Fiontini vorausschauend Passage anbot – schließlich ist im GP auf der Mittellinie Passage! – fing das Publikum an frenetisch zu applaudieren. Der Tschisas reitet ja so wahnsinnig konzentriert, ich glaub, der bemerkt außer seinem Pferd original gar nichts. Bei dem Applaus auf der Mittellinie dürfte er dann aus seinem Trance erwacht sein und fand das dann auch richtig lustig. Ich würde das auch cool finden, wenn ich auf die Mittellinie abbieg und mir ein ganzes Stadion zujubelt. In Gastein in der LM total unüblich. Aber so viel Begeisterung gab´s auch in Ermelo nicht oft.


Das war schon cool! Fiontini ist es durchaus gewohnt bejubelt zu werden. Schließlich hat sie ja schon Übung im Weltmeister werden. Und dann gibt’s ja da auch noch dieses herzerfrischende Video mit Charlotte Dujardin bei den dänischen Meisterschaften, wo Charlotte Fremdreiter war und Fiontini nicht mehr hergeben wollte. Das konnte damals dem Publikum auch Begeisterung entlocken. Charlotte auch!


Dieses Mal glaub ich aber, dass sich die gar nicht so sicher waren, daß Fiontini hier gewinnt. Der Sprung von L (5jährig) nach M (6jährig) ist ja nicht ganz unbedeutend. Finotina, die Vollschwester – die beiden sind Embryotransfer Zwillinge – dürfte das ja nicht so vorschriftsmässig mitgemacht haben. Sei es gesundheitlich oder im Kopf. 6 jährig M laufen ist ja kein Brösel. Four Legends, sicher eines der allerbesten Pferde im Finale, hat ja keinen vernünftigen Wechsel gesprungen und war dann „nur“ 4.


Fiontini war vielleicht auch nicht immer ganz überzeugt von ihrem Auftrag Weltmeister zu werden. Ich hab die Beiden am Donnerstag im Training am Abreiteplatz und dann im Stadion gesehen. Da habens sie ganz ruhig gearbeitet, wenig nach vorne geritten – eher behutsam. In den Seitengängen hat sie dem Tschisas aber dann ein paar Mal entschlossen ins Gesicht geschaut und wär in die Luft gegangen. Das wollte er dann auch nicht und hat die Situation irgendwie „deeskaliert“.


Da dacht ich mir beim Zusehen schon, dass das in einer M spannend werden könnte. Es haut die Durchlässigkeitsnote ganz schön zsam, wenn die Schneidezähne der höchste Punkt sind.


In der Qualifikation war das dann auch etwas behutsam. Da gab´s 8,5 für die Durchlässigkeit. Ganz selbstverständlich waren die Wechsel noch nicht. Aber die Pferde sind 6! Und die Grundqualität von Fiontini hat trotzdem einen deutlichen Sieg ergeben. Aber es war schon sehr wesentlich das Geschick des Reiters von Bedeutung um das hier mühelos aussehen zu lassen. Auch eine Fiontini will weltmeisterlich pilotiert werden. Da sind wir ja mal gespannt, was der Tschisas mit seinem Lorenzo in Rio macht und ob er weiter Fiontini reiten darf. Schön wär´s schon…


Der Ritt im Finale der 6 jährigen war dann „breathtaking“. Jetzt waren schon Kirsten Brower und Five Star fast perfekt und so toll anzusehen. Dieses wunderschöne Bilderbuchpferd, das sich abartig bewegt und dann auch noch mühelose Wechsel springt und dabei völlig gelassen bleibt. Was sollte da noch kommen? Was kann man da noch drauflegen?


Aber da war noch was! Schrittversammlung wie man sie ihm Grand Prix sehen möchte und eine Trabverstärkung, die einfach die Leute von den Sitzen riss. Etwas mühsame Wechsel – aber was soll die Haarspalterei!? Hier trabt, schreitet und galoppiert ein Pferd, das ganz sicher Grand Prix gehen wird. Mit 80%.


Fiontini schien in der letzten Trabverstärkung einfach abzuheben – schön aus der Versammlung, die fast schon Passage war, nach vorne geritten und wieder zurückgenommen in die Versammlung. Wie im Grand Prix Spezial – nur noch ein bißchen „jugendlicher“.


Die Freude über den Finalsieg war riesengroß – ich glaub wirklich, daß man sich bei Helgstrand Dressage nicht sicher war, ob das problemlos abläuft. Und irgendwie können sich die Spanier besser freuen als die Deutschen. Vielleicht können die das denen mal beibringen? Lauter und mit mehr Champagner. Ich glaub, am Bubblebus – unser bevorzugter Ernährungscoach in den 4 Tagen Ermelo – war dann kurz mal der gekühlte Moet aus.


Fiontini ist schon routiniert im Entgegennehmen der Ovationen. Es macht ihr nichts gefeiert zu werden! Sie zieht auch auf der Ehrenrunde in ihrer unheimlichen Taktsicherheit rundum und geht sogar an der Longines Uhr vorbei, an der sich viele verbremst haben. Da kann der Spanier in Ruhe ins Publikum winken. Die Gelassenheit eines großen Champions…


Die Finalnoten von Fiontini:


Trab 9.5 / Schritt 9,8 / Galopp 9,7 / Submission 8,9 / Perspektive 10! Gesamt 95,8%


Die Richter meinten in der verbalen Beurteilung, es wäre phasenweise ein bißchen zu passageartig, aber das wäre ja nun nicht so schlimm. Und vor den Wechseln gab´s Spannung, die kam in die Durchlässigkeitsnote.


Aber: „The Trot Extensions blew us away!“ „And in the perspective as a dressage horse… there is nothing we could wish for!“

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