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  • Henni Jesch

Finale der 7 jährigen

Die Qualifikationsprüfung der 7 jährigen – die reiten eine leichte S – war ja eher etwas langatmig. Aber das Finale… war toll! Mit einem wirklich außergewöhnlichen Sieger: Glamourdale, KWPN von Lord Leatherdale x Negro.

Meisterhaft vorgestellt von der jungen Charlotte Fry. Wahnsinn, was das dünne Mädel in den letzten Tagen hier alles geritten ist. Und die Faszination, die von diesem Glamourdale ausgeht, die geht schon auf ihre Kappe. Glamourdale ist ein Flugzeug! Jeder Tritt und jeder Sprung wie auf der Startbahn vorm Abheben. Im Schritt hebt er nicht ab. Da geht er einfach ganz normalen, durchschnittlichen Schritt. Das war auch in den letzten Jahren immer sein Verhängnis. Der läuft ja auch schon zum dritten Mal, was ich mich entsinnen kann, in Ermelo. Ich kann mich entsinnen, wie ich die beiden vor 2 Jahren bei den 5jährigen zum ersten Mal gesehen hab, noch nicht gemeinsam, jeden mit einem anderen. Der Hengst wurde von Benjamin Maaljars geritten und wurde 8. in der Qualifikation, 10. im Finale. Dann saß ein so unglaublich leichtgewichtiges Mädel auf einem hochgehandelten Van Olst Hengst: Graaf Leatherdale. Der schoß immer wieder mal über den Abreiteplatz und ich hatte echt Sorgen, dass jetzt einer dem dünnen Mädel helfen muss, sonst nimmt das noch ein Unglück! Und Van Olst Horses hat ja sicher grundsätzlich keinen Unkundigen auf seinen Hengsten sitzen… aber dieses liebe Mädel? Van Olst gehört auch Negro, der Vater von Valegro. Ich kann mich erinnern, dass Ann van Olst den auch noch selber im Grand Prix geritten ist. Vor zwei Jahren sah das wie gesagt noch nicht ganz so strukturiert aus – am Abreitplatz – im Viereck hat Lottie den großen Hengst souverän durch die Prüfung geritten und war 7 in der Qualifikation und 6. im Finale. Vermutlich hatte sich van Olst horses damals schon was gedacht dabei. Naja… und zwei Jahre später kommt das dünne Mädel als strahlender Weltmeister mit einem wirklich abartig spektakulären Pferd aus dem Stadion von Ermelo. Die hat alle Pferde, die sie für van Olst reitet, so vorm Bein, so bergauf und so präzise am Punkt. Es sind natürlich primär Hengste, was auch sonst. KWPN Hengste… junge KWPN Hengste… also die kann was, die schenkt sich nix!

Glamourdale war heuer eine Klasse für sich! Der trabt wie aus dem Märchen, hebt vorn und hinten gleichoch ab und jeder Tritt ist sowas von bergauf. Dafür bekam er „nur“ 9.8. Für den Galopp 10! Ich hab mir eigentlich nach der Qualifikation gedacht, dass das das kein reiner Takt mehr ist im Galopp, weil der vorne zu hoch springt, dass keine Dreibeinstütze mehr möglich ist – aber jetzt gefällt es mir doch recht gut und ich pfeiff auf die Dreibeinstütze. Es war mir auf den ersten Blick zu spektakulär, zu unwirklich. Aber es ist toll. Kein Pferd auf dieser WM hat solche Gänsehautmomente ausgelöst wie Glamourdale. Ein großer Champion der 7jährigen. Und eine weitere englische Charlotte, die ihren Weg ganz sicher machen wird – wahrscheinlich sogar mit diesem Champion 2018. Bisserl Pi & Pa lernt der sicher … und dann können sich alle mal anschnallen im olympischen Dressurviereck.

Am zweiten Platz stand wieder mal Adelinde mit dem Totilas x Jazz Sohn Governor. Lackschwarz und bildschön. Das war einfach der beste Ritt. Adelinde kann einfach nochmal mehr reiten und ausbilden, als die anderen Reiter. Da war jetzt absolut nichts zu beanstanden und man kann sich den jungen Totilas schon sehr bald im Grand Prix vorstellen, was soll da nicht gehen?

Am 3. Platz landete nach komplett verhauten 3er Wechseln Isabell Freese mit dem herrlichen Fürstenlook. Also schöner kann man ein Pferd nicht malen. Diese Elastizität, die Bergaufgaloppade mit dem unheimlich mühelosem Versammlungspotential und… der geniale Schritt. Im Schritt nimmt er Glamourdale einfach einiges ab. Man kann diskutieren, ob dieses Hinterbein für höhere Versammlung schnell genug ist. Isabell Freese hat ihn aber einfach meisterlich vorgestellt, sodaß man darüber nachdenken kann, aber nicht muss. Durch die Fehler, die sich in der Durchlässigkeit auch noch ganz wesentlich niederschlagen müssen, war dann doch deutlich der KWPN Hengst vorne. Und das passt auch so: das faszinierendste Pferd dieser WM der jungen Dressurpferde wurde auch Weltmeister.

Auf dem 4. Platz war auch noch ein ganz besonderes Pferd, auch Stammgast seit 3 Jahren in Ermelo: Heiline´s Danciera, Fürstenball x De Niro. Scheint sich zu bewähren diese Kombination, sowas wie „Menü 1“ der deutschen (da war die deutsche dänisch) Pferdezucht. Das ist eine leichtfüssige Primaballerina. Die sehen wir auch wieder…

Ganz besonders toll: Wolfgang Himsl und Valparaiso wurden 7. im Finale der 7jährigen Dressurpferde. Wieder eine gewohnt souveräne und – wie ich immer sage – unaufgeregte Runde. Das wird einfach so geritten wie´s gehört und aus. Passt. Sehen auch die Richter so. Sieht dann auch gar nicht kompliziert aus. Das sah es bei Lottie aber auch nicht, jetzt…

Die tapfere Lottie wurde dann noch von ihren „Freunden“ in einem blauen Kinderplanschbecken versenkt. Aber die ist ja schnell wo reingeschlichtet. Ganz raffiniert haben sie ihr vorher die Schärpe des Weltmeisters abgenommen, die Lackstiefel ausgezogen, weil man ihr neue Kingsland-Schuhe verpasst hat und den Frack ausgezogen, weil es ja heiß war. Und dann einfach gepackt und versenkt. Wie in St. Johann am Steggut bei der Landesmeisterschaft… So ist eigentlich in Ermelo eh auch alles ganz normal. Nur nicht Glamourdale… der ist ganz und gar nicht normal… Ich bin so gespannt, wo es die beiden hinführt, St. Johann wird´s nicht sein… ich glaube nicht, dass es da Grenzen gibt. So wie es für das andere englische Mädel mit dem Negro Sohn auch keine Grenzen gab… und immer noch keine gibt…auch ohne Negro.

Ermelo 2018 sah sehr nach Zukunft aus… für englische, deutsche, australische, spanische, dänische usw. Reiter.

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