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  • Henni Jesch

Finale 5jährige


Weltmeister Jovian, 2. Secret, 3. Queensparks Wendy

Das Niveau bei den 5jährigen war wahnsinnig hoch. Es waren auch sehr viele Helgstrand Pferde. 5 hab ich gezählt. Und da ging eigentlich bei kaum wem was schief. Es ist kein Zufall, dass sie so viel gewinnen. Man lässt einfach das Falschmachen weg. Einfach. Eh logisch – im Grunde.

Ein überragender Weltmeister ist Jovian. Er geht normal Schritt. Das ist bekannt. Aber er geht Schritt. Der Rest war alles, absolut alles!, heute auf 10! Das sahen die Richter auch so. Ich hab mir das vor der Notenvergabe schon aufgeschrieben. Nett, dass sie es auch so sehen. Bin quasi das Orakel von Ermelo. Ich hätte aber vor dem Ritt Jovian nicht als den Sieger angenommen. Eigentlich sah nach der Qualifikation Secret wie der sichere Sieger aus. Der war auch toll! Aber da gab es einen Dreher im Kurzkehrt und ein bisschen große Volten. Glaub ich schon, dass man diese Trabbewegung nicht so einfach zentrifugieren kann. Und dann isses halt einfach wieder so, dass ein Einzel-Bronzemedaillengewinner der olympischen Spiele noch ein bisschen besser reiten kann als die junge Herausforderin. Andreas Helgstrand macht einfach nichts mehr falsch, wenn es darauf ankommt. Und er kann den Turbo sowas von genau im richtigen Maß zünden. Da war der Medium Canter einfach wirklich Medium. Nicht „stark“ und nicht „nur nach vorne geritten“. Da war der Übergang zum versammelten Galopp exakt an dem Punt wo er hingehört, nicht einen Zentimeter später. Da ist die Volte genauso wie die Volte sein soll - alles andere wäre ja Blödsinn. Und es ist einfach so, dass es beim Dressurreiten um Genauigkeit geht. Und das Kurzkehrt… das war zum Niederknien. Dieser Trab von Jovian ist einfach das Optimum. Mehr Abfußen, mehr Schwingen, mehr Geraderichtung – mehr geht einfach nicht! Und diese durchaus schwierige Galopptour der Finalprüfung. Da gibt es keinen Rhythmusverlust, kein Schwanken, kein Schiefwerden – es gibt überhaupt keinen Qualitätsverlust dieses Galopps durch alle Tempi und Lektionen. Und dann steht der Gaul auch noch! Wie Andreas auf die Mittellinie abbog begann das Publikum schon zu klatschen und zu jubeln. Da haben beide kurz geschaut, aber den Takt hat Jovian nicht verloren und die Haltparade war auf 4 Beinen und er stand und hat sich bejubeln lassen. Und genau in dem Moment war er der logische Sieger.

Secret war ja zuvor dran. Da hat sich das schon ereignet, dass das Publikum zu jubeln begann, wie Jessica auf die Mittellinie abbog. Secret verträgt das gut, der ruht so in sich. Ein wirklich beeindruckendes Pferd. Das jeder gerne im Stall haben würde. Oder einfach im Streichelzoo weil er auch noch so herzig ist. Dieses federleichte Reiten, dieser zufriedene Ausdruck von dem Pferd, das ist einfach hinreißend. Diese schwerelose Trabbewegung, der Bergauf-Galopp. Auch der Schritt ist toll. Alles ganz außergewöhnlich. Aber ob der in eine Piaffe zu setzen ist, wird man erst beweisen müssen. Wahrscheinlich wird er es mit der gleichen Selbstverständlichkeit machen, wie er alles andere auch macht, worum ihn Jessica bittet.

Jovian… ja, Jovian piaffiert und passagiert schon. Nicht weil man ihn bittet. Er fragt, ob es denn was ausmachen würde, wenn er mal eben weiter passagieren würde. Und ob er denn die Passage statt der Haltparade einfach auf die Stelle setzen könnte – es wäre ganz leicht. Keine weiteren Fragen mehr!


A bisserl interessant fand ich dann die Siegerehrung. In der faktischen Grundkonstellation: 2 Hengste und eine ungesattelte Stute sollen nebeneinander ewig lang ruhig stehen und außerdem noch keine Ehrengäste oder schön beige Assistentinnen töten. Jovian wäre das mit dem Töten jetzt wurscht gewesen, wenn er nur ein Date mit Wendy kriegt. Wer das Fohlen brennen darf, können die Verbände vor Ort ausschnapsen. Es war aber wirklich nicht ungefährlich. Der mehr als versierte Groom von Jovian, hat beim Hingreifen schon nur mehr die Kniescheiben aus der Schusslinie gehalten. Dann hat er sie – Hengst halt – immer mit dem Kopf weggeschoben und hätt sich dabei noch fast die Trense ausgezogen. Padautz! Des hätt a Gaudi gebn! Es ging also festhalten nicht mehr, von oben zur Räson bringen auch nur mehr mäßig gut, stillstehen war überhaupt die Krux. Und dann war der Zeremonienmeister vom Veranstalter so gar nicht vom Fach und hat versucht, die immer wieder alle nebeneinander aufzustellen, damit die Ehrengäste – eben – ehren können. Die waren aber schon lang ihres Lebens nicht mehr sicher – wussten das aber nicht. Man hat also immer wieder die ungesattelte Stute neben Jovian gestellt. Secret war´s wurscht. Zumindest hat er sich nicht eingemischt. Was hilfreich war. Das Team Helgstrand hat ja schon mal was mit Pferden, auch Hengsten, zu tun gehabt und hätte dann gerne die Stute aufs andere Ende oder ganz aus der Bahn verbannt. War ja keine große Hilfe mehr. Aber da war wieder der Zeremonienmeister, der wieder ehren wollte. Und stur war der!

Schlussendlich ging die Stute irgendwann und man hat Jovian auf die Ehrenrunde geschickt. Keiner der Zahnärzte der Longines Manager kauft sich nächste Woche einen neuen Porsche. Und wenn Jovian passagieren darf – er ist 5! – ist seine Welt in Ordnung. Wendy hin oder Wendy weg.

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