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  • Henni Jesch

Berührende Momente am Trakehner Hengstmarkt 2013

Aktualisiert: 7. Apr 2018


Dieses Jahr gab´s besonders viel Halleluja bei der Ehrung des Trakehner Siegerhengstes. Und es flossen auch besonders viele Tränen der Rührung – nicht nur bei mir! An allen Ecken wischten sich die Zuschauer mehr oder weniger verstohlen die Tränen aus dem Augenwinkel. Gstandene Leute, die jeden Tag Pferde versorgen, aufziehen, trainieren, reiten, verkaufen und vieles mehr oder vielleicht „einfach“ nur einen Betrieb leiten, managen.


Der Siegerhengst Kissinger von Singolo war eigentlich klar. Ein außergewöhnlicher Hengst mit wunderschönem Trakehner Typ und unglaublichen Bewegungspotential in herrlicher Taktsicherheit. Prädestiniert um als Veredler für alle anderen Sportpferderassen als Botschafter der Trakehnerzucht in die Welt hinaus zu ziehen.


Gezogen wurde dieses Pferd von Alexandra Gräfin Dohna. Die Familie der Gräfin Dohna führte in Ostpreussen schon ein Stutbuch ihrer Zucht VOR dem Hauptgestüt Trakehnen. Die tragsiche Geschichte des ostpreussischen Hauptgestütes Trakehnen im 2.Weltkrieg ist sicher auch allen nicht-Trakehnerfans in der Pferdewelt bekannt.


Lange Rede kurzer Sinn: im Jahr 2013 stellt die Zucht der Gräfin Dohna den Siegerhengst der Trakehner Hengstkörung. Die Gräfin erscheint im klassischen Understatement im rosa Wolpulli und grüner Hose. Die Freude über diesen allergrößten Zuchterfolg im Leben eines passionierten Pferdezüchters war unübersehbar. Und diese Freude war auf die tausenden Trakehnerfans in der vollbesetzten Holstenhalle übergesprungen. Das tut sie doch immer!

Aber vor dem Hintergrund der tragischen Geschichte der Zucht des Hauses Dohna hat sich wohl jeder einzelne in der Halle über diesen Siegerhengst besonders gefreut. Der gefeierte Trakehner Siegerhengst stand in aller Seelenruhe inmitten des Beifalls und den Hallelujaklängen. Die Gelassenheit eines großen Champions!


Und weil der Champion so gelassen war, ließ es sich die betagte Dame nicht nehmen, ihren Siegerhengst selbst in die Hand zu nehmen. Und weil das offensichtlich so schön war, gab sie dem Vorführer die Zügel nicht zurück und ging ganz spontan mit dem 2.5 jährigen Hengst auf eine Ehrenrunde – im Schritt. Die noch aus Ostpreussen stammende 80jährige Gräfin mit ihrem züchterischen Meisterwerk, dem TrakehnerSiegerhengst 2013 „Kissinger“.

Und es gab niemanden in der großen Halle, den dieses Bild nicht berührt hätte. Das Publikum wollte in frenetischen Jubel ausbrechen, traute sich aber zuerst nicht so recht, denn hätte Kissinger auch nur einmal ordentlich angezogen – wäre das nicht gut gewesen. Aber der Siegerhengst wußte um die Magie des Augenblickes. Er schritt ganz ruhig neben der Gräfin dahin und der Jubel wurde immer größer. Mit Standing Ovations wurden die beiden im Jahr 2013 vom internationalen Fachpublikum in den Holstenhallen gefeiert. Minutenlang dauerten die standingovations an – für Alexandra Gräfin Dohna und Kissinger.

… und keiner schämte sich der Tränen, die einem einfach in den Augenwinkeln standen…

Wenig später ging der Siegerhengst mit seinem Vorführer unter lautem Halleluja auf die Ehrenrunde. Er machte keinen einzigen Taktfehler, trabte  die Wolken vom Himmel und verbrauchte mehrere Vorführer und das versammelte Fachpublikum feierte dieses eigentlich perfekte Pferd. Typ – Charakter – Bewegung.


Und es bleibt eine gewisse Hochachtung zurück  -  vor den Züchtern dieser herrlichen Pferde, die unter widrigsten Bedingungen nie aufgegeben haben, damit wir hier heute diesen Siegerhengst feiern können. Gratulation!


… und wenn ich nicht in diesen berührenden Momenten auf der Tribüne der Holstenhallen heulen würd wie ein Schloßhund – ich würd mich wahrscheinlich oft fragen, warum ich das alles mache – für die Pferde!  So wie es alle dort in der Halle tun….



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