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  • Henni Jesch

Also, das mit der Körung beim ZfdP war so...

Mein Märchenpferd ist ein Abkömmling einer Spezialrasse. Das sind alle reingezüchteten Rassen, die ihren Ursprung nicht in Deutschland haben, aber da halt auch gezüchtet werden. Ducado ist in Spanien gekört und eingetragen. Es bekommen PRE´s also sowieso Papiere von der spanischen Organisation. Da mich aber letztes Jahr Leute gefragt haben, ob man denn auch mit Warmblutstuten mit ihm decken könnte, wollte ich diese Frage kompetenten Leuten zur Entscheidung vorlegen. Deswegen Körung beim Zuchtverband für deutsche Pferde. Ich hätte mit beiden Entscheidungen leben können. Wenn man ihn nicht für gut befunden hätte, dann wäre das Thema ein für alle Mal ausdiskutiert und wenn man ihn tatsächlich in Deutschland für so gut befindet, daß er gekört wird, dann kann ich mir ja was überlegen und es ist auf keinen Fall ein kompletter Blödsinn. Eigentlich hab ich mir nicht gedacht, daß man der Henni Jesch aus dem Mühlviertel einen spanischen Hengst kört. Ein bißchen Belustigung hat es wohl hervorgerufen, daß der Spanier aus Österreich zur deutschen Körung kommt. Flexibilität und Toleranz im Europa des 21. Jahrhunderts! Sollte es deutsche Fohlen von Ducado geben, dann sind die auf alle Fälle mal Europäer.


Das mit der Flexibilität und daraus resultierenden Vielfalt spiegelt sich in den Pferderassen, die dort antreten, primär Ponies (deutsche Reitponies), kleine deutsche Reitpferde, ein Vollblüter, Deutsche Classic Ponies, ein Einheimischer (Haflinger) und…. Shetties, noch getoppt von Mini Shetties. Vor meiner Abfahrt sagte Kerstin zu mir im Stall: „Gegen ein Shetty hat sowieso keiner eine Chance“ – weil ich dachte, Ducado könnte zumindest so groß traben wie ein Shetty. Es war viel wörtlicher gemeint…


Ein karierter (schwarz – weißer) Shettyhengst wurde Reservesieger der Körung. Dem bin ich zuvor in der Stallgasse begegnet. Ich hatte Ducado zum Einzöpfeln in der Stallgasse stehen – die wirklich breit ist und es waren ja nur 5 Hengste in dem Trakt. Dann wollte der – ungefähr 2m große – Shettyzüchter an uns vorbei und fragte ganz schüchtern ob das denn möglich sei? Vorher hatte er schon in der Zwiesprache meinen Märchenpferd erklärt, daß er sich eh nicht fürchten müßte, denn es würde ihm keiner was tun. Also… Ducado ist weitgehend Pazifist, der tut anderen Pferden für normal nix, und geht auch davon aus, daß ihm auch keiner was tut. Kurz darauf wurde mir klar, daß der Lange eventuell nicht ganz ehrlich war. An die schüchterne Frage, ob man denn da vorbeigehen könne, schloß sich die bedeutungsvolle Aussage: Es sei nämlich ein Shettyhengst. Ja eh. Es war mir klar… dachte ich. Ich schob Ducado´s Hintern zur Seite und es war wirklich genug Platz für ein Pony. Aber nachdem es ein Shetty ist… haben wir Helme aufgesetzt, Handschuhe angezogen und uns hinter Strohballen verbarrikadiert. Der kleine Karierte ging Ducado ungefähr bis über´s Sprunggelenk – aber wenn er ihn erwischt hätte, hätte er ihn in Stücke gerissen! So schnell konnte das Märchenpferd seine dunklen Kulleraugen gar nicht rollen!


Die Minishetties sind wohl ähnlich veranlagt, aber die kann man notfalls wegtragen. Was sich als sehr praktisch erwies. Da ein Semmelblonder auf der Dreiecksbahn spontan beschloss an der Kommission nicht vorbei zu gehen. Er schraubte die winzigen Füßchen in den Boden und aus war´s! Da mußte der Peitschenführer heraneilen, aber das brachte auch nix. Durch den Pelz kommt nix durch. Schließlich hat man zu zweit hinten angeschoben bzw. weggetragen. Auch eine Lösung!


Ducado war am Pflaster ein bisserl übertrieben gut drauf. Es war halt auch so sch… kalt, daß es einfach gemein war, die geschorenen Pferde ohne Decke vorzustellen. Man muß sich überhaupt überlegen, ob das bei einem Andalusier nicht Tierquälerei ist. Man könnte ihn problemlos bei 37 Grad kören. Minus 5 sind irgendwie… gemein. Das Konzept der Pflastermusterung war ihm nicht ganz klar, er wäre beim ersten Trabtritt einfach entschlossen losgefahren. Raffi hing da kurz etwas hilflos in den Seilen. Da wollt ich dem Märchenpferd schon die BayWa Karte mitgeben, falls er am Heimweg noch wo Brotzeit machen will. Wenn das Schnappi nicht so viel beißen würde, könnte es ja ordentlich traben, aber es ist halt ein Schnappi – ein wunderschönes. Und wohl eines der aller unkompliziertesten Pferde im gesamten Umgang am Turnier. Es beißt halt, wenn man´s zuwenig beachtet. Da ist man ja quasi selber schuld- man könnt es ja gleich mehr beachten.


Beim Freilaufen trabte er dann toll und galoppierte ziemlich mies. Aber er war völlig von der Rolle, daß er da jetzt rumlaufen soll. Das hab ich auch nicht geübt, es war mir klar, daß das seine Entscheidung ist, was er da tut. Ich hab ihn noch nie so traben sehen! Echt cool. Der Schrittring war ja sowieso seine Liga. Keiner ging da so Schritt wie Ducado: große Tritte mit viel Übertritt und immer durch den ganzen Körper und mit einer beeindruckenden Gelassenheit. Man hat ihn auch vor allem für seinen schönen Typ und den außergewöhnlichen Schritt gekört. Beides haben wir auch recht in Szene gesetzt. Schönsein war ja immer schon eines seiner besonderen Talente. Aber da, im Umfeld von anderen schönen Hengsten und aus der Distanz betrachtet, muß ich schon nochmal sagen, daß er schon besonders schön ist!


Es ist dann schon ein spannender Moment im Schrittring… wenn man auf das Körurteil wartet. Wenn ein Hengst gekört ist, wurde er vor dem Publikum aufgestellt und besprochen. Wenn er nicht gekört war, dann eben nicht. Ducado war erster im Schrittring und man hat Raffi irgendwann zugerufen, er soll ihn aufstellen. Da ist man dann zerst damit beschäftigt, daß Schnappi intelligent dreinschaut und dann ist bei mir langsam durchgesickert, daß das wohl bedeutet, daß er in Deutschland gekört ist. Da hab ich mich dann schon recht freuen müssen…



Diese Schleife und die Stalltafel vom Zuchtverband für deutsche Pferde ist schon was Besonderes. Ich weiß nicht wieviele P.R.E es gibt, die in Deutschland gekört sind und deren Fohlen aus Warmblutstuten vollständige deutsche Papiere kriegen. Märchenpferde eben…


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