Suche
  • Henni Jesch

Also, das mit dem Turnierauftakt, das war so…

Aktualisiert: 2. Apr 2019


“The same procedure than every year….”

Schoßhund Coco fand´s total öd, dass sie in aller Herrgottsfrüh in diese kalte Welt hinausgezerrt wird - in einer schicken Tragetasche wohlgemerkt, da bekannt ist, dass sie einfach nicht läuft, wenn sie nicht laufen will. Coco ´flakt´ sich dann einfach auf den Boden – wurscht wie er beschaffen ist - und lässt sich wie einen Wischmopp hinterherziehen. Und das zieht sie durch. Also hat sie jetzt eine rosaschwarze Tragetasche, weil das noch weniger peinlich ist, als der Wischmopp im Reithallensand. Durch Entzug der Bodenhaftung kann der Shi-Tzu dann wieder verbracht werden, schwer isser ja nicht, nur stur. Den Dobermann am Stall hatte sie zum Frühstück, der geht den Rest des Tages nicht mehr aus dem Haus. In der Gastronomie am Turnier hat Coco zumindest einen Hund angeflogen, das macht sie ohne Vorwarnung: Coco bellt nicht und knurrt nicht – viel zuviel Aufwand - Coco beißt die Rottweiler einfach gleich. Die sind ihrer Meinung nach selber schuld, wenn sie auch am Turnier sind, wo sie - Coco - doch viel zu früh aufstehen musste.

Das reinweiß gewaschene Schimmelpony war unheimlich kooperativ, bockte kein bisschen, lief fast nirgends los und gewann zwei Schleifen in A Dressur und Dressurreiter A. Überreicht wurden die Schleifen bei einer dieser bemerkenswert effizient durchgeführten Siegerehrungen, wo alle Beteiligten irgendwann am Richterhäusl vorbeikommen – optimalerweise wenn sie aufgerufen werden – dann eine Schleife bekommen und wieder gehen. Geht ja um nix! Is nur business. Durchgeführt wurden die Siegerehrungen wesentlich von einem entzückenden schwarzen Hund, der das auch ernst nahm und immer rechtzeitig mit den Schleifen zugegen waren. Insgesamt kann man sich der Tränen bei diesen rührenden Zeremonien kaum erwehren. Wir sind ja schon froh, wenn wir dann nicht rund um eine Bar galoppieren müssen… da gehen wir lieber gleich wieder – oder kommen gar nicht erst? Lässt sich eigentlich lösen, in dem man nichts gewinnt? Weniger üben, schlechter reiten, oder gar nicht erst auf´s Turnier fahren? Ich glaub nicht, dass ich die einzige Reiterin und Trainerin bin, der diese Siegerehrungen zu Fuß furchtbar peinlich sind? Ein Reiter ohne Pferd ist halt bloß ein Mensch…

Ich verstehe schon, dass man als Profi nicht bei jeder DPA mit dem 4 jährigen antanzen möchte. Wahrscheinlich möchte das auch der 4jährige nicht unbedingt. Da isses ja recht und gut, sich zu entschuldigen und zu Fuß zu erscheinen. Aber der Haflinger, der Fjordi und das Lehrpferd im Lizenzfreien wären tadellos rumgestanden und hätten die Ovationen entgegen genommen. In der DRA wäre das strahlendweiße Schimmelpony, die beiden älteren Lehrmeister und das ordentlich gerittene Dressurpferd auch zur Siegerehrung erschienen. Das Schimmelpony ist eine Dame und findet überhaupt, dass die blauweiße Schleife sie vorzüglich kleidet.

In der 2. Abteilung der A-Dressur, in der – wie üblich – Profis junge Pferde geritten haben, beziehungsweise vorgehabt hätten dies zu tun…. Hat sich das Problem eh nicht gestellt. Es kam nämlich eh kaum wer ins Ziel. Es kam einfach kaum wer mit dem Jungspund vom X bis zum C. Einer der Profis schien das Pferd durchaus schon länger geritten zu sein und zeigte, wie das gemacht gehört, die andern mühten sich wirklich ab. Also waren es wieder der Lehrmeister und das Buschpony, die sich hier platzierten, weil die gingen im Kreisrum. Da haben dann die Reiter bei der Siegerehrung gefehlt, weil die natürlich nicht gerechnet haben, mit dieser Vorstellung in dem Starterfeld platziert zu sein.

Bemerkenswert war auch die Ansage im Lizenzfreien. Das war irgendwie kabarettreif. Lizenzfrei muss ja vom Veranstalter angesagt werden, sonst reiten womöglich die Kinder irgendwo rum und der Haflinger merkt sich halt auch nicht alles. Vor allem, wenn die ihm im Hänger die alte Aufgabe an die Wand gepinnt haben. Dann red mal dem Haflinger aus, dass man jetzt links statt rechts abbiegt. An unseren Schulhaflingern schätze ich ja deren Einstellung, im Ernstfall NICHT auf die Hilfen des Reiters zu hören, sondern es stur so auszuführen, wie es ihrer Meinung nach gehört. Das ist im Reiterpass oft recht hilfreich, denn zweifelsohne weiß Nepomuk wie das gemacht gehört. Da hält er sich nicht lang mit gegenteiligen Anweisungen auf.

Wenn aber jetzt im Lizenzfreien, die Ansagerin sehr eigene Interpretationen vorliest, weil das mit dem Lesen – ich bin auch ein bisschen Lehrer! – nicht ganz so gut von der Hand beziehungsweise vom Blatt geht, dann kommen da interessante Varianten heraus. Also, ich hätt dem Haflinger geglaubt, dass er es korrekt macht. Der Richter musste immer wieder aus dem Häusl kommen und mit der Ansagerin das weitere Vorgehen in der Lizenzfreien Aufgabe diskutieren, die dann auch mäßig kooperationsbereit war. Das wurde dann ein bemerkenswertes Gekurve. Irgendwann hat man dann aber die ersten 3 halbwegs durchnavigiert und die Restlichen haben erkannt, dass sie selber wissen müssen wo´s hingeht. Was ich ja grundsätzlich schon in der Eigenverantwortung des Reiters sehe, dass er ungefähr weiß wo´s langgeht. Wer, wenn nicht der Reiter, soll denn das wissen? Achja… der Haflinger… der weiß aber auch wo der Birnbaum steht.

Aber so richtig erheitert hat mich dann noch zuhause eine Dressurreiterin, die von Ihrer Trainerin angewiesen wurde, doch mal eine Galopptraversale zu reiten. Sie hatte wohl keine Ahnung was das ist und hat irgendwas gemacht und sich nach erfolgtem Schrägrüberreiten strahlend zur Trainerin umgedreht:

„Und? Hab ich das jetzt schon gemacht?“ – you made my day 😊

155 Ansichten