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  • Henni Jesch

Also... das mit dem Covid... das ist so:


Mir gehen ja die Verschwörungstheoretiker – auch die Harmlosen – auf den Geist und: ich gehe ganz sicher den Verschwörungstheoretikern auf den Geist – allen. Das führt dann oft zu Diskussionen, denen man den aggressiven Unterton nicht absprechen kann – was wahrscheinlich in Niemandens Sinne ist? Eigentlich bin ich ganz nett – finde ich! – aber das ist vielleicht manchmal schwer zu erkennen. Ab und zu gelingt es mir nicht, es zu zeigen, das Nettsein.


Ich bin ein schrecklich braver Bürger – ich halte mich einfach an die Gesetzesvorgaben. Ich kann nicht einmal Schwarzfahren, ohne dass mich der Kontrolleur, der am anderen Ende der Stadt in einen Bus einsteigt ganz zielsicher aus dem Bus fasst, weil ich schuldbewusst dreinschaue. Nichtmal richtig schauen kann ich dabei.


Also würd ich jetzt – als braver Bürger (ich kann nicht anderes!) – einfach den Pappenlappen aufsetzen - wenn mir so geheißen ist-, den Abstand einhalten – ich hasse es, wenn mir die Leute auf die Pelle rücken, aber ich kann nicht jedem den Fuß auf die Brust stellen! – und mit kruzefixnochmal die Pratzn mitm Desinfektionsmittel beträufeln. Nix davon tut mir weh! Nicht einmal der Pappenlappen, denn der ist von Wolford – passt auch zum Glitzerfrack der Dressurreiterin. Wir wollen ja nicht auftreten wie dem Kasperl sei Frau! (Wahrscheinlich brauch ich auch noch den Pappenlappen aus Seide?)


Wenn ich jetzt aber ganz vorschriftsmäßig mit dem schönen Pappenlappen den Eingangsbereich zu irgendwelchen Örtlichkeiten betrete, werde ich meistens ausgelacht – nicht wegen dem Design. Und muss verbal antreten, dass es den doofen Covid wahrscheinlich wirklich gibt. Und dann ist man ganz schnell bei diesem aggressiven Unterton der Diskussion, wie oben angesprochen. Da schließ ich mich selber nicht aus: ich hab ganz sicher ein unglückliches Talent durch offensives Vortragen der Wahrheit anzuecken. Die Wahrheit hat natürlich immer ein Bezugssystem. So wie jeder denkende Mensch eines hat. Da ´Blossfußade´ gleich hinterm Mond und dann links sieht die Welt aus einer anderen Perspektive als ich, die mal an einer naturwissenschaftlichen Uni eine Geisteswissenschaft studiert hat und dabei furchtbar viel Mathe und Statistik gelernt (manches sogar verstanden) hat. Was dem Covid komplett wurscht ist!


Also: Ich hab den Covid nicht erfunden und ich halt ihn auch für eine gscheit blede Sau – und entschuldige mich auch gleich für dieses Ausdrucksweise.


Aber ich würde jetzt ganz gerne in Frieden leben und auch die Dinge tun, die eben zu tun sind und manche davon tu ich auch furchtbar gerne. Das ist ja scheinbar das Grundproblem: dass der blede Covid die Leute in ihrem Aktionsradius hemmt. Das nimmt man dann gerne als persönliche Kränkung und braucht wen, der dafür zuständig und an allem schuld ist. Ist mir alles klar. Geht mir genauso.


In Frieden leben heißt für mich aber auch, dass ich beim Reitunterricht weiterhin die Möglichkeit habe, im Falle eines unsystematischen Abgangs von einem Pferd – das die Ausübung des Reitsport in seinen Grundzügen ja erst möglich macht –, die Rettung zu rufen, sofern der Schüler beschädigt scheint. Praktischerweise funktioniert das im Österreich des 21. Jahrhunderts so, dass dann diese netten Jungs mit dem auffälligen Auto anrücken und den unglückseligen Bewegungslegastheniker einsammeln, zu einem Anästhesisten bringen, der in nach allen Mitteln der Kunst ins Nirvana beamt und dann baut einfach der Chirurg den Oberschenkel wieder zusammen. Acht Wochen später sitzt der Unglücksrabe wieder mit einer Glitzermütze zu Pferde und der Haflinger hat halt eine rote Karte bekommen – is ihm komplett wurscht! So wie der Covid (de blede Sau!) – der ist dem Haflinger auch komplett wurscht, wenn er nicht aus seinem roten Eimer Hafer frißt!


Praktisch wäre also, wenn das Gesundheitssystem weiter so funktioniert und ich nicht dem Schüler mit dem gebrochenen Oberschenkel nur ein Eis kaufen kann. Jetzt hab ich auch keine einzige Lust auf eine schwere Grippe – die ist nämlich auch eine gscheit blöde Kuh! Ich musste mich vor 15 Jahren mal damit auseinandersetzten, das hat auch nicht zur ´Glücksöligkeit´ geführt. Also wenn man das vergleichen kann, reicht mir das eigentlich, um den seidigen Pappenlappen zu bestellen.


Ein bisschen sind wir es – finde ich - den Unternehmern schuldig, in deren Räumlichkeiten wir uns bewegen (Wirte, Fitnessstudio, Betriebs- oder Schulküche, undwasweißichnochwoihrumgehts?), dass wir uns als brave Bürger regelkonform verhalten. Da müss ma ja nicht alle an den gleichen Gott glauben! Die Unternehmer zahlen oft Miete oder Pacht, haben Angestellte, Investitionen getätigt und gesetzlich vorgeschriebene Auflagen. AUS RESPEKT könnten wir uns einfach – wie uns geheißen – den Pappenlappen umbinden, den Leuten von der Pelle rücken (was ja eher zur ´Glücksöligkeit´ führt, als Zwangskuscheln! Grrrr*michschüttelts*) und uns die Pratzn desinfizieren. Mehr isses eigentlich nicht. Nix davon tut weh.


Vielleicht könnt ma dann auch wieder unsere Bezugssysteme sein lassen, wo sie sind und den bledn Covid ned ewig diskutieren. Manchmal ändern sich halt Rahmenbedingen – praktischerweise haut uns immer noch keiner ´a Bombn´ am Schädel oder nimmt uns unser ganzes Essen weg.


Und Irgendwann kommt ja auch wieder die Zeit, wo wir uns im Rudel a ziemlich großes Bier aufmachen und a ziemlich großes Rindvieh am Grill hauen – lassts mein Haflinger in Ruh, der hat mit dem Thema nix zu tun! Der macht nur eine bisschen Arbeitsplatzsicherung in Nicht-Pandemiezeiten. Und es ist ihm komplett wurscht! Wie dem Covid…


Foto vom Gruppenkuscheln: Verena Lüthje

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