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  • Henni Jesch

6 jährige Qualifikation

Jetzt muß ich einmal wirklich zugeben, daß es so heiß ist, daß man es einfach nicht schafft, sich hier alle Ritte von der Tribüne aus anzusehen. Da ist zwar grundsätzlich überdacht aber es steht dann die Luft, wenn es von hinten draufheitzt, daß man irgendwann mal Schatten suchen muß. Was gar nicht so einfach ist. Und der beste Platz – belüftungstechnisch ist die Allee zwischen den Abreiteplätzen. Deswegen muß ich jetzt auch eingestehen, daß ich gestern den Sieger der 6 jährigen nicht gesehen hab. Ich hab viele gesehen, viele tolle Pferde, viel gutes Reiten, aber auch amateurhaftes. Interessanterweise sind bei den 7jährigen dann wieder relativ viele Amateure unterwegs. Und es scheint doch etwas komplex zu sein, 7jährige durch die S zu reiten. Wobei die S ja schon grundsätzlich komplex ist – S wie sauschwer.

Irgendwie beruhigend – für mich zumindest, mag manch Händler anders betrachten – daß am Ende auch wieder die besten Reiter vorne stehen. Also, auch wenn die Pferde weißgottwietoll sind… hilfts wieder nix mitm Reiten lernen…

Die Ergebnisliste der 6 jährigen: Laura Strobel, der Klon von Dorothee Schneider – eine schmeichelhafte Bezeichnung, wie ich meine – gewinnt mit einem Vitalissohn. Der vor allem im Galopp und in der Durchlässigkeit gepunktet hat. Naja, eigentlich hat er überall hohe Noten, aber im Trab nicht die höchste. Die hatte Henkie mit Adelinde. Das funktioniert auch einfach gut. Der Gelderländer – er ist wirklich eine Kutschpferdeabstammung – trabt die durchgezüchteten Dressurpferde nochmal an die Wand. Da is aber auch ganz gut, daß die durchtrainierte und hochdekorierte Adelinde draufsitzt, Henkie ist vielleicht keine Option für ein ländliches Lizenzfreies. Da is das 40er Viereck einfach zu früh gar und ich weiß nicht, ob ihn das grundsätzlich beeindruckt, wenn der Raum aus ist?

D´avie und Severo auf dem dritten Platz. Das war eine tolle Runde! Da ist das Stadion auch gleich recht ausgeflippt. Der ist so schön rund, immer bergauf, so konstant in der Anlehnung. Da ist einfach alles so schön… Der könnt schon auch Champion sein, es wäre nicht verkehrt. Es müßt ihm nur im Schritt noch mehr einfallen – was jetzt nicht ganz wahrscheinlich ist.

Matchball OLD und Stefanie Wolf auf dem 4. Platz. Ich bin ja schon als Trakehnerfan grundsätzlich interessiert, wie sich die Milleniums so reiten lassen. DER läßt sich – zumindest von Stefanie Wolf – und wie! Das ist soooo schönes Reiten. Ich könnt ihr ja das ganze Jahr lang immer und überall zusehen. Und dieser zierliche, leicht blütrige Millenium, wie´s halt auch gehört für einen Trakehnerabkömmling, ist einfach sowas von schön. Bewegt sich unheimlich leichtfüssig, bergauf, kadenziert, gleichmäßig. Und da ist alles gleichmäßig gut – gleichmäßig hoher 8er.

Habana Libre A und Diederik Van Silfhout mit der höchsten Durchlässigkeitsnote. Und die Anlehnung und Gleichmässigkeit mit der Diederik üblicherweise GP reitet, kennen wir alle und bewundern sie auch. Die scheint ihm halt auch nicht die Sonne drauf, sondern ist wohl das Ergebnis planmässigen Vorgehens in seiner Ausbildung.

Auf dem 6. Platz Dorothee Schneider höchstselbst mit der vom Vorjahr bekannt Sister Act. Hat sich nicht verändert, sind nur Wechsel dazugekommen. Macht ja nix.

Donkey Boy, der Vorjahresdritte am 7 Platz. Macht das ähnlich: einfach Wechsel gelernt und weitergemacht.

Dann kam der imposante Ferrari mit Andreas Helgstrand. Der ist für einen Helgstrandhengst ja fast etwas uncharmant. Gscheit viel Pferd ist das und der Herr Chef hat auch zu tun, daß das immer alles dort stattfindet wo´s hingehört. Aber der gehört wahrscheinlich eh beschäftigt beim Rundumreiten, der Hengst wohl auch.

Den Flying Dancer von Dorothee hätt ich jetzt nicht so weit vorn gesehen. Da war ich äußerst überrascht. Daß Doro besser reiten kann, als viel anderen steht natürlich nicht zur Debatte. Und das hat dann im Viereck auch vorschriftsmässig ausgesehen, leicht war das nicht.

Die zwei Österreicher sind jetzt irgendwie grad nicht direkt ins Finale. Also die müssen in die Ehrenrunde. Liegen aber auf Platz 13 und 14. Donne Par Dieu und Lisa Maria Pfuisi waren 13. Ich war da a bisserl verwundert, daß man mit der Anlehnung nicht schärfer ins Gericht ging. Meiner Meinung nach war der nur annähernd durch´s Genick – aber „Vor der Senkrechten“ ist ja hochmodern! Qualität hat der natürlich, vor allem der Schritt ist herausragend, aber sicher auch durchaus interessant zu reiten.

Eine sehr schöne Runde auf einem sehr schönen, durchlässigen Pferd hat Stephanie Dearing mit Facilone gezeigt. Da standen wir am Viereck, nach dem Ritt von Doro und Flying Dancer, und sagten: „Die Steffi reitet jetzt sicher eine schönere Runde, mit mindestens genausoguter Grundqualität und bekommt sicher weniger.“ Quod erat demonstrandum.

Vieles hier in Ermelo versteht man nicht… da gibt´s oft Noten, da mußt dich echt wundern – und dann gibt´s oft keine und du mußt dich auch wundern?! Es wird sich also auch viel gewundert….

Für meine Spanierfans hab ich natürlich die rein spanischen Pferde besonders verfolgt. Ich mag sie ja einfach. Und man braucht sich NICHT wundern: sie bekommen schlechte Noten, ganz ohne wundern! Sie stechen natürlich heraus, sie sind eine andere Zucht und sie sind hier nicht gefragt von den Richtern. Das wußten wir vorher. Die Richter scheinen oft verlegen, was sie denn mit der Exotik tun sollen. Nur 7,0 geben ist fast etwas einfallslos. Aber es ist eh wurscht ob man sich da noch was einfallen läßt. Jedes dieser Pferde möchte ich zu gerne reiten. Ich würd auch ziemlich sicher mit jedem vom X bis zum C kommen! Alle anderen Reiter auch. Jedes dieser Pferde wird seinen Weg in den Grand Prix finden. Wahrscheinlich können sie alle den Großteil des Programms schon. Pi und Pa und Pirouetten sind vorinstalliert. Im Starken Trab um die Weltherrschaft zu ringen, ist ja nicht ganz ihr Ding. In 4 Jahren schlägt die Phalanx aus diesen Pferden in Aachen im Nationenpreis zurück. Die spanischen Beine und der Rücken werden´s aushalten. Muß man ja auch nicht so viel reiten, machen ja eh alles.

Recht gut bewertet war Molinero im kleinen Finale der 5 jährigen. Ins Finale kam er trotzdem nicht, an Helgstrand Pferden vorbeizutraben sind große Fußstapfen. An Asgards Ibiza geht auch kein Weg vorbei für einen Spanier. Sehr schöne Vorführung und durchwegs über 8 bewertet. Die Richter mochten diesen Spanier schon ganz gerne. Und… egal in welches Stadion der reingeritten wird, egal was am Abreiteplatz passiert, egal welches Wetter es hat – der läuft! Eine Option wenn das mitm Reitenlernen nicht so gut geht, oder zu wenig lustig ist.

Poeta de Susaeta: hochgehandelter spanischer Favourit. Trabt wie ein Großer! Einfach wunderschön dieser lackschwarze spanische Hengst. Leider galoppiert er nicht wie ein Großer! Es ist halt so selten, daß einer alles hat. Dieses Pferd wird sicher weiter gefördert, darf hoffentlich unter diesem Reiter bleiben und wir freuen uns mal auf die Grand Prixs.

Wie ein Fabelwesen aus einer anderen Welt tauchte Romero de Trujillo mit Teja Hernandez Villa auf zwischem all dem Dunkelbraun und Schwarz am Abreiteplatz. Der Abreiteplatz hat auch manchmal was von einer Nahkampfzone. Romero ist ein reinweißer Schimmel mit einem leuchtenden Metallicglanz. Er ist soooo schön, das kann man gar nicht beschreiben. Es ist ein etwas barocker Hengst mit massiven Gelenken und stabilen Beinen. Das ist ja recht beruhigend. Diese Beine werden viele Piaffen, Passagen und Pirouetten tragen. Dieser Hengst ist ein spanisches Pferd, wie aus dem Bilderbuch der Rassenbeschreibungen. Und so bewegt er sich auch: spanisch aber gut! Und genau das ist in Ermelo nicht so gefragt! Das heißt aber nicht, daß dieses Pferd nicht gut genug ist, daß es nicht seinen Weg in den Sport finden wird! UND: wo immer dieser fabelhafte Silberschimmel auftreten wird… wird ihn das Publikum feiern! Wir freuen uns schon….

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